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Böse Farce bringt Heidenspaß: Die Chorprobe

Böse Farce bringt Heidenspaß: Die Chorprobe

Was tut der Mensch nicht alles, um einmal im Rampenlicht zu stehen, berühmt zu werden, ja ins Fernsehen zu kommen? Dieser Frage widmet sich Dietmar Bittrichs bitterböse Farce „Die Chorprobe“, welche vom Turmtheater Regensburg derzeit an Bord der MS Fürstin Gloria gespielt wird. Die Zutaten sind so genial wie einfach. Ein lauer Sommerabend auf dem Schiff, welches gemütlich von Regensburg zur Walhalla tuckert und wieder zurück, kulinarische Köstlichkeiten und dazu als Unterhaltung ein lustiges Theaterstück. Aber Vorsicht!

Was da vordergründig als klamaukige, heitere Komödie daher kommt, ist in Wahrheit eine beissend ironische Farce, die unserer Gesellschaft und ihren Möchtegern-Superstars gnadenlos den Spiegel vorhält. Ein Chor, genauer gesagt ein Quartett, trifft sich zur Probe mit seinem tyrannischen Leiter. Die Sänger verkörpern dabei die klassischen Archetypen, wie man sie wohl in vielen Chören findet. Da ist der selbstverliebte Tenor Klaus (Andreas Ruf) neben der aufdringlichen Sopranistin Barbara, die immer eine Spur zu laut singt.

Susanne Senke-Hofer verkörpert die verhinderte Operndiva, die heimlich in den Dirigenten verliebt ist, hingebungsvoll und mit Verve. Da gibt es die Ökotussi im Alt-Hippie-Kostüm Gisela (Silke Heimann), die während der Probe Pullover aus einwandfreier Naturwolle strickt und schließlich Heinz. Ja, Heinz, der notorisch zu spät kommt und den während der Probe ständig ein dringendes Bedürfnis nach draußen treibt. Köstlich Heinz Müller, dem diese Rolle geradezu auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Sie alle vereint die gemeinsame Eitelkeit und der Wunsch nach Ruhm und Ehre.

Angeführt wird der Chor vom durchgeistigten Werner Weber, hervorragend interpretiert durch Martin Hofer. Auch er ein Archetyp seiner Zunft. Mit wehendem Künstlerschal strebt der verhinderte Komponist nach Höherem. Und das ist zum Greifen nah. Die Sangesfreunde sollen anlässlich des 35.(!) Geburtstages von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs singen, aufgenommen von einem Fernsehteam von TVA. Ja, Regisseur Andreas Wiedermann hat sich ein paar Freiheiten genommen und das Stück mit viel Lokalkolorit gewürzt. Zudem winkt den Sängern eine Chorreise in die Karibik. Die Begeisterung ist groß, doch vor dem Ruhm haben die Götter den Schweiß gesetzt und das nutzt Chorleiter Werner weidlich aus.

Gnadenlos treibt er seine Sänger an, drangsaliert und peinigt sie zur Freude des Publikums mit herrlich komischen Einsingübungen. Und das, was der Chor singt, kann sich durchaus hören lassen, wobei Silke Heimann stimmlich absolut herausragt. Das Stück besticht im ersten Teil durch Slapstick, Situationskomik und durch das herrlich überdrehte Spiel der Protagonisten. Höhepunkt ist die Darbietung von „Opus 69“, einer Eigenkomposition des Chorleiters. Die absurde, dadaistisch angehauchte Lautmalerei verursacht beim Publikum wahre Lachsalven. Da bleibt kein Auge trocken. Doch, was so spritzig und locker-leicht beginnt, kippt nach der Pause.

Als Klaus im „Feuilleton des Wochenblatts“ liest, was der Chor auf der Geburtsagsfeier singen soll (Kuckuck, ruft´s auf dem Wald) proben die Sänger den Aufstand gegen ihren tyrannischen Chef, welcher sich draufhin -ganz beleidigter Künstler- zurückzieht. Doch da winkt der Ruhm. Die Chance einmal für zwei Minuten ins Fernsehen zu kommen. Sie erniedrigen sich, sie giften sich an, sie denunzieren sich gegenseitig. Und spätestens, wenn Gisela auf Werners Befehl den während der Probe gestrickten Pullover wieder auftrennt, ist einem das Lachen im Halse stecken geblieben.

„Die Chorprobe“ ist alles andere als eine seichte Komödie. Das Stück ist schrill, plakativ, teilweise derb, bitterböse und zeigt auf urkomische Weise, was Menschen bereit sind zu tun, wenn der Erfolg zum Greifen nah ist. Ein sehenswertes Stück, welches von den Akteuren mit viel Spielfreude umgesetzt wird. Hingehen und anschauen!

Die Möglichkeit besteht noch vom 20. bis 23. August. Nähere Infos und Tickets unter www.regensburgerturmtheater.de

 

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