Muschenried1 Muschenried steht 2022 ganz im Zeichen der 750-Jahrfeier Bild: © Hans-Peter Weiß

Geschichten aus der Heimat

4 Minuten Lesezeit (735 Worte)
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Schwandorf/Neunburg v. Wald. Der Großlandkreis Schwandorf ist wie auch im vergangenen Jahr im „Oberpfälzer Heimatspiegel 2022" wieder stark vertreten. Neun Autoren haben heimatgeschichtliche Themen aufgearbeitet und geben Einblick in ursprüngliches Oberpfälzer Leben und teils auch in aktuelle Zeitgeschichte.


Eigentlich hätte die Präsentation des „Oberpfälzer Heimatspiegel 2022" durch den Verlag Bodner im Thammer-Hausin Winklarn stattgefunden. Autoren, der Bezirksheimatpfleger als auch die Bürgermeisterin Sonja Meier waren geladen, doch dann kam überraschend die Absage. Auf Grund der aktuellen Corona-Entwicklung wird die Buchvorstellung zum zweiten Mal in Folge nicht stattfinden, teilte Eckhard Bodner mit.

Im Winklarner Ortsteil Muschenried, der im kommenden Jahr ein großes Jubiläum feiert, ist der Bericht von Hans-Peter Weiß angesiedelt. In „750 Jahre Muschenried" wird die abwechslungsreiche Geschichte des 300 Einwohner zählenden Ortes beleuchtet. Einst stand das Dorf im ehemaligen Altlandkreis Oberviechtach unter der Herrschaft Schneeberg undMurach. Hunger, Pest und zahlreiche Kriege mussten die Menschen erdulden. Schreckliche Szenen musste die hiesige Bevölkerung bei einem Todesmarsch mit ansehen, der 1945 durch das Dorf führte. Am Ortsausgang wurden damals 113 Häftlinge notdürftig verscharrt, die vom Konzentrationslager Flossenbürg kamen.

Dem Haus Murach widmet sich Dr. Reiner Reisinger. Er gibt Einblicke in die frühere Geschichte eines Oberviechtacher Wahrzeichens. Auf Burg Murach herrschten einst die Pfleger und bestimmten auch lange Zeit als höchste Finanzbeamte und Richter ihrer wittelsbachischen Landesherren, der bayerischen Herzöge, Pfalzgrafen bei Rhein und Kurfürsten von Bayern die Geschicke des Oberviechtachter Landes bis ins 19.Jahrhundert.

Beeindruckende Bilder von der Schwarzach präsentiert Josef Merkl, der den Leser zu einer Flussreise von der Quelle im Böhmerwald bis zur Einmündung in die Naab mitnimmt. Die Bayerische als auch die Böhmische Schwarzach wird in ihrer Ursprünglichkeit wie auch den vielen Orten durch die sie fließt beschrieben.

Eine andere Naturschönheit, die „Rungunkel", im Vilstal, bringt Franz Joseph Vohburger dem Leser näher. Das imposante Naturdenkmal, eine Felsengruppe, ist nahe Dietldorf zu finden. Sagen und Mären ranken sich um die gespaltene Felssäule, die auch ein keltisches Heiligtum gewesen sein soll.

Kreisheimatpfleger Jakob Scharf widmet seinen Beitrag dem Oberpfälzer Granit. Er schlägt eine Brücke in die Neuzeit, wo in der „Granitpfalz" auch nach einem Atommülllager gesucht wird. Die Geschichte des Oberpfälzer Granitabbaus, insbesondere in den Steinbrüchen bei Steinberg, stehen dabei im Mittelpunkt. Nicht unerwähnt durfte der Granitabbau in Flossenbürg sein, wo Häftlinge den Granit für die neue „Welthauptstadt Germania" brechen mussten.

Alfred Wolfsteiner beschäftigt sich mit einem Hexenprozess im Jahre 1625 und der Frage, was auf dem Geißbichel bei Hirschberg geschah. Als Hexe verschrien gesteht eine Frau unter Folter, dass der „schwarze Mann" über sie kam. Sie erzählt auch von teuflischen Zusammenkünften, die ihr letztendlich das Leben kosten.

Der aus Nabburg stammende Autor Ernst Thomann erinnert an einen einmaligen „römischen Lesefund". Im Jahr 1998 wurden auf einem Acker östlich von Nabburg der Beschlag eines Messerfutterals und eine Fibel gefunden. Der Fundort, der etwa 50 Kilometer zum Limes entfernt liegt, gibt dem Landesamt für Denkmalpflege Rätsel auf.

Das Wirtshausleben in seiner ursprünglichen Form beschreibt Alfred Merlin seinem Beitrag „Jessas is im Wirtshaus schöi", das auch den Titel eines Buches von Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer trägt. Der Autor beschreibt die Haselbacher Wirtshausgeschichte und versucht das Wirtshaussterben zu ergründen.

Der Deutung des Namens Neunburg nimmt sichPeter Pauly an. Er bezieht sich dabei auf eine Theorie von Paul Zeidler, der 1548 in Schwarzhofen geboren wurde. Demnach kommt der Name von „neun Burgen". In seinem bekanntesten Werk „Insigna urbium"setzt sich Zeidler ausführlich mit dem Wappenschild auseinander, auf dem drei Türme zu sehen sind. Einer alten Sage zufolge soll die Stadt einst von diesen Türmen den Namen erhalten habe. Mehrere Fragezeichen wirft die Frage auf, wenn in Neunburg eine „neue" Burg errichtet wurde beziehungsweise wo stand dann die „alte" Burg?

Der „Oberpfälzer Heimatspiegel 2022" greift neben vielen anderen heimatkundlichen Beiträgen auch ein hochaktuelles Thema auf. Dieter Schwaiger erinnert an das Infektionsschutzgesetz anno 1713. Staatlich erlassene Einschränkungen wegen diverser Seuchen gab es schon immer. Die Pest in Regensburg und der Oberpfalz vor 300 Jahren waren der Anlass, dass Pfalzgraf Johann Wilhelm 1713 die Churpfälzische Neuburgische Pestordnung erlies. Auszüge aus dem Seuchenmandat werden in moderner Sprache und Form präsentiert. Nach Paragraf 5 „Strafen" werden Verstöße in schweren Fällen (Fälschen von Pässen) grundsätzlich mit Folter oder sogar mit dem Tod bestraft.

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Winklarns Bürgermeisterin Sonja Meier mit Autor Hans-Peter Weiß                Bild: © Hans-Peter Weiß
Der Granitabbau bei Steinberg gab den Menschen Brot und Arbeit.              Repro: © Hans-Peter Weiß

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