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Eisenzeit: Neue Leitung, amüsante Barbarafeier

Eisenzeit: Neue Leitung, amüsante Barbarafeier

4 Minuten Lesezeit (891 Worte)

Zäsur bei der Kulturreihe "Eisenzeit" in Bodenwöhr: Das Amt des künstlerischen Leiters ging von Hubert Süß (Sulzbach-Rosenberg) über an Marlene Wagner-Müller aus Kelheim. Die Theaterpädagogin, die seit 2012 auch am Landestheater Oberpfalz (LTO, Kreis Neustadt/WN.) inszeniert, führt 2017 auch Regie bei den drei Stücken im Programm der Eisenzeit-Festspiele am Hammersee. Am Sonntag hatte sie ihren ersten öffentlichen Auftritt bei der Barbarafeier, zu der der "Ring der Eisenzeit" seit 2012 alljährlich ins Pfarrheim einlädt. Sie erzählte, was die Theaterbesucher 2017 am Hammersee erwarten dürfen. Ein Ohrenschmaus war einmal mehr die Rede der "Heiligen Barbara" (Ingrid Schieder).

Hubert Süß, geistiger Vater der kulturellen Reminiszenz an das Bodenwöhrer Hüttenwerk (13. Jahrhundert - 1971) mit den zentralen Festspielen im Sommer, sprach bei den Neuwahlen des "Rings" kürzlich von einem "frohen Tag". Die Eisenzeit sei aus den Baby- und Kinderschuhen heraus gewachsen. Nun könne er, nachdem er die künstlerische Leitung aus Zeitgründen nicht mehr so erledigen könne, "wie die Kulturreihe das verdient", den Stab an eine "Theaterfrau durch und durch" übergeben. Marlene Wagner-Müller hatte die Festspiele 2016 bereits mit einem Gastspiel des LTO (Das Wirtshaus im Spessart) bereichert.

Bei der Jahreshauptversammlung hatten 2. Vorsitzender Franz Singerer und 2. Bürgermeister Albert Krieger das "neue Gesicht" in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters und Eisenzeit-Vorsitzenden Richard Stabl in Bodenwöhr willkommen geheißen. Bei den übrigen Vorstandsämtern gab es nur kleinere Rochaden - lediglich einen neuen Kassier konnte der Ring bis dato nicht finden. Er wird laut Satzung von der Vorstandschaft nachträglich eingesetzt und bei der nächsten Mitgliederversammlung gewählt.

Bei der Barbarafeier ging es am Sonntag dann gleich zünftig zu. Hubert Süß kritisierte als Moderator zwar scherzhaft Pfarrer Johann Trescher - weil der den Patroziniumsgottesdienst sehr ausführlich (=lang) gehalten hatte - obwohl das Leben der Heiligen Barbara bekanntermaßen doch kurz gewesen sei. Weil der 4. Dezember heuer auf einen Sonntag fiel, fand die Barbarafeier erstmals seit ihrer Wiedereinführung nicht abends, sondern als eine Art Frühschoppen statt. Pfarrer Trescher gab gut aufgelegt konterstark heraus, und die zahlreichen Gäste im schön gefüllten Pfarrheim honorierten seine Schlagfertigkeit.

Bereits bei der Begrüßung hatte Franz Singerer an den kürzlich verstorbenen Heribert Braun sen. erinnert, der die zurückliegenden Feiern stets mit heiteren und informationsreichen Anekdoten aus der Hüttenwerkszeit bereichert hatte. Ein Bild mit Kerze und Rose erinnerte an das verdienstreiche Vereinsmitglied.

Oskar Duschinger: Hüttenwerk und Hammersee

Für angeregte Debatten und Erinnerungen sorgte der Vortrag von Oskar Duschinger. Der Grundschul-Rektor aus Maxhütte-Haidhof hatte zusammen mit Georg Ellert, einem weiteren bereits verstorbenen Hüttenwerks-Urgestein, dessen Kindheits- und Jugenderinnerungen im Buch "Hüttenwerk und Hammersee" launig zusammen gefasst. In der vorgetragenen Geschichte beschrieben die Autoren mit eindrücklichen Bildern Weihnachten, wie es im Hüttenort Bodenwöhr früher gefeiert wurde - vor dem zweiten Weltkrieg.

Boshaft: Die "heilige" Barbara (Ingrid Schieder).

Weniger besinnlich, eher lästerlich, kam da die Rede der "Heiligen Barbara" daher. Sie mutmaßte, dass Stabls Erkrankung (Magen-Darm-Infekt) wohl vom versehentlichen Genuss von Wasser aus dem Hammersee herrühre - oder sollte da gar sein Stellvertreter Albert Krieger die Finger im Spiel haben? Den warnte sie - bei der Wahl 2020 könnte ihm dasselbe von Seiten des letzten CSU-Kandidaten Georg Hoffmann drohen. In einem Plädoyer für interkulturelle Toleranz stellte sie die (vermeintliche) Gemeinsamkeit aller menschlichen Gesellschaften dar: "Die Mannsbilder sind überall Hanswurschten", was ihr den einen oder anderen Buh-Ruf, aber auch begeisterten Applaus bescherte.

Schlagfertig: Pfarrer Johann Trescher.

Der Pfarrer ("Bruder Johann") habe heuer das eine oder andere mal beinahe vergessen, dass er Messe halten muss - nur weil er durchs Fenster Licht in der Kirche brennen sah, habe er es dann doch noch immer rechtzeitig an den Altar geschafft. Franz Singerer (auch in der Kirchenverwaltung aktiv) wäre wohl sonst gerne für ihn eingesprungen - schließlich arbeite Singerer schon lange darauf hin, dass seine Figur Treschers Messgewänder füllen könne.

Dass Franz und sein Sohn Florian Singerer beim Aufbau des Festspiel-Geländes heuer so stark geschwitzt haben, dass die Wiese im Seewinkl immer noch feucht sei, erwähnte die "Heilige" ebenso wie die Tatsache, dass die beiden zum Gießen der Deko-Pflanzen Weiherwasser in Bierflaschen abgefüllt hatten - was den weiteren Aufbauhelfern beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Der Landwirt Georg Eichinger habe sich einmal mehr als "Oberster 14. Nothelfer" erwiesen, als er einen Baum, der ins Gelände hinein gekracht war, fachmännisch zerlegte und abtransportierte. Die übrigen Nothelfer hatte Bühnentechniker Julian Schmid vergeblich gesucht - nicht einmal im Wirtshaus und im Feuerwehrhaus seien sie anzutreffen gewesen.

Besonders ins Herz der Heiligen hatte sich Kinder-Darsteller Fabian Schmid gebrannt mit seiner Aussage in der Theater-Maske: "Eine alte Frau braucht nicht schön sein - früher waren alle alten Frauen nicht schön". Solche Weisheiten, mutmaßte die Sprecherin, schnappe der sehr junge Mann gewiss bei den Singstunden des Männergesangvereins auf. Ihr Fett weg bekam auch Kirchenchorleiterin Eva Blommer, die ein Talent dafür habe, immer in den unmöglichsten Momenten alle Schlüssel zu verlieren - bis auf den Violinschlüssel.

Zünftig: Die Pfreimder Kistl-Musikanten.

Marlene-Wagner-Müller stellte dann das Programm der Eisenzeit-Festspiele 2017 vor, die im Juni im Seewinkl stattfinden. Dann wird es wieder einen fest installierten Sonnenschutz geben. Zur Aufführung kommen:

als Kinderstück: Die kleine Hexe (Otfried Preußler/2 Schulvorstellungen)

als Erwachsenenstück: Ludwig Thomas Erster Klasse in einer "Bodenwöhrer Bearbeitung"

als Gastspiel des LTO: Die Lokalbahn (ebenfalls Thoma).

Mehr Informationen demnächst auf www.eisenzeit.net und im Tourmismusbüro, Tel. 09434 / 90 22 73.

Für viel Schwung und Vergnügen sorgten die Pfreimder Kistl-Musikanten. Sie gaben auch den Ton an, als sämtliche Festgäste zum Schluss der Feier gemeinsam das Steiger-Lied anstimmten.

 

 


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