toy-amazon-minimal-creative-2825755_1280 Kein Kinderspiel: Im neuen Jahr rollen die Tiefbau-Maschinen in Bergham an. Symbolbild: Kainesh Chaudhari auf Pixabay
Nittenau. Nach der Vorweihnachtszeit im Lockdown erst einmal genug von Amazon? Das trifft nicht auf die Stadt Nittenau zu. Nach einer weiteren Flächennutzungsplan-Änderung im Bereich Schlingmann-Areal III in Bergham in der Weihnachtssitzung des Stadtrates soll es im Januar losgehen mit dem Bau des neuen Amazon-Verteilzentrums. Dies möchte der Online-Riese nutzen, um Pakete für ein Gebiet von Parsberg bis Eslarn und von der Grenze hinunter nach Deggendorf zu sortieren und auf die Reise zu schicken.

Ganz ohne Kontroverse verlief die Debatte im September nicht. Die Grünen im Stadtrat sind gegen die Ansiedlung - weil von Amazon keine Gewerbesteuer zu erwarten sei und weil das abgeholzte Gelände eigentlich für die Ansiedlung von regionalem Gewerbe zur Verfügung stehen sollte. (Hier geht´s zum Bericht über die Stadtratssitzung vom September)

Dank der Nord-Ost-Umgehung mit der flotten Anbindung an die B 16 und dem kurzen Weg zur B 85 ist das Areal verkehrsmäßig interessant. Regionale ansiedlungswillige Interessenten rennen ihm - von der einen oder anderen Anfrage abgesehen - aber dennoch nicht gerade die Tür ein, so Bürgermeister Benjamin Boml (FW) im Gespräch mit dem Ostbayern-Kurier. Rund 10.000 qm Fläche könne die Stadt auch jetzt noch in dem Bereich anbieten, sagte er am Dienstag.

Im neuen Jahr beginnt erst einmal der Tiefbau für die 7.300-qm-Halle mit Bürotrakt und 126 Stellplätzen. "Die Weihnachtspackerln 2021 werden, wenn es nach Amazon geht, schon hier verteilt", so Boml. Der Projektant, der das Verteilzentrum für den Weltkonzern baut, nämlich die TIH Real Estate GmbH, betreibe seine Projekte nach Bomls Erkenntnis langfristig - ein wichtiges Kriterium, weil der Erst-Mietvertrag mit Amazon auf zehn Jahre befristet ist. Damit hat der Investor vom Stadtrat eine Art Vertrauensvorschuss bekommen, denn niemand möchte nach ein paar Jahren eine Industriebrache auf seinem Areal stehen haben.

Bürgermeister Boml: Job-Angebot vor Ort besser als anderswo

"Es scheint Unternehmensstrategie zu sein, sich mit den Logistikzentren in strukturarmen Regionen niederzulassen um die Menschen, die dort dann froh um die Arbeitsplätze sind, in untragbare Arbeitsbedingungen zu drängen", erklärte Dr. Carolin Wagner, SPD-Bundestagskandidatin für Regensburg, in einer nicht auf Nittenau bezogenen Presseerklärung ebenfalls am Dienstag in Richtung Amazon. Boml sieht Nittenau aber nicht als strukturschwache Gegend an, sondern als Teil des "erweiterten Speckgürtels" um Regensburg. 

Gleichwohl seien die rund 130 geplanten Arbeitsplätze mit einem Anfangs-Stundenlohn von 11,91 Euro brutto und 2.500 Euro im Monat nach zwei Jahren (Angaben des Projektanten in der September-Stadtratssitzung) dem Niedriglohnsektor zuzuordnen. "Vielleicht sind die Nittenauer, die in diesem Sektor arbeiten müssen, ja auch froh, dass sie jetzt dann vor Ort tätig sein können und keinen Großteil des ohnehin schmalen Geldes auf der Straße lassen müssen, wenn sie zum Beispiel nach Regensburg zur Arbeit fahren müssten", gibt der Bürgermeister zu bedenken. Im Rathaus laufen immer wieder Bewerbungen um die Jobs bei Amazon auf. Die werden von der Stadtverwaltung an das Unternehmen weitergeleitet. Gleichzeitig wurde am Dienstag bekannt, dass Amazon in Straubing wohl ebenfalls ein neues Verteilzentrum mit rund 100 Arbeitsplätzen plant. 

Nachbessern, wenn´s staut

Zurück nach Bergham: Wenn nach Projektantenangaben werktäglich 230 bis weit über 400 Fahrzeuge von Lieferdiensten zwischen 9 und 14 bzw. 15 Uhr (Expresslieferungen) abfahren - staut sich´s dann nicht rund um Nittenau? Boml verweist darauf, dass inzwischen die Verkehrsgutachten erstellt seien und Amazon selbst Interesse daran habe, die schnellsten Wege zu benutzen. Um zum Beispiel Richtung Regensburg zu kommen, würden die Lieferanten seiner Meinung nach am besten in Muckenbach auf die B 16 auffahren - auch wenn das nicht der kürzeste Weg sei. Dass es sich vielleicht dennoch staut, will er auf Nachfrage nicht ausschließen. "Wenn es da Probleme gibt, muss nachgebessert werden", sagt er.