DSC_3182-A-2-Kopie Von links: Reinhard Ühlin von der Krieger- und Soldatenkameradschaft Regendorf, Bürgermeisterin Andrea Dobsch und die Familie von Harnier, sowie Pfarrer Josef Schießl (rechts). Bild: © Karl-Heinz Dirnberger

Einweihung des Harnier-Platzes in Regendorf

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Regendorf/Zeitlarn. Vor einer eindrucksvollen Kulisse an der Regendorfer Kirche trafen sich dort am vergangenen Samstagabend Bürgerinnen und Bürger, Abordnungen aus dem Gemeinderat und den Vereinen zusammen mit Pfarrer Josef Schießl und der Familie Harnier.

„Ich bedanke mich bei Ortsheimatpfleger Johann Pflauger dafür, dass er die schicksalshafte Geschichte meiner Familie aus dem Dunkel der Vergessenheit in das Gedächtnis der heutigen Generation geholt hat", begann Louis Harnier, Freiherr von Regendorf, seine Ansprache bei der Gedenkfeier. Er war auf Einladung der Gemeinde Zeitlarn mit seiner Familie aus München angereist. Er dankte auch den Gemeinderätinnen und Gemeinderäten mit Bürgermeisterin Andrea Dobsch an der Spitze für den Beschluss der Namensgebung. Dem Krieger und Soldatenverein Regendorf sprach er seine Anerkennung für die Organisation der Feier aus, die am Kriegerdenkmal in Regendorf stattfand. Schließlich überreichte er Herrn Pfarrer Schießl und Bürgermeisterin Andrea Dobsch je ein Buch mit den Titeln „Zeugen einer besseren Welt" und „Harnier Kreis".

Der Festakt begann mit der Andacht der Pfarrgemeinde und der Segnung des Platzes. Pfarrer Josef Schießl würdigte das Kriegerdenkmal als eines der bewundernswertesten in der Umgebung und erinnerte daran, dass der Stifter des Ehrendenkmals Louis' Großvater Eduard Harnier, Freiherr von Regendorf, gewesen ist. „Es erinnert an die von Menschen verursachten leidvollen Geschehnisse, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen". Die Bevölkerung schätzte die offene Art der Familie und ihre caritativen Taten. Hinterhältige Anfeindungen im Dritten Reich führten allerdings dazu, dass sie ihren ganzen Besitz verloren. „Möge diese Stätte den Menschen ihre Sinne schärfen, damit sie Unrecht wahrnehmen und beim Namen nennen". Schließlich hat Dr. Adolf von Harnier durch das Unrechtssystem sein Leben verloren, weil er vielen Geistlichen und jüdischen Mitbürgern Zuflucht und Unterstützung gewährte.

„Namen von Straßen und Plätzen sind Medien der Erinnerungspolitik", Bürgermeisterin Andrea Dobsch zeigte sich erfreut, dass der Gemeinderat Dr. Adolf von Harnier und seiner Familie eine Ehrung zuteil werden lässt. An dem Ort, der ihnen zur zweiten Heimat geworden ist. Sie wies darauf hin, dass die Familie von Harnier aufgrund ihres bescheidenen Auftretens und ihrer caritativen Freigiebigkeit bei der Regendorfer Bevölkerung beliebt war. So stiftete sie z. B. außer dem Kriegerdenkmal auch eine Glocke für die Kirche. Als bekennende Gegner der Nationalsozialisten fielen die Schlossherren damals in Ungnade und standen unter Beobachtung. Staatliche Stellen sabotierten sie bei der Sanierung des Schlosses und sie mussten den Besitz aufgeben.

Dr. Adolf Freiherr von Harnier war tief verwurzelt im christlichen Glauben, verteidigte und schützte viele Mitbürger vor den Übergriffen des Unrechtsstaates. Er war entschiedener Regimegegner, Mitglied und Führungsfigur des Münchner „Harnier-Kreises". Dessen Mitglieder verhaftete das NS-Regime und verurteilte sie später. Adolf von Harnier starb für seine Überzeugung kurz nach seiner Befreiung aus dem Zuchthaus Straubing am 12.05.1945. „Für mich und den Gemeinderat war es selbstverständlich, der Familie eine besondere Form der Widmung und Würdigung zu gewähren", betonte die Rathauschefin.

Für den Vorsitzenden der Krieger und Soldatenkameradschaft Regendorf, Reinhard Ühlin, ist der Volkstrauertag eine Gelegenheit, bewusst inne zu halten und der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken, an die vielen Millionen Menschen, die ihr Leben durch Krieg und Gewalt verloren haben. „Wir müssen uns gemeinsam für die Erhaltung des Friedens auf dieser Welt einsetzen, wir stehen in der Verantwortung für eine sichere Zukunft für uns und unsere Nachbarn", mahnte er. Und er erinnerte gerade an diesem denkwürdigen Ort an die jungen Männer und Frauen aus Regendorf, die nicht mehr nach Hause kamen, weil sie an den Folgen des Krieges verstorben sind.

Schließlich leitete er das traditionelle Gedenken der Krieger- und Soldatenkameradschaft Regendorf zum Volkstrauertag, das mit der Bayern Hymne, intoniert von der Feuerwehrkapelle Zeitlarn, seinen Abschluss fand.

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