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EC9B97B Fotos von M. Pöllinger

Zwei Nittenauer Radfahrer erfüllen sich ein echtes Saisonziel: Ötztaler Radmarathon

5 Minuten Lesezeit (918 Worte)

Thomas Meierhofer und Manfred Pöllinger von der Radsportabteilung des TSV Nittenau haben den Ötztaler Radmarathon gemeistert. Mit 9:22 und 9:40 Stunden blieben beide unter der 10 Stunden Grenze und somit im ersten Drittel der Finisher.

Am 01.09.2019 starte zum 39. Mal der Ötztaler Radmarathon, mit seinen 228 Kilometern und 5500 Höhenmetern zählt er zu den großen Herausforderungen die der Radsport für Amateure zu bieten hat. Diesem Gradmesser stellten sich die beiden Nittenauer Radsportler nach einem langen und harten Trainingsjahr, in der Hoffnung das Ganze ohne Probleme durchzustehen.


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Der "Ötztaler" wird als Rennen mit Zeitmessung durchgeführt, bei dem der Großteil der Straßen für den Verkehr gesperrt ist. Dadurch werden nicht nur die Auffahrten auf die vier Pässe: Kühtai, Brenner, Jaufenpass und das Timmelsjoch zur endlosen Strapaze; auch die Abfahrten werden mit hohen Geschwindigkeiten teils in großen Gruppen gefahren, was zu einem zusätzlichen Stressfaktor führt und kaum Möglichkeiten für Erholungsphasen zulässt.

So standen Meierhofer und Pöllinger, um 6 Uhr, mit 4500 Radsportlern am Start. Nach dem Sonnenaufgang startete das Rennen pünktlich um 06:45 Uhr und der Tross setzte sich erst langsam in Bewegung, doch bereits nach wenigen Minuten steigerte sich das Tempo auf Rennniveau. 

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h ging es von Sölden aus das Ötztal hinunter bis nach Ötz. Anschließend stand die Auffahrt zum Kühtai bevor. Bereits hier gilt: Essen, Trinken und Kräfte einteilen. Nach der teils steilen Auffahrt ging es nach der Verpflegungsstelle in die nächste adrenalintreibende Abfahrt in Richtung Innsbruck. Die schnellsten wurden hier mit 114 km/h gemessen, auch die Nittenauer kratzten an der 100er Marke. 

Nach einer rasanten Fahrt durch die Tiroler Hauptstadt stand schon Berg Nummer zwei an. Die Auffahrt auf der Brenner Landstraße hat den geringsten Höhenunterschied und lockt deshalb zum Überdrehen. Obwohl die beiden Nittenauer ihre Emotionen in Griff hatten, erschwerte diese Auffahrt Meierhofer den Rest des Rennens. Auf der Abfahrt hatte er an einem der Weidegitter in der Straße, bei hohem Tempo, eine Trinkflasche verloren und die Zweite riss ein. Deshalb konnte er nicht ausreichend Flüssigkeit zuführen und musste an der zweiten Verpflegungsstation um Ersatz bitten.

Nach der verhältnismäßig kurzen Abfahrt nach Sterzing steht nach wenigen Kilometern der die 16 Kilometer lange und durchgehend 7-8% steile Auffahrt zum Jaufenpass an. Dass es bereits der dritte Pass war, konnte man sehen und (nicht) hören: Die meisten Teilnehmer starrten auf die Straße vor sich und auf ihre Pulsanzeigen, um diesen unter dieser Belastung unter Kontrolle zu halten herrschte Schweigen. Nachdem die Speicher an der "Labestatation", wie die Österreicher ihre Verpflegungen bezeichnen, wieder gefüllt waren ging es über die Passhöhe in die wohl schwierigste Abfahrt. Auf einer kurvenreichen Straße mit teils schlechten Straßenverhältnissen ging es hinab in das Passeiertal nach Sankt Leonhard.

Viele sagen, ab hier beginnt der Ötztaler erst. Nachdem bereits 175 Kilometer und knappe 4000 Höhenmeter zurückgelegt sind, geht es in die 29 Kilometer und 1750 Höhenmeter lange Auffahrt zum Timmelsjoch. Da beide Radsportler für eine eigene Bestzeit kämpften, mussten sie diese körperliche und mentale Herausforderung alleine meistern. 

Bei Meierhofer war das Problem eher körperlich, denn nun kamen die Folgen des zwischenzeitlichen Flüssigkeitsmangels. Pöllinger war zwar einige Minuten langsamer unterwegs, konnte seine konstante Fahrt an der Leistungsgrenze jedoch auch auf diesem Streckenabschnitt fortsetzen. Beide waren sich jedoch im Nachgang einig: Es ist nur mit dem absoluten Willen das Timmelsjoch zu erreich möglich den Berg zu bezwingen, denn jeder Fahrer leidet hier. 

Es ist kaum in Worte zu fassen was auf den circa 2,5 Stunden, die beide für die Auffahrt brauchten, im Kopf vorgeht. Mit besagten Willen schaffte es Meierhofer trotz muskulärer Probleme nach 8:45 Std über das Joch zurück nach Österreich. Pöllinger konnte Muskelkrämpfe vermeiden und fuhr 20 Minuten später durch den Tunnel kurz vor dem Timmelsjoch und überquerte den höchsten Punkt der Tour noch vor 16 Uhr. Damit stand auch für ihn fest, dass das zweite Ziel neben dem Durchkommen, die 10 Stunden Marke schaffst du! Nach einer weiteren rasanten Abfahrt kam nochmals ein kurzer Anstieg zur Mautstation. Dieser verlangt den beiden nochmals alles ab. Danach ging es in flotter Fahrt dem lang ersehnten Ziel in Sölden entgegen. Pöllinger berichtet von starken Emotionen bereits ab dem Ortsschild Sölden. Diese wurden noch stärker als in Ziel Nähe immer mehr Zuschauer an der Strecke standen, steigert sich nochmals bei der Durchfahrt unter dem Zielbogen und gipfelt darin, wenn man im Ziel in die Arme der Ehefrau fällt und den Trainingspartner voller Stolz abklatscht.

Es endet eine Reise, die bereits am Jahresanfang mit der Bewerbung auf einen Startplatz begonnen hat. Wie 18000 andere hatte das Nittenauer Miniteam keinen Startplatz erhalten. Ende März erhielt man eine zweite Chance über die Hotelbuchung und ab da galt das Motto des Ötztalers "Ich habe einen Traum!".

Dazwischen lagen noch viele Stunden im Sattel, oft mit Spaß aber manchmal auch aus Pflichtbewusstsein und Angst vor dem Bevorstehenden. Zur Vorbereitung wurden drei Radmarathons in der Region quasi nebenbei gefahren. Das Material wurde nach und nach optimiert, Ernährungsstrategien erarbeitet und Tipps von erfahren Ötztalfahrern eingeholt, um sich den Traum zu erfüllen. 

An welch seidenem Faden dieser Traum hängt zeigte auch der Ötztaler 2019 nachdem die beiden Nittenauer bei nahezu idealen Wetter das Ziel erreicht hatten, zog eine Stunde später eine Schlechtwetterfront über das Timmelsjoch ins Ötztal. Dies ließ die Temperaturen für die langsameren Fahrer am Joch auf fünf Grad fallen und brachte starken Regen. So schnell kann aus dem Traum ein Alptraum werden. 

Für die Mitglieder der Radsportabteilung erfüllte sich jedoch der Traum und so konnten sie das heißbegehrte Finishertrikot abholen und glücklich mit vielen positiven Eindrücken die Heimreise antreten.

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