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3D7B6E5D-DCCB-496F-A132-7F5980AAEDEA OK-Herausgeber Hubert Süß im Gespräch mit Ministerpräsident Markus Söder und Heimat/Finanzminister Albert Füracker.

Lieb‘s Vaterland...

6 Minuten Lesezeit (1138 Worte)
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„Wer sein Vaterland nicht liebt, der kann es auch nicht führen." Ministerpräsident Markus Söder beim politischen Aschermittwoch 2020. Da könnte einer jetzt hergehen und ganz platt argumentieren: Einen Führer, der sein Vaterland liebte, den hatten wir doch schon mal. So einfach will ich es mir, so einfach möchte ich es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, aber nicht machen.

„Vaterland", das ist ein Begriff aus dem vorletzten Jahrhundert, ein Jubelschrei der Einigkeit nach jahrhundertelanger Kleinstaaterei in feudaler Unterdrückung, eine Aufwallung für Stärke, Zusammengehörigkeit sowie das Finden und Erleben einer gemeinsamen Kultur und Tradition. Kurze Zeit danach verkommen zu einer Perversion, die die Kinder des „Vaterlands" dazu brachte, sich selbst für diejenigen zu opfern, die dreist behaupteten, für dieses Vaterland zu stehen und die viele dieser Kinder dazu verleiteten, angeblich für dieses „Vaterland" ihre Menschlichkeit und jeden moralischen Kompass abzulegen und zu grausamen Dämonen zu werden.

Eben weil so gut wie alle von uns den Flecken Erde, auf dem wir leben, mit unserer Familie, unseren Freunden, unsererGesellschaft, wertschätzen, mögen und ja, auch lieben, macht uns das so empfänglich. Empfänglich für jene Verbrecher, die den Schlüssel „Vaterlandsliebe" als silbern-glänzendenDietrich zum Schloss unserer Herzen missbrauchen. Um im Namen dieses „Vaterlands" die schlimmsten Neigungen und Charakterzüge zu immer wieder neuen Apokalypsen zu verdichten – in uns, durch uns, mit uns, und wenn wir wach und stark unser Herz gegenüber den funkelnden Verlockungen verschließen, auch gegen uns.

Im Namen der „Vaterlandsliebe" brach Adolf Hitler einen Weltkrieg vom Zaun. Im angeblichen Namen des Vaterlands stürzte Wilhelm II. die Welt ins Verderben. Josef Stalin rief auf zum „großen vaterländischen Krieg", mit dem es der roten Armee gelang, die deutsche Wehrmacht zurückzuschlagen. Das trug entscheidend dazu bei, den Nazi-Terror 1945 vorerst - so muss man heute einschränken – zu beenden. Dennoch: Verfügte ein wahnsinniger Massenmörder wie dieser Stalin über die moralische Berechtigung, von seinen „Untertanen" Vaterlandsliebe zu fordern, wenn in seiner Definition dieses Vaterland nach seinem verbrecherischen Willen gestaltet zu sein hatte?

Aus dieser Zeit stammen die Kratzer im Lack des Wortes Vaterland. Nur noch Ewiggestrige wie der hochintelligente, rhetorisch beeindruckende Franz-Josef Strauß vermochten es in der Nachkriegszeit zu nutzen, ohne dabei den faden Beigeschmack des Missbrauchs aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Gaumen zu spüren. Vielleicht auch deshalb, weil lautes Schwadronieren die feinen Nerven in diesem Körperbereich irgendwann einmal verstummen lässt. Dazu kommt, dass ein aufgeklärter Mensch unserer Zeit sieht, dass allein der Begriff „Vaterland" schon eine Diskriminierung darstellt. Wenn die Oma im SUV keine Umweltsau sein darf, selbst wenn sie sich wie eine solche benehmen sollte, wieso nehmen dann so viele konservative Menschen heute noch hin, dass das Land vom Vater kommt, aber nicht von der Mutter? Von den Frauen, die die Stellung gehalten haben? Den Trümmerfrauen? Wenn schon empfindlich, dann bitte konsequent.



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Weil der Begriff eben nicht mehr en vogue ist, wich er in den letzten Jahren dem indifferenten Terminus „Sicherheit". Als ein Verteidigungsminister Peter Struck (angeblich SPD) vor Jahren ebenfalls schwadronierte, „Deutschlands Sicherheit wird am Hindukusch verteidigt", wurde dieser markige Spruch tausendmal zitiert, aber nur sehr selten hinterfragt. Was soll das heißen? Deutschlands Sicherheit wird am Hindukusch verteidigt: Wenn wir keine Soldaten nach Afghanistan schicken, breitet sich der Corona-Virus schneller aus? Passieren mehr Verkehrsunfälle? Steigt die Zahl der rechtsterroristischen Angriffe? Gibt es mehr Drogen, Menschenschmuggel, Bandenkriminalität?

Es ist bezeichnend, dass mit der Floskel Sicherheit – die die Floskel „Vaterlandsliebe" weitgehend abgelöst hatte – kritisches Nachfragen unterdrückt wird. Wie vor 100 Jahren noch mit dem alten Begriff. „Bluten und sterben für Konzern-Interessen" – nur um die ging und geht es der deutschen Außenpolitik in Afghanistan – erreicht eben nicht die Herzen der Wähler, die jene Abgeordnete entsenden sollen, die angeblich für „Deutschlands Sicherheit" die Söhne und Töchter des Landes in lebensgefährliche Situationen schicken. Der einzige Politiker, der die Wahrheit darüber einmal ausgesprochen hat – damals im Zusammenhang mit der militärischen Sicherung der Seewege zugunsten der Wirtschaft – war der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, der deswegen zurücktreten musste. Man kann das machen, aber nicht darüber sprechen. Wenigstens nicht offen.

Er könne mit dem Begriff Vaterlandsliebe nicht viel anfangen, soll der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck einmal gesagt haben. Söder spricht ihm daher die Tauglichkeit zur Kanzlerschaft ab. Er benutzt damit wissen- und willentlich diesen silber-glänzenden Dietrich zum Herz der Bierzelt-Bürger um ihn herum, um ihnen eine Botschaft einzuträufeln, von der er selbst weiß, dass sie falsch ist.

Wer liebt denn sein Vater- oder Mutterland? Also, wirklich. Nicht als Plattitüde, nicht als Vorwand für einen anderen Zweck. Ist es derjenige, der Bäume umarmt, aber durch seine wirtschaftsfreundliche Raumordnung zulässt, dass jeden Tag viele Hektar Wald wegen Supermärkten, Parkplätzen, Gewerbegebieten platt gemacht werden?

Als ich Markus Söder im Spätsommer, kurz vor der Präsentation des „Klimapaktes" der Bundesregierung, in Berg bei Neumarkt fragte, ob die neue „grüne Ausrichtung" der CSU auch Niederschlag in der Raumordnung und im Landesentwicklungsprogramm finden würde, antwortete er deutlich mit einem genervten „NEIN!". Und sprach in der Folge über den ökologischen Wert eines Golfplatzes, weil der ja auch Wasser versickern lasse. (hier geht´s zum Artikel)

Wer liebt denn sein Vater- oder Mutterland? Derjenige, der dezentrale Energieversorgung mit Wind, Sonne, Biomasse und Power to gas fördert oder derjenige, der im Bund nichts dagegen unternimmt, dass die vier großen Stromkonzerne dank Monsterleitung das Monopol behalten, die Natur zerstören dürfen und sich das alles auch noch vom Verbraucher bezahlen lassen dürfen?

Wer liebt denn sein Vater- oder Mutterland? Derjenige, der sich um europäisches Recht in Sachen Feinstaub nicht schert, statt an den Schutz der Bevölkerung zu denken?

Ja, ich glaube, dass Markus Söder dieses Land liebt. Trotz allem. Er kennt die Nöte der strukturschwachen Räume, setzt viele Akzente, um sie zu fördern. Er hat auch erkannt, dass ein „Weiter so" der umweltgefährdenden Politik der letzten Jahrzehnte nicht geht und kämpft gegen Widerstände. Er hat den Wald davon befreit, Wirtschaftsbetrieb sein zu müssen, er tut viel in Sachen Breitband und bleibt am Ball, um unsere Lebensqualität auf hohem Niveau zu halten.

Ich unterstelle aber: Auch Robert Habeck liebt dieses Land. Würden ihm unsere Natur, die Landschaft, die Menschen egal sein, könnte er seinen Job nicht machen und auch nicht so viele Hoffende für sich begeistern. In der Wahl der Wege, Methoden und auch in vielen Feldern der Auslegung von Fakten mag er sich von Söder unterscheiden. Beide eint jedoch, dass sie für ein freies, prosperierendes Land kämpfen, in dem es sich zu leben lohnt. Das ist für mich eine sehr gute Definition von „Vaterlandsliebe" – auch wenn mir, wie dem Grünen-Chef, der Begriff nicht gefällt.

Markus Söder ist daher eigentlich zu intelligent, die Kräfte, die das Land einen, mit einem derart platten Angriff spalten zu wollen. Das ist unter seiner Würde und seinem Niveau. Als „Landesvater" sollte er sich nicht zwangsweise jeder Neigung seines Publikums anpassen. Schon gar nicht, wenn er dabei das Geschäft derer betreibt, deren kranke Definition von „Vaterlandsliebe" hundert Jahre alt ist.

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