Akademie Ostbayern - Böhmen: Gedanken zur Energiewende

Schwandorf. Bislang beschäftigte sich die „Akademie Ostbayern – Böhmen“ mit Naturschönheiten, Industriedenkmälern und geologischen Besonderheiten im grenznahen Natur- und Kulturraum, nun greift die vor neun Jahren gegründete Bildungseinrichtung das Thema „Energiewende“ auf. Beim Symposium am Samstag im „Oberpfälzer Künstlerhaus“ sprachen dazu hochkarätige Referenten.

 

Dipl.-Ing. Dr. Josef Hochhuber, Regierungsdirektor und stellvertretender Referatsleiter am bayerischen Wirtschaftsministerium, forderte eine Reduzierung des Energieverbrauchs und betonte: „Die Verschwendung fossiler Energieträger darf nicht durch die Verschwendung erneuerbarer Energien ersetzt werden“. Die Konsequenz daraus: Energieverbrauch vermindern,  Energieeffizienz steigern und die erneuerbaren Energien ausbauen.  

Professor Dr. Peter Poschlod, Inhaber des Lehrstuhls für Botanik an der Universität Regensburg, kommentierte die ökologischen Auswirkungen des Erneuerbaren –Energien-Gesetzes: „Die Flächen wurden umgebrochen und Mais darauf angebaut“. Das verbliebene Grünland werde umso intensiver genutzt und bis zu siebenmal pro Jahr gemäht. „Dadurch kommen viele Arten nicht mehr zur Blüte“ , so der Wissenschaftler. Der Artenrückgang betreffe vor allem die Bienen, „die kaum noch Nahrung finden“.

Jakob Opperer, Präsident der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, spürt seit der Energiewende auch ein Umdenken in der Öffentlichkeit und stellt fest: „Die Arbeit der Landwirte wird wieder mehr geschätzt“. Der Anstieg der Weltbevölkerung und des Lebensstandards in den Schwellenländern, die Energiewende, die Bekämpfung des Klimawandels, die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und die Biodiversität seien gewaltige Herausforderungen, die ohne eine leistungsfähige Landwirtschaft nicht zu bewältigen seien.

Professor Dr.-Ing. Michael Sterner, Leiter der Forschungsstelle für Energienetze und Energiespeicher an der „Ostbayerischen-Technischen-Hochschule“ in Regensburg, wirbt für einen Energiemix und ist der Überzeugung: „Dazu gehört auch die Power-to-Gas-Technologie“. Auch wenn ihre Anwendung vorwiegend in den nördlichen Regionen Region Sinn mache, könne sie auch in den übrigen Teilen des Landes einen Beitrag zur dezentralen Energieversorgung leisten. „Wir brauchen beides, Stromleitungen und Speicherung“, machte der Wissenschaftler deutlich.

Professor Dr. Ruth Freitag leitet den Lehrstuhl für Bioprozesstechnik an ingenieurwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth. Ihr Thema: „Power aus der Biotonne – Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit“. Sie forscht an der biologischen Vergärung der biologischen Abfälle. Das entstehende Biogas könne als stofflicher Energieträger genutzt werden, um damit beispielsweise Stadtbusse zu betreiben, betonte die Hochschullehrerin. Die zurückbleibenden Gärreste könne man in den Stoffkreislauf zurückführen. In den Städten funktioniere dies schon ganz gut, im ländlichen Raum scheitere die Nutzung noch an wirtschaftlichen Überlegungen.

Reimund Gotzel, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, wies auf die Konsequenzen der Energiewende hin: „Früher hatten wir 1000 Anlagen in ganz Deutschland, die Strom erzeugt haben, heute sind es 250 000, die allein ins Bayernwerk-Netz einspeisen“. An manchen Tagen betrage der regenerative Anteil über 100 Prozent am Gesamtvolumen. „Also mehr Strom durch erneuerbare Energie, als wir überhaupt brauchen“. Es gebe aber auch Zeiten, in denen dieser Anteil nur bei zehn Prozent liege. Als regionaler Anbieter müsse sein Unternehmen aber zu jeder Zeit die Versorgung sicherstellen, so der Vorstandsvorsitzende der Bayernwerk AG.  

Das Symposium war der Auftakt für eine Veranstaltungsreihe mit insgesamt zehn Terminen zum Thema „Energie“. Die nächste Veranstaltung findet am 17. März an der Universität in Pilsen statt. Dort geht es um die Energiewende in Westböhmen. Vorsitzender Josef Schönhammer konnte inzwischen auch die Stadt Schwandorf als Mitglied der „Akademie Ostbayern – Böhmen“ gewinnen. Oberbürgermeister Andreas Feller sprach ein Grußwort. Die Bildungseinrichtung unterstützen inzwischen über 100 Mitglieder.