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wohnung Leer und verlassen: Eine der Ferienwohnungen der Dolls.

Geflügelpest und Corona: Doppelt harte Zeit für Haflingerhof

5 Minuten Lesezeit (1063 Worte)

Nittenau. Geflügelpest und Corona - das klingt schon wie Pest und Cholera. Im Raum Nittenau gibt es Menschen und Tiere, die vom unglücklichen Zusammentreffen zweier Seuchen besonders schwer in wirtschaftlicher Hinsicht getroffen werden - aber auch im Sinne von riesiger psychischer Belastung. Ein Ausflug auf den Biobauernhof Doll, wo Feriengäste keinen Urlaub machen dürfen und Geflügel in stallartigen Provisiorien bleiben muss.



"Durch Corona sind wir natürlich schwer getroffen", sagt Junior-Chefin Ina Doll. "Wir haben ja 5 Ferienwohnungen, die wir nicht vermieten dürfen. Das sind schon große finanzielle Schäden. Wir nagen noch an den Ausfällen vom letzten Jahr und dieses Jahr geht es so weiter." Den Hof, den Georg und Anita Doll in die ökologische Landwirtschaft mit Ferienwohnungen, Haflingern und Hofladen geführt haben, betreibt sie in dieser Form nun in der Familiengemeinschaft mit Ehemann Florian und den Schwiegereltern.

In der Zeit, in der das Beherbergungsverbot gilt, gehen der Familie 100% der Umsätze verloren. Trotzdem fallen laufende Kosten für Personalkosten und die Instandhaltung der 4 Sterne Wohnungen an. "Auch die Außenanlagen müssen laufend in Schuss gehalten werden, damit wir gewappnet sind, wenn das Reiseverbot aufgehoben wird", so Ina Doll.


Bild aus glücklichen Tagen. Feriengäste beim Stockbrotbacken.

Belastend ist die Situation auch für die Gäste. Vor allem die zuletzt stets kurzfristige Bekanntgabe von Regelungen durch die Ministerpräsidentenkonferenz sorgte für Unsicherheit. Dürfen die Urlauber nun kommen - oder wird das Beherbergungsverbot verlängert? Eine Planung für den Urlaub macht das schon schwer.

Die Familie Offer, die als Stammgäste seit Jahren ihren Urlaub auf dem Doll-Hof verbringen, haben uns auf Anfrage ein schriftliches Statement geschickt:

"Wir sind Stammgäste seit ca. 9 Jahren auf dem Haflingerhof der Familie Doll und hoffen sehr, dass wir im Sommer 2021 dort wieder unseren heiß geliebten Bauernhofurlaub verbringen können.

Da wir eine der Ferienwohnungen gebucht haben, also Selbstversorger sind, können wir uns sehr gut vorstellen, dass es auch Corona konform mit dem Urlaub klappen kann. Jede Familie kann sich im erforderlichen Abstand voneinander bewegen. Am Grillplatz könnte jede Familie für sich selbst mal grillen.

Im nahe gelegenen Wald ist die Gelegenheit zum Wandern, Walken oder Radfahren gegeben. Auch ein Spaziergang mit einem Pony kann jede Familie gerne unternehmen. Die Kinder haben jedesmal großen Spaß bei solchen Aktivitäten. Vor allem ist der Urlaub auf dem Haflingerhof bestens geeignet, da man sehr viel in der frischen Luft unternehmen kann. Auch bzw. ganz besonders in Corona-Zeiten, ein Tapetenwechsel für alle, nicht nur für Familien aus Städten. Selbst wenn man auf dem Land lebt wie wir, ist dieser Urlaub auf dem Bauernhof immer eine Attraktion für unsere ganze Familie. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Kinder viele verschiedene Tiere kennenlernen können."

Zusätzliche Arbeit, dafür keinen Umsatz

Für die Zeit über Ostern waren die Dolls bereits seit einem Jahr ausgebucht - darunter auch durch Familien, die den Urlaub vom letzten Jahr auf dieses verschoben haben. Auch ab Anfang Mai sind die Dolls durchgehend ausgebucht. Das wäre an sich prima, bringt in der unsicheren Lage aber viel Stress: "Wir sind ständig im Kontakt mit den Gästen - um diese Fragen zu beantworten.

Themen sind Stornierung, Umbuchung, Anreise ja oder nein usw. Auch jedes Bundesland hat andere Regeln - da müssen wir immer alle bayerischen Regeln erläutern - was es den Gästen schwierig macht, selbst zu wissen, ob sie kommen können, was zu beachten ist etc." Das bedeutet: Hoher Arbeitsaufwand im Büro bei null Einnahmen. Rechnungen stornieren - Anzahlungen zurückzahlen, die Internetportale aktualisieren und dergleichen, ohne eine feste Perspektive.

"Wobei es auf einem Bauernhof, so wie wir es sind, ja ein Leichtes ist, die Corona Vorschriften als Urlaubsgast einzuhalten. Jeder könnte in seiner Wohnung für sich sein - auch die Außenanlagen sind so großzügig gestaltet, dass das kein Problem darstellt", so Ina Doll.

Rundherum Natur: jede Familie könnte für sich wandern, radfahren, angeln oder einfach nur spazieren gehen. Genau das, was die Leute noch machen dürfen. "Aber ob sich die Regierung da mal ein paar Gedanken dazu macht, ist fraglich. Auch den Leuten würde es guttun, mal wieder "raus" zu kommen. Gerade diejenigen, die in der Stadt nicht die Möglichkeit dazu haben", so Ina Doll.


Sehnsüchtige Blicke nach draußen: Die Puten leiden unter der Dauer-Quarantäne. Ein Ende ist bislang nicht in Sicht.

Schwer dazu kommt noch die Geflügelpest. Nach dem Ausbruch in einem großen Betrieb im Stadtgebiet waren dort 50.000 Hühner gekeult worden. In einem kleinen Bestand mussten bei einem zweiten Ausbruch zehn Tiere dran glauben. Das hat auch Folgen für die örtlichen "kleinen" Geflügelzüchter. "Wir selbst sind nicht betroffen, gehören aber zum "Geflügelsperrgebiet". So darf unser Geflügel nicht mehr nach draußen - was zur Folge hat, dass der Stall zu klein wird, da die Tiere ja größer werden", sagt Ina Doll.

Das Geflügelsperrgebiet wurde mittlerweile wieder aufgehoben. Das bedeutet aber noch lange keine Freiheit fürs Federvieh:

Das Beobachtungsgebiet wird vorerst noch bestehen bleiben. Hier kann eine Aufhebung etwa zehn Tage nach der Aufhebung des Sperrbezirks erwartet werden. Auch die Aufstallungspflicht gilt vorerst weiter", schreibt Hans Prechtl vom Landratsamt auf Nachfrage des Ostbayern-Kuriers.

Jedes einzelne Tier kann normalerweise raus. Die Dollshaben normalerweise 70 Enten. Davon mussten sie vorletzte Woche 40 schlachten, da sich die Tiere offensichtlich in dem engen Stall nicht mehr wohlfühlen konnten. Es ist für den Standard der Dolls zu eng im Stall.

Dauer-Quarantäne für die Vögel: Schwierig für Tierwohl und Geldbeutel

Die 400 Gockerl seien jetzt noch so klein, dass der Platz gut ausreiche. Aber wenn Sie größer werden, wird es eng. Normalerweise wären sie um diese Zeit schon zusätzlich im Wintergarten. Dieser wird zur Zeit von den 40 Puten genutzt, weil diese schon so groß sind, dass Sie in ihrem Stall nicht mehr viel laufen können. "Wir haben auch hier einen erhöhten Arbeitsaufwand, da wir ständig "umstallen" müssen, um es den Tieren so gut wie möglich zu machen", so die Junior-Chefin.

Für das Schlachten der Tiere braucht es derzeit eine Genehmigung - ebenso für das Umstallen. Das heißt wiederum mehr Arbeit, dazu kosten die Verfahren auch noch Gebühren.

"Wir hoffen, dass alles bald besser wird - denn dies nagt schon an uns und unserer Lebensweise", sagt Ina Doll mit sorgenvollem Blick auf ihre Puten, die sich im Wintergarten drängen und gern die Frühlingssonne genießen würden.

So sieht es normalerweise bei den Puten aus. Die Geflügelpest macht die Weide jedoch unmöglich.
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