Anzeige
„Die Rücksicht ist auf dem Rückzug”

„Die Rücksicht ist auf dem Rückzug”

3 Minuten Lesezeit (633 Worte)

Morgens durch das Nadelöhr Pfaffensteiner Tunnel, abends aus der Passauer Richtung oder vom Holledauer Kreuz kommend: Wer irgendwie durch Regensburg muss, rechnet Stau-Zeiten inzwischen mit ein. Zu den Stoßzeiten wird überdeutlich: Das Autobahnnetz hier kann die zunehmenden Verkehrsströme kaum mehr verkraften.
Die seit Jahren wirtschaftlich wachsende Stadt funktioniert auch als Gelenk im Ost-West-Handels- und Dienstleistungsverkehr. Wenn sich da morgens und abends Regensburger, Ostbayern, Tschechen, Polen, Ungarn und Rumänen in Regensburg treffen, wird es ungemütlich - die Sitten werden rauer. Die Zu- und Abfahrten werden zu Überholspuren, der Standstreifen missbraucht. Und jetzt ist auch noch Ferienzeit.

„Die Rücksicht ist auf dem Rückzug”, sagt dazu Albert Brück, Pressesprecher am Polizeipräsidium Regensburg. Abstand halten, Lücken anbieten: „Viele suchen den persönlichen Vorteil”, bedauert Brück. Schaut die Polizei da genauer hin? Ja, natürlich - aber: „Im Umfeld eines Polizeifahrzeugs wird das Verkehrsverhalten besser”, muss Brück einschränken.
Deshalb wissen die Kollegen von der Verkehrspolizei, wo sie stehen müssen, um nicht gesehen zu werden - und um die anzuhalten, die den Standstreifen für ihren persönlichen Stau-Ausweg halten. Gefährlich ist das ohnehin, und dass bei solchen Manövern sämtliche Zu- und Abfahrtsmarkierungen überfahren werden, macht das Verhalten noch unfallträchtiger. Dem vermeintlichen persönlichen Vorteil steht eine unverhältnismäßig hohe Gefahr gegenüber.
Laufend kontrollieren kann die Verkehrspolizei das Regensburger Staugeschehen nicht; wenn es Kapazität und Einsatzbelastung zulassen, ist das Thema aber präsent, so Christian Eichenseher von der Verkehrspolizeiinspektion. Dann steht da schon mal ein Streifenwagen an einer Stelle, wo man ihn nicht vermutet - und greift zu, wenn der Standstreifen als Überholspur missbraucht wird.


Standspur frei halten!
„Es geht uns nicht darum, die Leute zu gängeln”, so Eichenseher. Es geht schlichtweg darum: „Ohne freie Standspur keine Rettungsgasse.” Das heißt, man verhindert im schlimmsten Fall das Vorwärtskommen eines Rettungswagens. Schwierig: Wer ein solches Vergehen zur Anzeige bringt, sollte neben dem Fahrzeug-Kennzeichen auch den Fahrer ungefähr beschreiben können.


Und das Bußgeld ist nicht gerade abschreckend: Den „Seitenstreifen zum schnelleren Vorwärtskommen zu benutzen” wird, kommt keine Nötigung oder dergleichen hinzu, mit lediglich 75 Euro und einem Punkt geahndet. Wer sich da durch Baustellen, Flickenteppiche und Dauerbeschränkungen auf der die durch ihre tödlichen „Blow-ups” berüchtigt gewordenen A 93 gekämpft hat und dann in den Regensburger Autobahnknoten einfährt, dem mag die Standspur als goldener Weg leuchten. Doch die Unfallgefahr, die sich dadurch ergibt, dass sich Autobahnen kreuzen und Ein- oder Ausfahrten nicht sicher und frei von Ausscherern sind, die ist nicht mehr beherrschbar. Staus hin oder her - man wird sich in Regensburg, ob als Durchreisender oder als Stadtbewohner, mit Wartezeiten abfinden müssen. Die Regensburger SPD weiß, dass sie neben der prosperierenden Stadt auch eine Stadt mit Verkehrsproblemen übernommen hat.


Allzu großes Gemaule in Richtung CSU bleibt aber aus - ein schöner Umstand in der politischen Landschaft übrigens. In Verkehrssachen sind schnelle Lösungen nicht drin und alles, was man macht, verursacht schnell auch Probleme: Wie viele Autofahrer es den Planern gedankt haben, als die Teerdecke in der Frankenstraße an einem ruhigen Julisonntag erneuert wurde, kann man ahnen. An Werktagen wäre das Verkehrschaos gar nicht mehr darstellbar gewesen.  Genaue Absprachen sind inzwischen unerlässlich: „Baustellen, die Auswirkungen auf den Verkehrsfluss haben, werden mit allen Beteiligten durchgesprochen”, so Eichenseher. Gerade auf Autobahnen zeichnet sich ab: „Der Trend geht in die Nachtstunden”.  


Während der nächsten Wochen wird es wieder - bedingt durch die Ferienzeiten - zu erhöhter Staugefahr in und um Regensburg kommen, so Eichenseher. Das sollten Autofahrer wenn möglich einkalkulieren. Wer die Fahrt nicht verschieben kann, sollte einfach etwas Geduld mitbringen.
Der TÜV Süd rät Urlaubsfahrern, dienstags oder mittwochs zu starten - und wer im Stau steht, sollte nicht unnötig die Spur wechseln, nur um einen vermeintlichen Vorteil zu haben. Zahlreiche Studien belegen, dass man dadurch nicht schneller ans Ziel kommt. Auch Umfahrungen sind - leider - meist nicht angebracht. Denn die sind oft ebenso verstopft wie die Autobahn daneben, so der TÜV.

Anzeige

Updates abonnieren Abo beenden Drucken

Ähnliche Beiträge

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://ostbayern-kurier.de/

Region Schwandorf

16. Oktober 2021
Ostbayern. (Advertorial) Das Haus in Sarching liegt etwas zurückgesetzt von der Straße, und schon von weitem lächelt der reife Herr freundlich zu. Im Gespräch meint er schelmisch: „Jetzt habe ich einen Knopf, wo immer sofort eine junge Frau zu mir ko...
15. Oktober 2021
Nittenau. „Gibt es von Ihrer Seite Einwendungen gegen die Tagesordnung?" Dies ist eine der Standard-Fragen zu Beginn einer jeden Stadtratssitzung. ...
15. Oktober 2021
Schwandorf. Im Landkreis Schwandorf wurden am Mittwoch, 13. Oktober, und Donnerstag, 14. Oktober insgesamt 56 neue COVID-19-Infektionen ausgemacht. Hieraus ergibt sich laut RKI für Freitag, 15. Oktober, eine Inzidenz von 69,4. Die Gesamtzahl der Coro...
15. Oktober 2021
Teublitz. Inzwischen blicken Annemarie und Walter Muck auf ein beständiges 50-jähriges Eheleben zurück. Zu ihrer Goldenen Hochzeit gratulierte Bürgermeister Thomas Beer. ...
15. Oktober 2021
Schwandorf. Fragen rund um Ausbildungsmöglichkeiten am Krankenhaus St. Barbara können Interessierte im Rahmen einer Whatsapp-Schnupperwoche vom 18. bis 22. Oktober 2021 ganz unkompliziert und spontan mit ihrem Smartphone stellen (Advertorial)....
14. Oktober 2021
Sonntag. Am Sonntag, 11. Juli, gegen 17.15 Uhr, war ein grüner Ford Kuga eines 72-jährigen Schwandorfers ordnungsgemäß auf dem Parkplatz des FC Ettmannsdorf, in Schwandorf, geparkt, als ein grauer VW-Passat Variant rückwärts ausparkte und hierbei mit...
Anzeige

Amberg, Sulzbach-Rosenberg

14. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Die Grund- und Mittelschule Ursensollen ist nicht auf den Hund, sondern auf das Huhn gekommen. In einer Ecke auf dem Pausenhof wurde eine Großraumvoliere angelegt, in dem seit kurzem drei Hühner untergebracht sind. ...
14. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat seit 1. Oktober einen neuen Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege. Markus Fuchs aus Ursensollen wurde von Landrat Richard Reisinger, zugleich Kreisvorsitzender der Obst- und Garte...
11. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Im Landkreis Amberg-Sulzbach wurde der Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 je 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten: Samstag, 9. Oktober 2021 (Inzidenzwert 39,8), Sonntag, 10...
10. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Ab Montag, 11. Oktober sind im Testzentrum auf dem Parkplatz des Gesundheitsamtes Amberg in der Hockermühlstraße keine kostenlosen Jedermann-Testungen mehr möglich. Darüber informiert das Landratsamt Amberg-Sulzbach in einer gemeinsa...
09. November 2020
Amberg-Sulzbach. Es war der 11. November 2000. Beim Seilbahnunglück von Kaprun sterben 155 Menschen, darunter 20 aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, überwiegend aus Vilseck und Hahnbach, aber auch aus Sulzbach-Rosenberg und Rieden. Erstickt oder verb...
24. Oktober 2020
Amberg-Sulzbach. Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat die 7-Tage-Inzidenz von 35 überschritten. Somit tritt § 24 der 7. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (7. BayIfSMV) ab Sonntag, 25. Oktober 2020, 0 Uhr, in Kraft. Es wird eine M...

Ähnliche Artikel

02. Dezember 2016
Reportage
Im Jahr 1889 wurde der Jahn gegründet. Von 1926 bis zum 23. Mai war die Prüfeninger Straße die Heimat des Vereins. Bereits 1931 wurde ...
01. Dezember 2018
Wernberg-Köblitz
  Der  BMW prallte zuerst mit der Vorderfront gegen die mittlere Betonabgrenzung und die beiden Frontairbags lösten aus. Anschließend schleuderte der ...
07. April 2020
Region
Regensburg
Amberg
Ohne viel Zögern begab sich die Zöllnerin an die heimische Nähmaschine und fertigte innerhalb kürzester Zeit über 200 Mund-Nasen-Masken an. Diese werden kostenfrei, nicht nur an soziale und caritative...
30. November 2018
Markt Kallmünz
Im Künstlerort Kallmünz wurde das Haus von Hans Geistreiter 1989 verkauft und leergeräumt. Ein Nachbar konnte nicht mit ansehen, was da im Container l...
01. Dezember 2018
Regensburg
Die CSU habe als einzige Partei in der Flüchtlingskrise die Gesamtsituation im Auge behalten, resümierte Freudenstein. Auch auf Landesebene ...
02. Dezember 2018
Top-Thema
Der Tag der offenen Tür zum 30-jährigen Bestehen des Werkes war wie interaktives Fernsehen – bloß zum Mitmachen und selbst Erleben. „Sie sind der Prog...

Für Sie ausgewählt