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Erinnerungen und Emotionen bei "Wackersdorf"

Erinnerungen und Emotionen bei "Wackersdorf"

3 Minuten Lesezeit (582 Worte)

Wackersdorf bewegt. Damals in den Achtziger Jahren strömten die Gegner der WAA (atomare Wiederaufbereitungsanlage) in die Oberpfalz, setzten damit eine beispiellose Bewegung in Gang, die aufzeigt, dass sich „der kleine Mann“ durchaus gegenüber den Mächtigen durchsetzen kann. Dieser Tage bewegt „Wackersdorf“ erneut – und zwar als Film.

 

Zur Vorpremiere am Sonntagabend bildeten sich lange Schlangen vor dem Eingang zum Kinocenter Nittenau. Alle drei Kinosäle waren restlos ausgebucht. Mucksmäuschenstill war es während der Vorstellung dieses Filmes, der in der Region gedreht wurde. Applaus brandete auf, als Kinobetreiberin Christine Mauerer die Darstellerin Anna Maria Sturm und Regisseur Oliver Haffner sowie die als Moderatorin fungierende Agenturbetreiberin Andrea Hailer willkommen hieß.

Ungefähr 800 Leute seien zum Komparsen-Casting erschienen, erzählte Regisseur Oliver Haffner. Es sei für ihn eine ganz neue Erfahrung gewesen, dass die meisten von ihnen ihre eigene Geschichte zur WAA hatten. „So viele Geschichten und Emotionen, der Film kann dem gar nicht gerecht werden“, betonte er. Sieben Jahre hat die Entstehung dieses Projektes gebraucht, von der Idee bis zur Vollendung. Die zentrale Figur des Widerstands bildet der damalige Landrat Hans Schuierer. Deutlich wurde in dem Film dessen Zwiespalt zwischen der wirkungsvollen Begegnung der damals vorherrschenden Arbeitslosigkeit und der Lösung des Problems durch den Bau der WAA bzw. der damit verbundenen Schaffung von Arbeitsplätzen. „Der Landrat ist ein sehr bürgerlicher Held, schließlich hat er sehr viel für seine politische und wirtschaftliche Zukunft riskiert“, so Haffner. Von Anfang an hatte er für eine der Hauptrollen Anna Maria Sturm im Visier, ohne zu wissen, dass deren Mutter sehr aktiv im Widerstand beteiligt war.

„Ja, es ist schon ein Unterschied, diese Rolle zu spielen als eine andere fiktive Geschichte“, beantwortete Anna Maria Sturm eine von vielen an sie und Haffner gerichtete Fragen. Nach dem Anruf ihrer Agentin habe sie erst einmal mit ihrer Mutter darüber gesprochen. Da sei die emotionale Verbindung zur Mutter und die Originalschauplätze ihrer Heimat. „Gedreht haben wir auch auf dem Fußballplatz in Schwandorf, auf dem ich als Kind herumgesprungen bin. Das hat mich emotional sehr bewegt.“ Und auch der Respekt vor der Leistung ihrer Mutter sei gewachsen. „Das Thema liegt mir am Herzen, war als Kind dabei, habe viele Erinnerungen. Als Kind verstehe man Manches nicht, was aber jetzt durch den Film klarer geworden sei. Die politische Tiefe habe sie damals nicht gesehen. Sie sei froh, dass der Film jetzt im Kino sei. Dieser komme im richtigen Moment, wo viel schief läuft in der Politik, gerade auch in Bezug auf die Natur. Oliver Haffner ergänzt, dass er gerne mit Leuten arbeite, die etwas zu sagen und eine Haltung haben. Es ist nur ein Teil der Geschichte, zu dem es viel Austausch mit Hans Schuierer gegeben habe – und der nie in die künstlerische Freiheit eingegriffen habe.

Schrieben fleißig Autogramme: Darstellerin des Widerstands Anna Maria Sturm und Regisseur Oliver Haffner, begleitet von Agentur-Chefin Andrea Hailer.

 

Anna Maria Sturm sagt, das Aufarbeiten dieser Tatsachen tue auch ihrer Mutter richtig gut. Sie sei stolz, eine Oberpfälzerin zu sein, weil die Oberpfälzer es geschafft haben, sich aufzulehnen. Regisseur Oliver Haffner zog Parallelen zum politischen Geschehen von damals zur Gegenwart, in der Menschen gerade auch wieder Vertrauen in die Politik verlieren. Damals seien Menschen zusammengekommen, die nicht so viel gemeinsam hatten und gemeinsam ein Ziel verfolgten. „Wir befinden uns in einer Zeit, wo die Gräben tiefer werden.“ Dies dürfe aber nicht dazu führen, sich ins Extremistische retten zu wollen. „Wir sollen uns klar werden, wie toll die Demokratie ist.“ Und: „Wir haben die gleiche Verantwortung wie die Politiker.“


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