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Von wegen allein seligmachende Weisheit

Von wegen allein seligmachende Weisheit

2 Minuten Lesezeit (477 Worte)

Die Kirchen liefern - dort, wo sie funktionieren - einen Werte-Kanon, der im Alltag und im gesellschaftlichen Zusammenhalt als wertvolle Orientierung dienen kann. Die größte Gefahr für die Kirchen besteht heute jedoch nicht, wie v.a. die Vertreter der katholischen Fraktion immer wieder glauben meinen zu müssen, in Einflüssen von außen, wie etwa spirituellen Alternativen. Die größte Gefahr lauert im Inneren.

Wir leben in einer post-aufgeklärten Zeit. Viele der modernen Erkenntnisse, für die Philosophen ab dem 18. Jahrhundert auch durchaus den Hals riskiert haben, sind inzwischen so selbstverständlich, dass unsere Gesellschaft Gefahr läuft, ihre Bedeutung nicht mehr hoch genug anzusiedeln. Natürlich haben wir ein Wahlrecht, logisch gilt der Gleichheitsgrundsatz.

Da stößt es den modernen und mit sich zufriedenen Menschen nicht mehr ab, wenn sich jemand gegen elementare Errungenschaften der westlichen Zivilisation ereifert - es irritiert eigentlich nur noch. Und von daher sollte sich die katholische Kirche, gemeint sind Würdenträger wie der Regensburger Bischof Voderholzer, endlich von der Hybris verabschieden, das Monopol auf die allein seligmachende Weisheit zu beanspruchen. Das nimmt ihr - von einer ultra-konservativen Minderheit abgesehen - erstens niemand mehr ab, zweitens erweckt es im aufgeklärten Teil der Herde die Frage - "bin ich hier noch richtig aufgehoben, oder ist das alles noch viel zu sehr "Im Namen der Rose"?"

Wir leben in einer Zeit, in der die Globalisierung deutlich ihre Licht- und Schattenseiten zeigt. Relativer Wohlstand für einen Teil der Welt, tiefe Armut für den anderen, dazu drohende Klima-Katastrophe durch ungehemmtes und unsinniges Wachstum, gefolgt von Flüchtlingsbewegungen von ungeheuerem Ausmaß. In dieser Zeit, da eine Kirche mit ihrem Werte-Kanon tatsächlich viel Gutes bewirken könnte, geißelt der Regensburger Bischof vor den versammelten Landwirten eine "Ökologie, die mit religiösem Eifer betrieben wird", statt gerade diese Landwirte darin zu stärken, die Schöpfung gegen die Verlockungen des luziferianischen Turbo-Kapitalismus, der verbrannte Erde hinterlässt, zu verteidigen. Was mögen sich da die Landwirte denken, die in Berlin gegen die Auswüchse der Industrie-Landwirtschaft protestiert haben? "Gott mit Dir, Du Land der BayWa", sang die Biermösl Blosn einst prophetisch.

Und als würde das nicht genügen, spricht Voderholzer im nächsten Atemzug von "sexuell fehlgeleiteten Menschen", deren "Defizit nicht zur Normalität" werden dürfe. Leider hat er damit nicht die Auswüchse gemeint, die widernatürliche Konstruktionen im Kleriker-Bereich gerade auch in seiner Diözese in den letzten Jahrzehnten vielfach gezeitigt haben, man denke nur an den massiven Missbrauch bei den Domspatzen oder an den Schulen in Nittenau und Georgenberg. Nein, der Oberhirte maßt sich an, Homosexuelle als unnormal und defizitär darzustellen - weil er sich im Besitz der allein seligmachenden Weisheit wähnt.

Lieber Herr Bischof: Machen Sie es doch ein wenig wie Jesus Christus und arbeiten Sie an Demut und Toleranz. Auch Papst Franziskus mag Ihnen da ein Stückweit ein Vorbild sein. Und wenn Sie wieder einmal meinen, etwas ganz genau zu wissen: Denken Sie doch kurz an Ihre Vorgänger, an Galileo Galilei und ans heliozentrische Sonnensystem.

 

 

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