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Ausstellung „Blickkontakte“ in der Bezirkshauptverwaltung

Ausstellung „Blickkontakte“ in der Bezirkshauptverwaltung

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Bis 1. Juli ist in der Bezirkshauptverwaltung in Landshut die Ausstellung „Blickkontakte“ mit Fotografien von Vera Bosdorf aus Landshut und lithografischen Werken des Landauers Thom Kinzel zu sehen. Bei der Vernissage Ende April betonte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, die Relevanz des Blickkontakts als zentrales Element der nonverbalen Kommunikation.

„Die gezeigten Werke sind in zwei gänzlich unterschiedlichen Kunstrichtungen angesiedelt. In der Ausstellung fügen sie sich dennoch zu einer stimmigen Gesamtkomposition zusammen: Sie zeigen sowohl die sichtbaren als auch verborgenen Elemente der verbalen und der nonverbalen Kommunikation und die dahinter verborgenen Aussagen.“ 

Vera Bosdorf, gebürtige Düsseldorferin, promovierte Chemikerin und seit acht Jahren als Schmuckkünstlerin mit eigenem Atelier in Landshut tätig, stellt in der Bezirkshauptverwaltung Porträts mit „sprechenden Zensurbalken“ aus. Die Künstlerin hatte für das Fotoprojekt Personen, die ihren Weg kreuzten, aufgefordert, vorbereitete Texte spontan auszuwählen und als Zensurbalken für das Foto zu benutzen. Dabei hatten die Fotografierten die Wahl zwischen zahlreichen Aussagen, Fragen, Befehlen oder auch Abkürzungen aus der Sprachkultur der Jugend. Es interessierte Vera Bosdorf vor allem, welche Sprüche wie oft gewählt wurden und wie die Menschen beim Fotografieren damit umgingen. So entstand eine Reihe einzigartiger Bilder und Collagen mit unterschiedlichen Aussagen. „Die Spontanität stand im Mittelpunkt“, betonte die Künstlerin. Und: „Es fällt auf, dass trotz des Zensurbalkens die Person gut zu identifizieren ist. Da meist die Augen verdeckt sind, werden die anderen Gesichtsmerkmale verstärkt.“ 

Um den Blickt geht es auch bei den Werken, die Thom Kinzel zeigt: „Gerade wenn es um den Blick der Figuren in meinen Bildern geht, sind selbst winzige Veränderungen in der Wirkung gravierend“, sagte der Künstler. Sein Katalog zur aktuellen Ausstellung trägt den Titel „Eine lange Reise“. „Während der Reise kann sich der Blick für die Welt und für die Menschen, verändern. Die Eindrücke, die aufgenommen werden, werden vielfältiger“, so Bezirkstagspräsident Dr. Heinrich. Dem stimmte auch Thom Kinzel zu: „Ich sehe die Kunst als eine Reise. Alles, was ist erlebe, beeinflusst mein Kunstschaffen.“ Der Künstler, der in Landau a. d. Isar geboren und zuhause ist, hat trotz seiner jungen Jahren bereits mehrere Preise gewonnen: Unter anderem den Jugendkulturpreis Dingolfing-Landau und den Sparda-Bank Kunstpreis Amberg. Er studierte an der Universität Eichstätt-Ingolstadt Kunst und Englisch, ist seit 2012 freischaffender Künstler, seit 2014 als Dozent für Lithografie und Grafik an der Universität Eichstätt-Ingolstadt tätig und erweiterte im vergangenen Jahr sein Atelier um den Bereich Lithografie mit der ehemaligen Lithopresse von Günther Filus. 

Der Maler und Grafiker Helmut Seidel, der die Laudatio auf Thom Kinzel hielt, sieht in ihm „den Zeichner, den Maler, den Druckgrafiker, der sich nicht einordnen und nicht kategorisieren lassen will. Als Surrealist wurde er mit vorgestellt. Trotz der vorgefertigten Einordnung waren seine Arbeiten viel mehr Blicke wert. In seinen Gemälden ist hinter und über allem ein Augenzwinkern, ein schelmenhaftes Spiel mit Zeichen, Elementen und Worten. Ein Spiel mit dem Betrachter.“

Mit Sprache spielt Vera Bosdorf, betonte Annette Ody, Leiterin der Keramikschule Landshut, die die Laudatio für Vera Bosdorf hielt. Ody hob die Poesie, den sprachlichem Individualismus, die Kreativität und den Einfallsreichtum von Vera Bosdorf hervor: Dies alles zeige sie bei den Namen für ihre Schmuckobjekte, bei den Ausstellungen in ihrem eigenen Atelier, bei Gesprächen mit Menschen und nun beim Fotoprojekt mit den sprechenden Zensurbalken. „Der schwarze Streifen ist ein bekannter Zensurbalken, der immer auch in einer Verbindung zur Aussage eines Fotos und der dazugehörigen Kommunikation zu sehen ist. Ein Zensurbalken ist eine tragische Figur in der Ikonografie der Fotoberichterstattung“, so Ody. Im Zusammenhang mit aktuellen Medienberichterstattungen und Diskussionen um Daten- und Persönlichkeitsschutz „bekommen die Aussagen auf den Zensurbalken der Fotoportraits von Vera Bosdorf eine ganz eigene Dimension. Die Arbeit ist ein hochpolitisches Werk, das wichtige Denkanstöße gibt.“ Ody verband die Laudatio auch mit der Forderung, die Freyung in Landshut mehr aufzuwerten und Künstlern in der Stadt mehr Möglichkeiten zu bieten: „Vera Bosdorf ist die einzige Kunsthandwerkerin, die an einem der stadtarchitektonisch reizvollsten Plätze in Landshut angesiedelt ist. Es ist schade, dass sie hier die einzige ist. Ich empfinde es als eine Unterlassungssünde, dass die baulich gewachsene Potenz der Freyung immer noch nicht als mögliche touristische Preziose für die Ansiedlung von Kleingewerbe und Kunsthandwerkern erkannt wurde“, so Annette Ody. „Landshut hat bis heute kein Atelierhaus für seine Künstler. Landshut ist seit 1875 eine bekannte Keramikstadt und hat dennoch bis heute keine zentral gelegene städtische Keramikwerkstatt mit Schauraum für die Präsentation des Querschnitts aus den ansässigen Keramikwerkstätten aus dem Landshuter Kreis. Die Freyung würde mit einer eigenen verlockenden Welt aus Galerien, Kunsthandwerkern, Kleinkunst- und Alternativszenerien dem Profil Landshuts ein sehr attraktives Outfit verleihen.“

Die Ausstellung in der Bezirkshauptverwaltung, Maximilianstraße 15, 84028 Landshut, ist bis 1. Juli 2016 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind an Werktagen: Montag bis Donnerstag 9 bis 15.30 Uhr, Freitag 9 bis 12 Uhr; zudem am Samstag, 11. Juni von 13 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung.

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