Mittwoch, 19. Juni 2019
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3 Minuten Lesezeit (613 Worte)

Zuschauer im Wechselbad der Gefühle – „Der Bockerer“ von der Laienspielschar Windischeschenbach

Der-Bockerer-01 Bilder von Peter Gattaut

Windischeschenbach. Selten sorgte ein Theaterstück der Laienspielschar Windischeschenbach für so viele unterschiedliche Emotionen und Reaktionen bei einem mehr als gefesselten Publikum. „Der Bockerer" oder „D´Schellnsau sticht" von Ulrich Becher und Peter Preses, glänzend überarbeitet von Hannes Rupprecht, ist keineswegs nur lustiges Heimattheater wie man es z.B. vom „Chiemgauer Volkstheater" oder „Peter Steiners Theaterstadl" kennt. Das Stück ist eine tragische Posse zum Lachen, Nachdenken und Weinen aus einer Zeit, wo das Hakenkreuz Einzug hielt und die Propaganda und Volksverhetzung eine neue Dimension bekam.


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Mit Gesangseinlagen (Monika Burkhard sang mit Klavierbegleitung von German Beer) „Lilli Marleen" und „Sag mir, wo die Blumen sind" und Film-Einspielungen, während des Umbaus der verschiedenen Bühnenbilder, wurden die Zuschauer mit Original-Dokumentationen aus der damaligen Wochenschau konfrontiert, um sie für die weiteren Schauplätze des Spieles zu sensibilisieren. Metzgermeister Karl Bockerer (Hannes Rupprecht), der mit Adolf Hitler nur das Geburtsdatum und sonst auch gar nichts gemeinsam hat, muss auf tragische Weise erleben, wie der Nationalsozialismus systematisch sein Umfeld, seine Familie und letztendlich auch sein Leben zerstört hat, obwohl er sich eigentlich nie von dieser Bewegung hat anstecken lassen und immer bodenständig an seine persönlichen Werte festhielt.

War es zu Beginn der Humor, der das Stück und den Metzgermeister bestimmte, als z.B. seine Frau „Binerl" (Renate Schönberger) die geforderten Ariernachweise nicht wirklich lückenlos nachweisen konnte und sein langjähriger Schafskopffreund und Jude Dr. Rosenblatt (Moritz Müller) sich nach Amerika verabschiedete, wurde dem „Bockerer" spätestens als sein Sohn Hansi (Simon Mauerer) Obersturmführer der SA wurde, bewusst, dass die Hitler-Zeit bizarre und verheerende Veränderungen mit sich bringen würde. Als sein Freund, der Eisenbahner „Herrmann" (Wolfgang Unger), nach einem Wirtshausstreit, wo er selber dabei war, kurz daraufhin in Dachau ermordet wurde, und er wusste, dass sein Sohn Hans da nicht ganz unbeteiligt war (Verrat), brach für Karl eine Welt zusammen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war im Saal kein Anflug von Humor mehr zu spüren, eher die erdrückende Wut, Unverständnis und eben auch die Erkenntnis, dass es sich hier nicht nur um ein Schauspiel, sondern auch um einen ähnlichen Tatsachenbericht aus dieser unvorstellbaren Zeit handeln könnte. Als er vorher zur Gestapo beordert wurde (bei Dr. von Lamm, Bürgermeister Karl Heinz Budnik), die Witwe Annerl (Lena Schulze) dann zum „Bockerer" kam und ihm tränenüberströmt die Rechnung für Urne und Überführung seines Freundes vorlegte, die der Karl kurzerhand mit einem Griff aus seiner Metzgerkasse beglich, war beklemmende Totenstille im Raum.

Nach dem Zerwürfnis mit seinen Sohn, der sich kurzerhand auch durch seinen SA-Rang, den Herrn im Hause „Bockerer" anmaßte, kam dann dessen Einberufungsbescheid nach Stalingrad. Sein treuer Weggefährte und bester Freund Hatzinger (Peter Budnik) schaffte es trotzdem, die beiden vor seiner Zugabfahrt nach Stalingrad nochmals, und wie sich herausstellen sollte, zum letzten Vater-Sohn Gespräch zu bewegen. Hansi fiel und die Trauer im Hause „Bockerer" war natürlich groß. Als dann noch ein entflohener Irrer als Hitler verkleidet (Ludwig Müller), den Karl in seinem Heim um Asyl nötigen wollte, brach alles aus dem Metzger Karl heraus. Ob er es wirklich glaubte, dass es der irgendwie doch am Leben gebliebene Hitler sei, ist völlig unerheblich. Er redete sich seinen Frust vom Leibe und blieb seiner Anti-Nationalsozialismus-Einstellung immer treu.  

Das Stück wurde von den beiden Regisseuren Hannes Ruprecht und Christian Mayerhöfer, der auch für die Bühnenbilder verantwortlich war, glänzend inszeniert. Die Schauspieler wurden ihrer Rollen mehr als gerecht. Ein ganz besonderes Lob geht zweifelsohne an Gerlinde Schedl und Beate Stock, die für die beeindruckenden Nazi-Kostüme sorgten, die für viele sogar schockierend wirkten. Ein großes Lob an die Laienspielschar Windischeschenbach, die dieses wirklich heikle Thema mit Bravour, mit den nötigen Respekt vor dieser Zeit und mit viel Engagement so gespielt haben, dass es für alle Besucher ein unvergessliches und sehr nachdenkliches Theaterstück bleibt.

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