E--Kapelle1 Decke, Bilder und Statuen sind verrußt. Das Messgewand und die Sitz-Auflagen mussten in die Reinigung. Bilder: Willi Sturm

Nittenau/Neuhaus. Als Mesnerin Sonja Krautbauer am vergangenen Mittwoch wie jeden Morgen die Eustachius-Kugler-Kapelle aufsperrt, bekommt sie einen Riesenschreck: Die vormals weiße Decke ist mit Ruß bedeckt, die gesamte Inneneinrichtung bis in die Sakristei hinein in Mitleidenschaft gezogen. Die Ursache ist gleich ausgemacht – es handelt sich um menschlichen Leichtsinn. Nur vom Verursacher fehlt jede Spur. Dabei würde dessen Identität jetzt helfen, die Folgen des Schadens einzugrenzen, sagt Willi Sturm, Initiator und Organisator des Kapellen-Neubaus von einst.


20 Jahre wird die schmucke Kapelle heuer alt. Überregional bekannt ist sie für die Motivfenster, die Stationen aus dem Leben des Orts-Seligen Eustachius Kugler zeigen. Mit einer enormen Energieleistung der Dorfgemeinschaft, großer Hilfe der Bevölkerung, der Stadt Nittenau sowie des Ordens der Barmherzigen Brüder (dem Kugler angehörte) entstand um die Jahrtausendwende an der Stelle des maroden Vorgänger-Baus das gepflegte Sakral-Gebäude. Er zieht nicht nur Ausflügler und Touristen an, sondern dient dem Dorf auch regelmäßig für den Gottesdienst. Die nächste Messe sollte am Freitag vor dem 3. Advent gefeiert werden. Daraus wird wohl nichts, sagt Willi Sturm.

Die Reste der abgebrannten Votivkerzen.

„Wir müssen zumindest das Gröbste beseitigen", erklärt er am Montag. Kurz zuvor hat er in einer Reinigungsfirma die zwölf großen und vier kleinen Sitz-Polster sowie das Messgewand abgegeben. Kosten der Reinigung: Bis jetzt nicht bezifferbar, ähnliche Fälle sind selten. Doch was war eigentlich passiert?

Es muss wohl im Laufe des Dienstags gewesen sein. „Wahrscheinlich überhaupt kein böser Wille", mutmaßt Sturm. Jedenfalls nahm ein Besucher der tagsüber offen stehenden Kapelle vom Sockel der Marien-Statue zwei der gestifteten Votiv-Kerzen herab, stellte sie auf ein Lesepult und zündete sie an – leider ohne die rund 50 Zentimeter hohen Kerzen vorher aus ihrer Cellophan-Hülle zu nehmen.


Am Ende der privaten Andacht verließ der bis dato Unbekannte die Kapelle, allerdings ohne vorher die Kerzen zu löschen. Die rußigen Flämmchen blieben beim Zusperren abends unbemerkt. Und so kokelten die Kerzen samt Hülle weiter, bis die Mesnerin die Bescherung am Morgen danach entdeckte. „Alle Figuren und Bilder müssen gewaschen werden", sagt Willi Sturm. Der Fachmann einer Nittenauer Firma schätzt den Schaden bei viel Eigenleistung auf rund 3000 Euro.

Die Versicherung der Kapelle winkte schon einmal ab – kein Fall für sie. Besser sähe es aber aus, wenn sich der unbekannte Kerzen-Freund zu erkennen gäbe. Dann könnte man mit dessen Haftpflichtversicherung sprechen. Bürgermeister Benjamin Boml hörte von der Misere und schaute sich den Schaden vor Ort an. Willi Sturm informierte auch die Barmherzigen Brüder.

Nun ist die Dorfgemeinschaft wieder gefragt. Wer mithelfen möchte, wer Hinweise geben kann, oder auch der Verursacher selbst („da wird bestimmt niemandem der Kopf abgerissen") möge sich bei ihm melden, bittet Willi Sturm. Er ist telefonisch unter 09436 / 8540 erreichbar. Mesnerin Sonja Krautbauer hat die Rufnummer 09436 / 8897.