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Fred, Weihnachten sowie Katz' und Maus

billionphotos-2128254 Foto: Billionphotos

„Fred, wir müssen"..., an dieser Stelle unterbricht der Chef und geht zum Funktisch, da gerade über den Äther eine Meldung hereinkam. Sofort scharten sich die im Raum befindlichen Kollegen um ihren Vorgesetzten und lauschten der Funkmeldung. Fred, der ebenfalls mit im Raum stand, erinnert sich noch sehr gut, dass in der Vorweihnachtszeit manche Menschen einsam waren. Viele waren manchmal verzweifelt. Manche nahmen sich sogar das Leben. An einen besonderen Fall erinnert sich jetzt spontan. Es war der 24. Dezember. Welches Jahr? Keine Ahnung mehr. Der Winter hatte mit seiner weißen „Armada" Einzug gehalten. Es stöberte und wehte unaufhörlich. Die Räumdienste kamen kaum mehr nach, den Schnee von den Straßen zu bringen. Ein weißes und samtenes, flauschiges Band, das schön anzusehen war, aber eiskalt, legte sich über das Land. Auch die Stadt war schneebedeckt.Es war Weihnachten, weiße, kalte Weihnachten!

Fred, der gerne um diese Zeit zum Skifahren in die Berge ging, hatte dieses Jahr keinen Urlaub bekommen. Zu viele der Kollegen waren überraschend krank geworden. Zumal dann auch ein „Frischling", ein junger vom Lehrgang Kommender in der Dienstgruppe seinen Dienst begonnen hatte. Damals, so erinnert sich Fred, wie wenn es erst gewesen wäre, an Albrecht, eben diesen „Frischling" , der viel Wissen mitbrachte, aber leider war es ja nur Theorie, die Praxis wurde ihm dann schon „beigebracht".Eine Art Feuertaufe musste jeder wohl bestehen. Am Ende war es für beide Seiten sehr belustigend und, nein, nicht diskriminierend. So etwas gehörte einfach zum Einstand.

Fred war der, dem immer etwas einfiel. Einmal hatte er einen älteren Kollegen dazu veranlasst, nach einem sehr beschwerlichen und ereignisreichen Nachtdienst, noch auf den Inspektionsleiter zu warten, da es um seine mögliche Beförderung gehen könnte. Fred hatte auf dem Fernschreiber einen Lochstreifen gefertigt und Klaus, dem besagten Kollegen, zukommen lassen.  Mit der kleinen gelblichen Rolle, die mit Löchern nur so übersät war, wartete dann der Kollege, bis der Leiter zum Dienst kam.

Zwischenzeitlich kam der junge Nachwuchs-DGL (DGL=Dienstgruppenleiter) wieder ziemlich zerknirscht und etwas indigniert von seinem „Auftrag", den ihm Fred gegeben hatte, zurück. Fred meinte er solle ihm doch in der Ost-Apotheke in der Äußeren Sulzbacher Straße, eine Packung „Binisodumm", besorgen. Der dortige Apotheker kannte Fred und wusste auch, wann etwas von ihm ernst oder spaßig gemeint war. Dem jungen Kollegen gab der Apotheker dann einen Zettel, auf dem er kurz etwas notierte, mit ,und meinte, „Binisodumm" sei derzeit nicht greifbar. Auf der Dienststelle angekommen, überreichte der junge Mann Fred den Zettel vom Apotheker. Fred klappte das Papier auf, schmunzelte und gab seinem Gegenüber es wieder mit der Aufforderung es zu lesen, zurück. „Na, les vor!", forderte Fred ihn auf. Der Kollege nahm den Zettel und fängt an zu lesen, ganz schüchtern und unbedarft, was der Apotheker geschrieben hatte -"Fredsveräppeltinktur". Als er dann das zweite Mal begann zu lesen, lachten die umstehenden Kollegen, denn jeder von ihnen wurde ebenfalls schon von Fred hereingelegt.

Der Funkspruch, der alle so aufmerksam werden ließ, kam von Pegnitz 3/15, einer Verkehrsstreife. Die Kollegen hatten ein kleines, halb erfrorenes Kätzchen in einem Papierkorb gefunden. Ja, leider gibt es Menschen, die unbedacht sind und einfach zu Weihnachten Tiere verschenken, obwohl der Beschenkte, meist ein Kind, damit nicht zurecht kommt. Die Kollegen brachten den kleinen „Tiger" auf die Inspektion Ost in der Erlenstegenstraße, zu Fred, der kannte sich mit Katzen ja aus, nein, nicht mit Vierbeinern. Er kümmerte sich aber trotzdem, gab dem „Kleinen" von seinem Stollen was ab, den er dabei hatte. „Mensch, Fred", sagte der DGL, „.Du kannst doch einer Katze keinen Stollen geben...!" „Na gut", meinte Fred, „dann kriegt`s halt von meinem Greicherten was ab."

„Nein", schreit da der junge, vom Fred veräppelte, Kollege aus der hintersten Ecke hervor. „Fred, so eine Katze braucht ein spezielles Futter". ..."und wo kriegen wir das her?..", erwidert da kurz Fred. „Zwei Streifen sofort raus", schreit der DGL aus seinem Büro. „Die weiteren Angaben bekommt ihr dann über Funk." Kaum saßen wir im Streifenwagen, das Blaulicht war schon eingeschaltet, kam über Funk die Mitteilung über die Einsatzzentrale Pegnitz: "Pegnitz 2/15 und 2/17 fahren Sie in die Sulzbacher Straße 17, dort haben Nachbarn Schreie aus einer Wohnung gehört., fahren Sie mit Sonderrechten...".


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Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, und los ging's. Los ging's? Von wegen, zum einen hatten wir einen heckgetriebene Opel Rekord mit Dreigangschaltung und ohne Sperrdifferential, zum anderen hatte es geschneit und es war „arschglatt" (Anmerkung, ich hätte auch schneeglatt schreiben können).

Die Entfernung war nicht allzu weit, aber wir brauchten, beide Streifenwägen, gut 20 Minuten. Glücklich angekommen, erwartete uns ein älterer Herr mit „Glühweinatem" - es war ja Weihnachten - an der Haustüre. „...im zweiten Stock wohnt die Frau..", und wir hörten schon die „Angstschreie". Vier Mann, also zwei Streifenbesatzungen, hoch in den 2. Stock. Fred war schnell, er trieb ja Leistungssport, äh ja, manchmal war es Leistung, stand schon vor der Wohnungstüre und klopfte: „Polizei, machen`s doch bitte auf!" Fred versuchte mit der Frau zu sprechen, Fehlanzeige. Die Frau schrie nur. „Gut, dann müsst ma die Tür eintreten." Die Frau schrie weiter. Nachdem wir ja nicht wussten, in welcher Gefahr die Schreiende war, wurde die Türe von der Polizei „geöffnet". Die Wohnungstüre war auf, die Frau, eine Junge, Hübsche, stand auf einem Stuhl und schrie immer noch, jetzt aber nicht mehr wegen einer Maus, sondern wegen den vier mit Walther PPK bewaffneten Polizeibeamten.

„Wissen's, weil Weihnachten ist, und Sie jetzt nicht hier in der Wohnung bleiben können, nehmen wir Sie mit zu uns auf die Wache. Die inzwischen eingetroffene Feuerwehr hatte eine Lebendmäusefalle dabei und verschalte die Wohnungstüre, damit kein Unberechtigter in die Wohnung kam. Fred und ich hatten die „Mausgeschädigte" an Bord und fuhren auf Grund des immer noch anhaltenden Schneefalls so vorsichtig wie möglich zur Dienststelle. „So, Frau Grüger", meinte Fred, „nachdem Sie eine Maus in der Wohnung haben, brauchen Sie etwas dagegen." Die noch sehr aufgewühlte Probantin wusste nicht so recht, was Fred damit meinte. Er stand auf und ging. Nach kurzer Zeit kam er mit dem „Fundkätzlein" wieder und drückte es der jungen Frau mit den Worten: „..keine Mäuse mehr in der Wohnung..", in die Hand.

Fred, danke und Frohe Weihnachten!

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