Asylbewerbern aktiv bei der Integration helfen

Asylbewerbern aktiv bei der Integration helfen

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In der Schulturnhalle des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums Burglengenfeld sind in einer vorübergehenden Erstaufnahmestelle rund 140 Asylbewerber untergebracht. Gudrun Bitterer kümmert sich im Auftrag der Stadt neben der Betreuung dieser Asylbewerber auch um Flüchtlinge, die in den dezentralen Unterkünften untergebracht sind. In Absprache mit dem Landratsamt hat sie Sprachkurse organisiert. Am Montag sollte der erste Sprachkurs für die Asylbewerber der Erstaufnahmestelle im Bürgertreff am Europaplatz stattfinden. Der Termin wurde kurzfristig abgesagt, da die Asylbewerber wegen einer gesundheitsmäßigen Vorsichtsmaßnahme die Erstaufnahmestelle nicht verlassen durften. Bei einem Pressetermin informierten Gudrun Bitterer und Doris Dürr vom Verein „Lernende Region Schwandorf e.V.“ über diese Sprachkurse und Sprachpatenschaften.

Derzeit sind im Landkreis Schwandorf rund 1100 Asylbewerber dezentral in den verschiedensten Unterkünften untergebracht. Das bedeutet, dass sie mit der Erfassung ihrer Daten, dem Asylantrag und dem medizinischen Check die erste Hürde ihres Asylverfahrens gemeistert haben und nun in eigenen Wohnungen leben können. Erst nach Abschluss des Asylverfahrens steht den Asylbewerbern die Möglichkeit des Erlernens der deutschen Sprache zu. Die vielen Menschen möchten sich jedoch schnellstmöglich integrieren und am liebsten gleich mit dem Neuen anfangen – vielleicht hilft es auch, so leichter das Erlebte zu verstehen? Nun kommt Doris Dürr mit ihren Sprachpaten ins Spiel.

In der Stadt Burglengenfeld gibt es zwölf dieser ehrenamtliche Sprachpaten, im Landkreis Schwandorf sind es rund 75 Helfer, wobei vergangene Woche erst 15 neue Ehrenamtliche hinzugekommen sind. „Wir sind immer auf der Suche nach Sprachpaten“, erzählt Doris Dürr, die sich seit eineinhalb Jahren als Sprachpatin engagiert. Selbst betreut sie eine Familie und hat sich der Organisation von Sprachpatenschaften angenommen. „Vor vier Wochen sind uns die ehrenamtlichen Sprachpaten ausgegangen“, gibt sie zu. Das ist bitter, da der Bedarf immer größer wird. Deshalb ihr Appell, wer Interesse hat, sich ehrenamtlich zu engagieren, kann sich gerne bei ihr melden.

Was ist die Aufgabe der Sprachpaten? Sie helfen den Asylbewerbern nicht nur beim Erlernen der deutschen Sprache, sondern begleiten sie auch bei Behördengängen, Arztterminen oder helfen bei der Einschulung der Kinder. Die Asylbewerber müssen lernen, wie man einen Bus- oder Zugplan richtig liest. Sie lernen hier von Grund auf, wie das Leben in Deutschland funktioniert, so Dürr. Wie kann ich mithelfen und komme an die Adressen der Asylbewerber? Doris Dürr bekommt vom Landratsamt die Namen mitgeteilt und klärt vorab mit den Asylbewerbern ab, ob ein deutscher Sprachpate gewünscht wird. Daraufhin folgt ein erstes gemeinsames Treffen.

Ab diesem Zeitpunkt ist es dem Sprachpaten überlassen, wie sie den Asylbewerbern die deutsche Sprache näherbringen. „Meist haben wir bei den ersten Treffen ein Memory-Spiel dabei und erklären den Leuten dann die Begriffe anhand der Bilder“, erzählt sie aus ihrer Erfahrung als Sprachpatin. Die Männer sind oftmals erstaunt, dass man die Sprache so spielerisch erlernen kann. Angebotsflyer der verschiedenen Supermärkte erleichtern den Sprachunterricht, denn die abgebildeten Lebensmittel kennt eigentlich jeder – eben nur in einer anderen Sprache. Dürr hat festgestellt, dass es meist sehr gebildete Menschen sind, die hier Asyl beantragen. In der Heimat wählen die Familien meistens die Personen aus, die in Europa die besten Chancen haben Arbeit zu finden und somit die Familie zu Hause finanziell unterstützen können.

Die Sprachpaten betreuen ihre Schützlinge normalerweise, bis das Asylverfahren abgeschlossen ist, viele auch noch darüber hinaus, denn mittlerweile sind Freundschaften entstanden. Die ehrenamtlichen Sprachpaten werden regelmäßig geschult und treffen sich mit anderen Sprachpaten zum Erfahrungsaustausch. Burglengenfelds stellvertretender Bürgermeister Bernhard Krebs, der bei dem Pressetermin anwesend war, möchte selbst eine Sprachpatenschaft übernehmen. Es ist wichtig, dass Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, mit gutem Beispiel vorangehen und ein Zeichen setzen, so Bernhard Krebs.

Auf ihre Erfahrungen mit den Asylbewerbern angesprochen, antworteten Gudrun Bitterer und Doris Dürr fast gleichzeitig: „Nur positiv, denn die Asylbewerber möchten lernen.“ Um den Asylbewerbern den Einstieg in unsere Kultur zu erleichtern, ist es wichtig, ihnen unsere Sprache näher zu bringen, so das Credo der beiden. Neben den Sprachpatenschaften gibt es noch ein Betreuungsprojekt mit Deutschkursen für Asylbewerber. Diese werden in Schwandorf dreimal und in Burglengenfeld zweimal wöchentlich angeboten.

Wer Interesse an einer Sprachpatenschaft hat, kann sich telefonisch bei Doris Dürr unter 09471 / 306 820 oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder bei der Freiwilligenagentur im Landkreis Schwandorf, Hüttenstraße 1 in Maxhütte-Haidhof melden.


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