An der Schafbruckmühle

An der Schafbruckmühle

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DerHistorischeVerein Regensburg zeigte Anfang Mai in seinerReihe "Traditionsbetriebe in der westlichen Oberpfalz" in Verbindung mit der VHS Landkreis Regensburg die Schafbruckmühle in Endorf/Laaber. Die KunsthistorikerinDr. Christine Riedl-Valder hatte extra einen alten Reiseführer von 1926 zitiert, in dem der Bereich rund um Laaber als Wanderweg angepriesen wurde. Märchenhaft schön, am ruhig dahingleitenden Wasser der Laber sei die Wanderung, auf der man auch an der Schafbruckmühle vorbei käme, hieß es da.

Für wanderfreudige Teilnehmer bietet sich noch immer von hier aus ein Ausflug in die idyllische Waldlandschaft von Schernried mit der „Hirschenstuben“-Höhle und der Eselsburg oder entlang der Laber Richtung Lindenhof an. Der Burgensteig führt direkt an der kleinen Gaststätte vorbei.

Die fast 90-jährige resolute Eigentümerin Agnes Schweiger nahm das Publikum mit in die Familiengeschichte. Schon im Jahre 1763 gehörte die Mühle der Müllerfamilie Hoffmann, es ist jedoch durchaus möglich, dass sie lange vorher erbaut wurde. 1842 hatte die Familie Schweiger die Mühle von Barbara Hoffmann erworben, nachdem diese ihre Tochter durch einen tragischen Unglücksfall verloren hatte.

Agnes Schweiger vermutet, dass der Name der Mühle wohl daher kommt, weil der Fluss dort eine seichte Furt aufwies und die Schafe hier getränkt wurden, beziehungsweise für die zur Durchquerung des Wassers mit den Schafen geeignet war. Die Schafbruckmühle gehört möglicherweise zu den jüngeren Mühlen im Tal der Schwarzen Laaber. Früher war es eine Getreidemühle, zudem wurde im Laufe der Zeit eine Bierschankkonzession erteilt, die Urkunde ist noch heute vorhanden. Daraufhin entwickelte sich das Gebäude zu einer Ausflugsgaststätte, die sie noch heute im Familienbetrieb ist.

1955 übernahm Alfons Schweiger, der verstorbene Ehemann der jetzigen Eigentümerin den Betrieb und hatte anschließend die Getreidemühle stillgelegt, weil sie unrentabel geworden war. Ob Bundeskanzler Konrad Adenauer am Mühlensterben zu dieser Zeit mitverantwortlich war, kann man so nicht sagen. Richtig ist aber, dass er Teilhaber einer sehr großen rheinischen Mühle und zugleich geschäftstüchtig war.

Das ganze Anwesen wurde bis 1979 mit dem Brunnenwasser versorgt, ehe sie an den Wasserzweckverband angeschlossen wurden. 1964 wurde von Gleichstrom auf Wechselstrom umgestellt. Seitdem ist die Mühle an die allgemeine Stromversorgung angeschlossen und produziert selbst Energie.

Die Gaststätte wird bis heute weiter bewirtschaftet. Wichtig sei der Eigentümerin immer noch der Umgang mit der Natur. Daher macht die Wirtsfamilie die Bratwürstl selbst. Und beim Essen in der Gaststube kann man durch eine Glasscheibe das sich drehende Mühlenrad bewundern. Bei schönem Wetter lohnt es sich, im Biergarten zu sitzen, um dem rauschen des Wassers zu lauschen.

Die gebürtige Ukrainerin lebt seit fast 70 Jahren in der Schafbruckmühle. Die Kriegswirren hatten sie um 1945 in die Oberpfalz verschlagen. Dort traf sie auch ihre Mutter wieder, denn die Familie wurde in dieser schweren Zeit in alle Richtungen verstreut.

Um noch etwas über diese Mühle und den Unterschied von anderen entsprechenden Bauwerken zu erfahren, war Richard Thaler, ein Mühlen-Sachverständiger und selbst Mühlenbesitzer eingeladen. Er erläuterte die Bedeutung der Mühlen im Frühmittelalter. Dort war die niedere Gerichtsbarkeit angesiedelt, denn wer eine Mühle beschädigte oder jemanden auf diesem Gebiet Leid zufügte, war ein Friedbrech und durfte bestraft werden.

Im 6. Jahrhundert hatte das Mühlwesen begonnen. Bauern konnten ihr Getreide zum Mahlen dorthin bringen. Viele bäuerliche Anwesen hatten sogar selbst eine kleine Mühle. Später gab es den Müller, der sich in die Zunft einkaufen musste. Ihm wurde ein Gebiet zugeteilt. Die Bauern mussten ihr Korn dort mahlen lassen. Dazwischen gab es Bannmühlen, welche frei waren. Glaubte ein Landwirt, von seinem Müller betrogen zu werden, hatte er die Möglichkeit, sich sein Korn in einer Bannmühle, die weit verstreut waren, mahlen zu lassen.

Ab etwa dem 14. Jahrhundert war der Müller nur ein Pächter, denn die Gebäude wurden von weltlichen oder geistigen Eigentümern aufgekauft. Dabei hatte der Müller immer drei Angestellte, darunter einen Ober- und einen Unterknecht. Statt Lohn hatten diese von den Verpächtern Mehl bekommen, so musste der Müller zwar nicht hungern, konnte aber auch keine Reichtümer anhäufen.

Thaler hatte noch einige alte Pläne und Zeichnungen verschiedener Mühlenausführungen mit dabei. In der Schafbruckmühle sei ein unterschlächtiges Zubringerrad eingebaut, weil die Wasserkraft das Rad von unten antreibt. So ein Rad hat einen Wirkungsgrad von etwa 60 %. Moderne Turbinen hätten einen Wirkungsgrad von 90 %.

Alle zehn Jahre müssten die Blätter im Zubringerrad gewechselt werden. Sehr kalte Winter oder lange Hochwasser seien schlecht und machten eine Reparatur noch eher notwendig.

Gerne verwendet man Erlenholz für die Blätter, denn Eiche sei zu schwer. Wobei im Mühlenrad der Schafbruckmühle Fichtenblätter eingebaut seien, welche allerdings mit der Faser geschnitten sind, um haltbarer zu werden. Es wird immer schwieriger, einen einheimischen Mühlendoktor zu finden, waren sich Frau Schweiger und Herr Thaler einig. Und wirklich rentabel sei so eine Mühle nicht, denn die Ersatzteile verlangen eine sehr genaue Arbeit und es gibt immer weniger Betriebe, die sich darauf spezialisiert haben.

Als Besucher allerdings ist so ein Mühlenrad mit den gleichmäßigen Bewegungen ein wahres Sinnerlebnis. Schön, wenn es noch einige Liebhaber gibt, die sich dem zeit- und kostenintensiven Hobby widmen, um der Nachwelt einen Einblick in die Vergangenheit zu gewähren.

 


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