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Bruckerin hat die Rösser fest im Griff

Bruckerin hat die Rösser fest im Griff

4 Minuten Lesezeit (724 Worte)

Wenn man den Schmiedehammer schon von weitem auf den eisernen Amboss schlagen hört, dann hat man sofort das Bild eines muskulösen Hufschmieds vor Augen. Doch auf dem Kellerhof schwingt an diesem sonnigen Tag nicht ein stämmiger Mann den Hammer, sondern eine hübsche, gertenschlanke Blondine. Susanne Jakob, entspricht so gar nicht der Vorstellung dieses klassischen Männerberufes. Doch für Sie wurde mit diesem Handwerksberuf ihr Lebenstraum war.

Schon als kleines Mädchen liebte Susi Pferde über alles. Auf dem Hof der Großeltern im Kobl bei Bruck lernte sie, mit ihnen ohne Angst umzugehen, ihre Grenzen zu achten und ihre Eigenheiten zu händeln. Kein Wunder also, dass es der größte Traum des Mädchens war, einmal als Hufschmied mit den geliebten Tieren zu arbeiten.

Doch da gab es ein Problem: Als Susi Jakob ihre Schulzeit beendet hatte, war es Pflicht, vor der Ausbildung zum Hufschmied noch eine Lehre im Metallhandwerk zu machen. Damals eine aussichtslose Sache, denn Lehrstellen waren rar. So hat Sie dann notgedrungen eine Ausbildungsstelle in einer Bäckerei angenommen, ihren Traumberuf abgehakt und später in einer Tankstelle gearbeitet.

In jener Tankstelle war dann aber, Jahre später, auch ein Hufschmied aus Neunburg Kunde. Der klagte im Geplauder mit Susi über zu viel Arbeit - und so kam es, dass die blonde Bruckerin doch noch auf Umwegen zu ihrem Traumberuf kam. Denn 2007 wurden die Vorgaben geändert und es reichte nun aus, für die Ausbildung im Hufschmiede-Handwerk einen Gesellenbrief zu haben. Es musste nicht mehr unbedingt ein erlernter Metallberuf sein.

Susi machte ein zweijähriges Praktikum bei dem Hufschmied, absolvierte anschließend einen Einführungslehrgang und die Prüfung. Seither läuft das Geschäft gut. Die junge Frau ist viel gefragt und beliebt bei den Kunden - sowohl bei den Vierbeinern als auch bei den zweibeinigen Besitzern.

„Natürlich muss man sich bei dem Job auch durchsetzen, denn es gilt, die  Aufgabe gut und unfallfrei zu erledigen. Da muss ich mich manchmal auch gegen Ross und Reiter behaupten!“, lacht die junge Frau, die immer noch in ihrem Heimatort Mappach lebt.
In der Tat ist ihre Arbeit nicht ganz ungefährlich. „Die Kaltblüter sind ganz handsam“, erzählt sie schmunzelnd weiter. „Sie sind eher ruhig, aber dafür legen sie sich auch schnell hin, weil sie nicht so lange stehen können.“ Ganz anders dagegen die Dressur- und Springpferde - da geht das Temperament schon mal durch und das Beschlagen wird zum Drahtseilakt. Ein Tritt der muskulösen Tiere kann zu schwersten Knochenbrüchen und Schädelbruch führen. Ein gutes Händchen und Ruhe sind dabei gefragt - und auch die Mitarbeit der Tierbesitzer, wenn diese unterstützend eingreifen. Den einen oder anderen blauen Fleck muss man in diesem Beruf aber schon weg stecken können. Aufgeritzte oder verbrannte Haut gehören beim Hufschmied zum Alltag. „Besonders aufpassen muss man beim Beschlagen, wenn das Pferd den Fuß zurück zieht. Da können einem die noch nicht umgeschlagenen Nägel an den Hufeisen schon mal den Schenkel aufschlitzen!“, erzählt Susanne cool.

Doch die 29-Jährige fühlt sich wohl in ihrem neuen Beruf, den sie jetzt schon seit zweieinhalb Jahren ausübt. Ihr Einsatzgebiet reicht von Waldmünchen und Kötzting bis Regensburg und Neumarkt. „Ich bin nicht die einzige Frau als Schmiedin,“ erzählt die hübsche Blondine weiter, in Straubing und Nabburg sind inzwischen auch weibliche Hufschmiede im Einsatz.

Auch wenn die Arbeit mit Hammer und Hufeisen nicht gerade gut ist für zarte Frauenhände, es geht hier schließlich um die Pediküre für die Pferde. Die werden dabei aufs Beste versorgt. Hufpflege ist schon eine ganz spezielle Angelegenheit - da braucht es trotz aller Derbheit des Materials einiges Einfühlungsvermögen und die richtige Taxierung. Denn der neue „Schuh“, das Eisen, soll dem Pferd ja nicht nur genau passen, es soll auch den individuellen Gang unterstützen oder ausgleichen.

Etwa alle sechs Wochen bekommen Pferde im Schnitt neue Schuhe angepasst. Ganz unterschiedlich und individuell. Manche tragen nur an den Hinterbeinen Hufeisen, andere an allen Vieren.
Für Susi Jakob liegt das Glück nicht nur auf dem Rücken der Pferde, sondern auch beim Arbeiten mit ihnen. Man kann kaum glauben, dass die zarte Frau das alles körperlich so wegsteckt.  „Es ist zwar anstrengender als hinter der Theke zu stehen und zu verkaufen, aber mir tut abends nichts weh. Die Bewegungen sind eben nicht einseitig, das macht fit!“, erklärt sie.
Nach weiteren drei Berufsjahren darf Susi dann sogar selbst einen Lehrling zum Hufschmied ausbilden. In einem Beruf, der schon als ausgestorben galt, und nun doch wieder gefragt ist wie vor 100 Jahren.

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