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sder Die oder wir - Ministerpräsident Dr. Markus Söder malte nur zwei Alternativen an die Wand.

Euphorie bei den Anhängern für einen Wahlkämpfer, der gar nicht kandidiert

5 Minuten Lesezeit (926 Worte)
Amberg. „Die Oberpfalz ist deshalb so erfolgreich, weil die Leute hier weit mehr tun als nur ihre Pflicht." Finanzminister Albert Füracker lobte am Donnerstag seine Landsleute in seiner Funktion als CSU-Bezirksvorsitzender dergestalt bei der „Stadiontour" seiner Partei. Er tat dies, um das ohnehin euphorische Publikum, bestehend aus „schwarzen Multiplikatoren", aufzuheizen für den Wahlkämpfer des Abends – der selbst gar nicht zur Wahl steht.

CSU-Bezirksvorsitzender Albert Füracker, zugleich bayerischer Finanzminister: "Meine besten Freunde sind die bayerischen Steuerzahler!"

Man mag es nicht für möglich halten, wenn man diesen leidenschaftlichen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder auf der Bühne sieht. Die mediale Inszenierung am Schanzl ist CSU-like durchgestylt, das Publikum besteht aus eigenen Direkt- und Listenkandidaten, Sympathisanten, die tagsüber Plakate kleben und abends telefonieren, und solchen, denen das sympathisch ist.

Dieser Dings... - wie hieß er gleich?

Sie springen auf, als die Kaoliner Musikanten den bayerischsten Franken aller Zeiten mit dem Defiliermarsch (den sie ihm überall früher schon, da war er noch Finanzminister, gespielt haben) hereinmusizieren. Sie jubeln frenetisch und klatschen am Schluss stehend, als ob jemand wieder einmal die Zeit stoppen würde. Man mag es nicht für möglich halten, dass die Union außerhalb des Freistaats nicht auf dieses Zugpferd gesetzt hat, sondern auf diesen Dings … ja, wie hieß er denn noch gleich?

„Armin Laschet" – der Name kommt Söder erst ganz am Schluss seiner Ausführungen und nur einmal über die Lippen. Mit der Aufforderung, diesen Kandidaten ums Kanzleramt zu unterstützen, um einen zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreich beschworenen „Linksrutsch" der Republik (nach Söders Darstellung „soft" mit Lindner in der Ampel, oder hart, mit der ungeliebten „SED-Nachfolger-Partei" in RRG) zu verhindern.


Tipps und Trends für Sie
Alexander Dobrindt will Verbrennungsmotoren erhalten und mit synthetischen Kraftstoffen füttern.

Zuvor zeigt der Ministerpräsident, was einen erfolgreichen Volkstribun ausmacht. Er streichelt die „Siegerpfalz", die in ihrer Bevölkerung die höchste CSU-Mitgliederdichte aufweisen könne. Er erinnert daran, dass er die letzten Jahre damit zugebracht hat, die Lebensverhältnisse überall im Freistaat anzugleichen. Seinem Freund Albert Füracker bescheinigt er als Finanzminister „bundesdeutsches Format". Er würde ihn aber nicht weglassen nach Berlin, „weil er einer unserer Besten ist". Wie diese Aussage beim ebenfalls anwesenden Landesgruppenchef und Ex-Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ankommt, wird dessen Geheimnis bleiben. Füracker lächelt souverän.

Auch im Amberger Stadion bemüht Söder das Bild vom Fußballspiel in den letzten Minuten: Selbst wenn der „Gegner momentan leichte Vorteile hat", wird doch erst nach Abpfiff abgerechnet. Treu der inzwischen manifestierten Unionslinie beschwört Söder mit der bevorstehenden Bundestagswahl ein Zwei-Alternativen-Szenario herauf: Entweder bürgerliche Republik (dann solle man CSU wählen) – oder eben „Linksrutsch".


V.l.: Generalsekretär Markus Blume, Peter Aumer MdB, Susanne Hierl, Albert Rupprecht und Dorothee Bär.

Söder hat sich in all seinen Jahren auf den Bühnen und vor den Kameras staatsmännische Züge zugelegt. Milde wie ein Landesvater geißelt er, dass in diesem „entscheidenden Wahlkampf" nicht ausreichend über „die wichtigen Themen", sondern über Lebensläufe und Lacher gesprochen werde. Damit relativiert er, ohne sie jeweils zu nennen, die Vorwürfe gegen die Grüne Konkurrentin Annalena Baerbock, aber auch gegen seinen ungeliebten internen Rivalen Laschet, die für beide den Ausgangspunkt zu einem Negativtrend darstellten.

Im „bürgerlichen Lager" bekommen die alten und die aktuellen Koalitionspartner dagegen ihr Fett weg. Die FDP sei „zentralistisch" ausgerichtet, kümmere sich also nicht um bayerische Interessen, Lindner bewerbe sich derzeit verklausuliert um einen Job in einer Ampel. Die Freien Wähler sollten in Bayern bleiben, rät Söder: „Im Westen kennt sie keiner, im Norden versteht man sie nicht." Dieser giftige Gruß in Richtung Hubert Aiwanger kommt gut an.

Nicht mehr im Zeitalter der Naturreligionen

Als Volkstribun weiß Söder: Er muss über die eigenen guten Taten reden. Die sieht er zentral in seinem Pandemie-Management, ein unberührtes Feld zuvor, wo er sich seine Pfade suchen musste für Entscheidungen „über Leben und Tod". In der Oberpfalz habe er entschieden, mehr Impfstoff einzusetzen: „Das hat gewirkt: Impfen ist meiner Meinung nach der beste Weg." Er erinnerte daran, dass dies schon seit Zeiten von Polio, Kinderlähmung, Pocken gilt, „Wir leben schließlich nicht mehr im Zeitalter der Naturreligionen".

Wer bei Corona aber auf die Wissenschaft vertraut, müsse dies auch beim Klimawandel tun. Er sehe eine „ethische Verpflichtung", ihn zu bekämpfen. Allerdings ohne den Wohlstand aufzugeben. Eine CO2-Bepreisung hält er für richtig – als wirksamen Ausgleich dafür empfindet er eine Erhöhung der Pendler-Pauschale. Dobrindt hatte zuvor gewarnt, den Verbrennungsmotor „zu opfern". Er wolle sie „mit CO2-neutralen, synthetischen Kraftstoffen" betreiben. Und er sprach sich gegen die Abschaffung von Kurzstreckenflügen aus – auch die sollten lieber auf Klimaneutralität umgestellt werden.

"Unsere Helden"

Söder verliert sich als derjenige, der gar nicht selber antritt, nicht in Einzelthemen. Er plädiert für mehr Respekt gegenüber der Bundeswehr, „unseren Helden". Als er in bewegenden Worten seine persönlichen Erinnerungen schildert, wie er als junger Mann jenes 9/11 erlebte, wirkt der brillante Redner einmal leicht irritiert. Die Kandidaten, die sich an der Bande neben der Bühne auf das große Finale vorbereiten, unterschätzen beim Smalltalk die Schallübertragung auf die Tribüne. Eine leichte Reminiszenz an Laschets Aussetzer beim Flutauftritt.

Dorothee Bär, Digitalministerin im Bund, die gemeinsam mit CSU-Generalsekretär Markus Blume die schwarze Show in jedem Bezirk moderiert, will nun wissen, wie textsicher die CSUler und ihre Gäste sind. Die bayerische und deutsche Hymne folgen, auch die Ode an die Freude, die heute mehr als Ode an Brüssel gilt. Zuvor hatten sich mit Peter Aumer (Regensburg), Albert Rupprecht (Weiden-Tirschenreuth) und Susanne Hierl (Amberg/Amberg-Sulzbach/Neumarkt) die DirektkandidatInnen vorgestellt (Martina Engelhardt-Kopf, Schwandorf, fehlte entschuldigt wegen einer Podiumsdiskussion). Die Show gehörte aber einem, den das Präsidium der CDU nicht hatte haben wollen.

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