// */
Anzeige
Anzeige
Kreisaal-Krankenhaus-St.-Barbara-Schwandorf Iris Rothenbacher (r.) und Lena Jehl-Hüttner zeigen gerne, dass Gynäkologinnen und Hebammen am Krankenhaus St. Barbara ein eingespieltes Team sind – zum Wohle von Mutter und Kind. Bild von Claudia Seitz

In Bayern kommt knapp jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt

4 Minuten Lesezeit (771 Worte)
Empfohlen 

Schwandorf. Mit einer Sectiorate von nur 17,6 Prozent bei knapp 700 Geburten liegt das Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara weit unter dem bundesdeutschen und bayerischen Durchschnitt. Entsprechend den Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist in den vergangenen 20 Jahren weltweit ein starker Anstieg der Kaiserschnittrate zu verzeichnen. So wurden 1997 in Deutschland noch 18,5 Prozent aller Schwangerschaften mit einem Kaiserschnitt beendet, 2017 waren es bereits 30,5 Prozent.

Auf ganz Bayern gesehen bedeutet dies, dass knapp jedes dritte Baby (31,9 Prozent) per Kaiserschnitt zur Welt kommt. Aber entspricht das auch dem Wunsch der Schwangeren? Nur zwei von hundert werdenden Müttern wünschen sich eine geplante Sectio. Nun gibt es zwingende Gründe und Indikationen für einen Kaiserschnitt: zum Beispiel eine geburtsunmögliche Lage oder eine unter der Geburt auftretende Komplikationen, welche eine natürliche Geburt ausschließen.

Für Iris Rothenbacher, Oberärztin Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus St. Barbara und bei unzähligen Geburten an der Seite der Frauen, stellt sich die Frage nach dem Grund für die steigende Sectio-Zahl. Sie sucht nach Erklärungen: „Durch die rasche Entwicklung der Medizin in den vergangenen Jahrzehnten erscheint der Kaiserschnitt heutzutage als ein sehr risikoarmer Eingriff. Damit wird der Kaiserschnitt auch jenseits absoluter medizinischer Notwendigkeiten als Alternative zur normalen Geburt angesehen." Das Alter der Schwangeren, eine vorausgegangene Sectio oder eine künstliche Befruchtung seien jedoch genauso wenig ein zwingender Grund für einen Kaiserschnitt wie bestimmte mütterliche Erkrankungen oder eine befürchtete Beckenbodenschwäche.

Risikoadaptierte Geburtshilfe

Was machen dann die Ärztinnen um Chefärztin Dr. Susanne Merl in Schwandorf anders? „Durch eine an das individuelle Risiko angepasste und zugewandte Medizin, regelmäßige Schulungen zu Notfällen im Kreißsaal sowie die hervorragende Zusammenarbeit von Hebammen und Ärztinnen im Haus konnte diese Traumrate von 17,6 Prozent an Kaiserschnittgeburten im Krankenhaus St. Barbara erreicht werden", berichten Dr. Susanne Merl und Iris Rothenbacher.

2019 kamen hier im Kreissaal 676 Kinder zur Welt - davon lediglich 54 Babys per geplantem Kaiserschnitt und 65 Mädchen und Jungen mittels einer notwendigen Sectio aufgrund von Komplikationen während der Geburt. „Dabei", betont die Oberärztin, „geht diese niedrige Rate keineswegs mit einem erhöhten Risiko für das Neugeborene einher." Dies untermauere auch die niedrige Verlegungsrate (3,1 Prozent) von Neugeborenen in ein Perinatalzentrum.

Aber was machen die Schwandorfer Hebammen und Ärztinnen anders? „Eine große Bedeutung hat im Krankenhaus St. Barbara die sogenannte risikoadaptierte Geburtshilfe", erklärt die Chefärztin. Dabei stellen sich Schwangere ungefähr in der 35. Schwangerschaftswoche zur Geburtsplanung in der Schwangerenambulanz vor. Sowohl die Hebamme als auch die Ärztin klären dann in einem persönlichen Gespräch und bei einer Ultraschalluntersuchung, ob und welche Risiken gegebenenfalls für die Geburt bestehen.


Anzeige

Selbstvertrauen stärken

Die Schwangere und ihr Partner werden in diesem Gespräch in ihrem Selbstvertrauen in eine natürliche Geburt bestärkt, Risiken werden besprochen. Gemeinsam mit Hebamme und Ärztin entscheiden sich dann die werdenden Eltern in der Regel für die bevorzugte Form der Geburt. „Unser Ziel ist es, die ´Zeit der guten Hoffnung´ und die Vorfreude auf die Geburt eines Kindes als besonderes Erlebnis im Leben eines Paares zu bestärken", fasst Iris Rothenbacher zusammen.

Das Hebammenteam im Krankenhaus St. Barbara zeichnet sich durch eine 1:1-Betreuung der Gebärenden im Kreißsaal aus. Diese wird durch die doppelte Hebammenbesetzung sowohl tagsüber als auch nachts gewährleistet. Die Hebamme begleitet die Schwangere unter der Geburt engmaschig, geht auf ihre Bedürfnisse ein und nimmt ihr auftretende Ängste. Durch diese intensive Begleitung ergibt sich folglich auch eine niedrige PDA-Quote (Periduralanästhesie) von nur elf Prozent. Werdende Mütter werden unter den Wehen mit anderen schmerzstillenden Maßnahmen versorgt.

„Jede Geburt ist einzigartig, deshalb braucht jede Schwangere auch eine an sie persönlich angepasste, individuelle Betreuung – ob bei der Behandlung der Geburtsschmerzen oder dem Wunsch nach verschiedenen Geburtspositionen", betont Hebamme Lena Jehl-Hüttner. Das vertrauensvolle Miteinander von Hebammen und Ärztinnen bezeichnet auch sie als großen Pluspunkt des Schwandorfer Kreißsaals. Was Iris Rothenbacher nur bestätigen kann: „Dadurch kommen wir auch immer weiter weg von starren Zeitregelungen unter der Geburt. Studien belegen, dass längere Geburtszeiten wieder an Akzeptanz gewinnen sollten." Kurz gesagt: Jede Gebärende sollte die Zeit bekommen, die sie braucht.

Väter auch im OP dabei

Während der Geburt wird das Ungeborene regelmäßig mittels Herztonaufzeichungen (CTG) beobachtet, sodass im Bedarfsfall schnell eingeschritten werden kann - wenn es sein muss, eben auch per Kaiserschnitt. Und der Vater? Der darf - solange es sich nicht um einen Notfall handelt - immer mit in den OP, um bei der Geburt dabei zu sein. Und gleich nach der Geburt wird das Baby der frisch gebackenen Mutter zum Bonden (Kuscheln) auf den Bauch gelegt.

Nach ihrem persönlichen Fazit auf die oft diskutierte Frage nach Kaiserschnitt oder natürliche Geburt gefragt, spricht die langjährige Berufserfahrung aus der Oberärztin: „Es IST möglich, die aktuell hohe Kaiserschnittrate mit einfachen Mitteln zu senken, wie das Krankenhaus St. Barbara erfolgreich zeigt!"


Updates abonnieren Abo beenden Drucken

Ähnliche Beiträge

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://ostbayern-kurier.de/

Region Schwandorf

01. Dezember 2021
Schwandorf. Mit der Aktion „verschenkt Sicherheit – Rauchmelder retten leben!" starten die Feuerwehren im Landkreis Schwandorf eine eigenständige Aktion pünktlich zum Niklaus. Denn der kleine Lebensretter passt in jeden „Stiefel" und ist ein Geschenk...
01. Dezember 2021
Schwarzenfeld. Ab der kommenden Woche, ab dem 7. Dezember, können sich Bürgerinnen und Bürger an insgesamt sechs Tagen in der Woche direkt in Schwarzenfeld einem Corona-Schnelltest unterziehen....
01. Dezember 2021
Schwandorf. Wie schon im vergangenen Jahr gibt es auch 2021 wieder den MINT-Adventskalender der MINT-Region Schwandorf. Hinter jedem Türchen wartet auf die Kinder und Jugendlichen ein anderes Thema aus der Welt rund um Naturwissenschaft und Technik....
01. Dezember 2021
Schwandorf. Das Landratsamt Schwandorf berichtet: Mit 126 Fällen am Dienstag stieg die Gesamtzahl auf 13.511. Heute, am 1. Dezember, sind bislang 80 neue Infektionen mit dem Corona-Virus bekanntgeworden. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank von gestern 583,...
01. Dezember 2021
Schwandorf. Das Landratsamt meldet Folgendes: In den vergangenen sieben Tagen sind im Landkreis Schwandorf 956 neue Corona-Infektionen festgestellt worden....
30. November 2021
Maxhütte-Haidhof. Auch wenn der Weihnachtsmarkt heuer bereits zum zweiten Mal coronabedingt ausfallen muss und das Christkind die Christkindlpost nicht persönlich entgegennehmen kann, so möchte die Stadt Maxhütte-Haidhof es nicht versäumen, für die K...
Anzeige

Amberg, Sulzbach-Rosenberg

29. November 2021
Amberg-Sulzbach. In diesen Tagen erhalten alle Landkreisbewohner über 60 Jahre Post von Landrat Richard Reisinger. Die Corona-Lage im Landkreis Amberg-Sulzbach ist dramatisch und die Infektionszahlen alarmierend. Deshalb wirbt der Landkreischef in de...
26. November 2021
Amberg. Der Wald bietet als naturnaher Lebensraum ruhige Erholung fernab dem hektischen Alltag. Hier begegnen sich Spaziergänger, Radfahrer, Sportler und Naturliebhaber. Gerade während der Corona-Pandemie nahmen viele Bürgerinnen und Bürger diese Mög...
04. November 2021
Schnaittenbach. Im Tatzeitraum vom 26. Oktober bis 2. November entwendeten ein oder mehrere unbekannte Täter auf einem Geflügelhof 120 Gänse. Die Tiere befanden sich in einem abgegrenzten Freigehege abseits Hofes....
14. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat seit 1. Oktober einen neuen Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege. Markus Fuchs aus Ursensollen wurde von Landrat Richard Reisinger, zugleich Kreisvorsitzender der Obst- und Gartenbauver...
11. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Im Landkreis Amberg-Sulzbach wurde der Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 je 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten: Samstag, 9. Oktober 2021 (Inzidenzwert 39,8), Sonntag, 10...
10. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Ab Montag, 11. Oktober sind im Testzentrum auf dem Parkplatz des Gesundheitsamtes Amberg in der Hockermühlstraße keine kostenlosen Jedermann-Testungen mehr möglich. Darüber informiert das Landratsamt Amberg-Sulzbach in einer gemeinsa...

Für Sie ausgewählt

Wohnung, Haus und Garten

26. September 2020
Regensburg. Bereits zum 40. Mal veranstaltete der Kreisverband Regensburg für Gartenkultur und Landespflege (OGV KV) heuer seinen Gestaltungswettbewerb. Dabei konnte die Bewertungskommission bei 34 gemeldeten Gärten 19 Auszeichnungen und 15 Aner...
24. August 2020
So schön sonnige Tage unter freiem Himmel sind – Bewohner von Dachwohnungen leiden im Hochsommer vielfach unter überhitzten Räumen. Auch der Spätsommer und ein goldener Herbst können so manches Obergeschoss gefühlt in einen Backofen verwandeln....
08. August 2021
(djd). Muss alles, was nicht mehr ganz taufrisch aussieht, gleich auf den Müll wandern? Lässt sich zum Beispiel das Lieblingsmöbelstück nicht aufbereiten und neu nutzen? Und ob! Upcycling heißt der Trend, der Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständ...