Die Stadt als großes Gesamtprojekt

Die Stadt als großes Gesamtprojekt

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Eine Stadt ist nie wirklich vollendet. Alles befindet sich immer im Fluss. Schwandorf, die Große Kreisstadt, liegt auch noch malerisch am Fluss. Wer aufmerksam hindurch geht, sieht an etlichen Ecken Handlungsbedarf.

Es gibt viele Zukunftspläne im Rathaus - sei es im Investitionsprogramm oder auf den Reißbrettern von Architekten oder auf der Agenda der jüngst berufenen Stadtumbau-Manager. Addiert man sie, dann verfestigt sich ein Eindruck, den Oberbürgermeister Andreas Feller in einen einfachen Satz gießt: „Unsere Herausforderung ist es,  Schwandorf fit zu machen für die kommenden zwei Generationen, ein Langzeit-Projekt, dem sich Stadtrat und Verwaltung gemeinsam stellen müssen.“

Entwicklung der Innenstadt: So wie hier in der Augustinstraße sollen künftig die Anwohnerstraßen in der Kernstadt aussehen – barrierefrei mit ausreichend Stellplätzen und viel Grün.

Diese  große Aufgabe hat verschiedene Gründe. Unsere Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Schneller, als es die Bauleitplanung und mancher städtische Haushalt erlaubt. Gesetzlicher Anspruch und Bedarf an Kita-Plätzen, Ganztagesbetreuung, die Forderungen nach schnellem Internet, barrierefrei ausgebauten Straßen, breiten Parkplätzen, aber gleichzeitig lärmfreien und verkehrsberuhigten Wohngegenden. Im Internet wird fleißig gekauft, zugleich sind die Ansprüche hoch, wenn es um die Qualität der Nahversorgung und den Event-Charakter des „Einkaufserlebnisses“ geht.

Herausforderungen, die in kleineren Gemeinden nicht so zum Tragen kommen, wie in Schwandorf mit seinen gut 29.000 Einwohnern und dem riesigen Stadtgebiet (an 5. Stelle in Bayern!).  Ambitionen, die hier  schwieriger zu erfüllen sind, als etwa in einer Großstadt wie Regensburg mit einem gewaltigen Gewerbesteueraufkommen.

Der Wandel der Bedürfnisse lässt sich in Schwandorf sehr gut am Marktplatz ablesen, der „erst“ vor 30 Jahren umgestaltet worden ist. „Jeder macht so etwas nach den Maßgaben und Anforderungen seiner Zeit. Und ich frage Sie: Wer würde das heute noch so bauen?“, so OB Feller im Gespräch mit dem OK. Er sieht seine Stadt nicht als einzige Großbaustelle, sondern als „lebens- und liebenswerte Wohn-, Einkaufs- und Arbeitsstadt“, deren Weiterentwicklung nicht „klein-klein“, sondern nur mit einem stimmigen Gesamtkonzept geschehen dürfe. „Deshalb wurde dem ISEK-Prozess vor vier Jahren so breiter Raum gegeben, deshalb nutzen wir staatliche Förderungquellen, wir installieren ein Stadtumbau-Management, und deshalb tun wir in diese Richtung alles Machbare“, so Feller.

„Nicht per Emotionskocherei”

Das vor zwei Jahren eröffnete Einkaufszentrum auf dem ehemaligen TWF-Gelände wird von den Schwandorfern gut angenommen. Jetzt gilt es noch, die letzten freien Flächen zu vermarkten und den von der Stadt geforderten Grünordnungsplan umzusetzen. 

Er sieht die Stadt auf einem guten Weg in Richtung Zukunft. Das TWF-Gelände, einst Menetekel und abgeschirmt, hat sich als „großes Nahversorgungszentrum bestens eingeführt und etabliert“. Natürlich fehlt noch einiges. Das Kopfgebäude etwa und die anständige Begrünung. Aber auch die richtige Anbindung an die Innenstadt. „Die hat es vorher nicht gegeben und die lässt sich nicht aus dem Hut zaubern.“ Mit dem Modehaus Frey als Einkaufsmagnet an exponierter Stelle sieht er aber gute Chancen, hier eine tragfähige und attraktive Lösung zu finden.

Das vor zwei Jahren eröffnete Einkaufszentrum auf dem ehemaligen TWF-Gelände wird von den Schwandorfern gut angenommen. Jetzt gilt es noch, die letzten freien Flächen zu vermarkten und den von der Stadt geforderten Grünordnungsplan umzusetzen. 

Sei es der Ärger mit dem ursprünglichen TWF-Investor, sei es das Hickhack um den Verkehrsversuch, mit dem die Stadt im Frühjahr den Durchgangsverkehr um den Marktplatz herum geleitet hat: „Es ist natürlich ein bisschen frustrierend, wenn aus manchen „Ecken“ zu langwierigen Prozessen alle fünf Minuten „absolute Wahrheiten“ verkündet werden. Wir hier im Rathaus wollen kontinuierlich arbeiten und behalten die Entwicklungen im Blick. Dialog und Kommunikation mit dem Bürger und Beteiligten sind ganz wichtig – aber es muss dabei um die Sache gehen. Stadtentwicklung geht nicht per Bauchgefühl und Emotionskocherei“, so Feller.

Verkehrsversuch gelungen

Erstaunlicherweise hört man heute, wenige Monate nach Ende des Verkehrsversuchs, plötzlich ganz überwiegend positive Stimmen zu dem Thema. Feller möchte nicht mehr darauf eingehen. „Geschenkt“, sagt er. Stehen bleibe, dass der Versuch den Beweis erbracht habe, dass es möglich ist, den  Durchgangsverkehr zu großen Teilen aus der Friedrich-Ebert-Straße raus zu bringen. Darauf können die weiteren Planungsüberlegungen aufbauen.

Drei Schulen gleichzeitig renovieren, ein Kinderhaus bauen -  und dann mit der Kreuzbergschule ein weiteres Bildungsprojekt vor der Brust, das sieben bis acht Millionen Euro kosten wird: „Wir sind in der glücklichen Lage, dass der Haushalt das hergibt. Das muss aber sorgfältig koordiniert werden“, so Feller. Eine generationenbezogene Zukunftsperspektive für die Stadt fange immer bei den Kindern und Jugendlichen, damit bei der Bildung an.

Beseitigung von Leerständen in der Innenstadt: Die Verhandlungen zur Beseitigung dieses Schandfleckes in der Fr.-Ebert-Straße gestalten sich schwierig. Derzeit sieht es nach mehreren Gespräche mit dem Eigentümer so aus, als könnte eine Lösung gefunden werden.

Wohn-/Lebensqualität braucht aber noch viel mehr. Eine intakte Infrastruktur, Grün zum Atmen. Wohnen und arbeiten nebeneinander, wie es die laufenden Gespräche für das Schmidtbräu-Areal vorsehen. „Wir müssen an diesem markanten Bereich in der Innenstadt  Besucherfrequenz schaffen, um das Leben in der Innenstadt zu halten.“ Konkret heiße das, auch über ausgefallene Ideen nachzudenken: „Warum nicht zum Beispiel die Stadtbibliothek und einen kleinen Veranstaltungssaal pittoresk in die alte Abfüllerei zu integrieren ?“, so Feller.

Beseitigung von Leerständen in der Innenstadt: Die Verhandlungen zur Beseitigung dieses Schandfleckes in der Fr.-Ebert-Straße gestalten sich schwierig. Derzeit sieht es nach mehreren Gespräche mit dem Eigentümer so aus, als könnte eine Lösung gefunden werden.

Zu weiteren Entwicklungschancen der Stadt  verhandle die Stadt seit geraumer Zeit mit der Bahn über das Gelände an der Eglseer Straße und den leer stehenden Lokschuppen. Für eine stets wachsende Stadt, deren kontinuierliche Anziehungskraft im besonderen für junge Familien  viele Prognosen aus der Vergangenheit Lügen gestraft hat, sei die Bewerbung um eine Landesgartenschau denkbar, so der OB. Ebenso wichtig sei es aber, aus Leerständen wie den Flächen am Spitalparkplatz etwas Prosperierendes zu machen. Mit Konzepten, die in die neue Zeit passen. Diese Philosophie liegt für Feller auch der Behördenverlagerung von Heimatminister Dr. Markus Söder zugrunde, die Schwandorf eine Außenstelle des Landesjugendamtes bescheren wird. „Beim leer stehenden „Meierhofer-Anwesen“ in der Friedrich Ebert-Straße gibt es Bewegung. Wir haben den Gesprächsfaden aufgenommen und sind auf einem guten Weg, aber das geht halt nicht von heute auf morgen“, so Feller.

OB Andreas Feller wünscht sich eine Innenstadt mit vielfältigem Angebot, dazu gehören neben einem gut sortierten Handel auch die wöchentlichen Wochen- und Bauernmärkte auf dem Markplatz mit frischen Produkten aus der Region.

Das Fazit des OB: „Wie könnte eine Zukunftsvision aussehen, wenn die Konzepte, die derzeit in einen großen Schwandorf-Plan zusammenfließen, umgesetzt sind ? Die Stadt wird sicher nicht vollendet sein, aber sie wird  noch ein Stück lebenswerter sein. Kurzum, ich lebe in einer liebenswerten Kleinstadt, die mir alles bietet, was ich brauche“.


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