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Innovationen, Investitionen und ein neuer Chef: Bei BMW Regensburg läuft´s rund

Innovationen, Investitionen und ein neuer Chef: Bei BMW Regensburg läuft´s rund

4 Minuten Lesezeit (832 Worte)

Für Manfred Erlacher ist es ein Heimkommen. Der Kreis der Karriere schließt sich für ihn im BMW Group Werk Regensburg. 1986, als das ostbayerische Wirtschaftswunder aus der Taufe gehoben wurde, war er einer der Männer der ersten Stunde. Nun kehrte er als Werkleiter zurück - nicht etwa, um hier einen gemütlichen Austrag zu erleben, sondern um maßgebliche Felder fit für die Zukunft zu machen. Das ist oft hochtechnisch, das ist oft ein bisschen schwer zu greifen. Erlacher hat es am Freitag vollbracht, den Medien der Region zu erklären, was bei BMW so hinter Elektrifizierung und Industrie 4.0 konkret steckt. Wenig heraus gelassen hat er dagegen über den X 2, den die Regensburger ab Herbst zusätzlich bauen werden.

Erlacher, der gebürtige Landshuter, hat zuletzt das größte BMW-Einzelwerk der Welt geleitet, es steht - Donald Trump wird´s freuen - in den USA. "In Phasen des Protektionismus ist es immer besser, im Land zu sein", kommentierte der Werkleiter. In Erlachers Amtszeit wurde dort eine Milliarde Dollar inverstiert. "Sein" Regensburg hat der eher leutselige Top-Manager nach eigenem Bekunden nie aus den Augen verloren. Er spüre hier heute noch die Aufbruchsstimmung, die in den 80er Jahren geherrscht habe, gleichermaßen aber den Drang zu Präzision und Weiterentwicklung. Letztere gehe einher mit einem Höchstmaß an Flexibilität, das Weiterentwicklungen erlaubt. Alle 57 Sekunden läuft hier ein BMW vom Band, 1400 am Tag. Fast die Hälfte davon macht das Erfolgsmodell X 1 aus. 30 Prozent der Autos gehen nach China, 10 Prozent in die USA (was Trump weniger freuen dürfte). Der deutsche Markt kauft Regensburg 13 Prozent der Produktion ab.

Der neue Werkleiter: Manfred Erlacher

9000 Mitarbeiter Stamm und 1400 Leiharbeiter in der temporären Nachtschicht sorgen für diese Zahlen. Die Diskussion, diese Nachtschicht zu verlängern, laufe derzeit, so Erlacher. Er schätzt, dass Mitte 2018 mit der Nachtschicht Schluss sei. Dann gehen im Werk wohl Umbauten und Umstrukturierungen los. In den kommenden fünf Jahren sehe er die Zahl der Stammbelegschaft als konstant, sagte Erlacher den Journalisten. Rund 300 der 1400 Nachtschichtler dürften wohl übernommen werden. "Wir müssen uns die notwendige Flexibilität erhalten, so dass wir auch künftig alle rund 300 Azubis immer übernehmen können." In Deutschland verliefen Schul-, Berufsausbildung und Studium auf erfreulich hohem Niveau, so der weitgereiste Werkleiter. Ein bisschen mehr Augenmerkt auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer würde er sich wünschen, sonst sei er damit sehr zufrieden.

Erlacher war es wichtig, eine Lanze für den (BMW) Diesel zu brechen. Der sei in Europa mit einem Partikelfilter für den Feinstaub ausgerüstet, sorge für niedrigen CO2-Ausstoß (verglichen mit gleich großen Benzinern) und das Thema Stickoxide - nun ja, BMW sei von der amerikanischen Verbraucherschutz-Behörde EPA noch nie beanstandet worden, so Erlacher.

Für ihn sei der bayerische Premiumhersteller aber auch Vorreiter bei der Elektrifizierung. Das i-Programm laufe sehr gut. "Wir wollen 2017 insgesamt 100.000 Elektroautos und Hybride verkaufen", platzierte er als Statement. Ob Regensburg bei der Elektro-Flotte eine größere Rolle spielen werde, könne er aber heute noch nicht sagen.

Geplant seien dagegen bis 2021 weitere Investitionen von 300 Millionen Euro in dem Werk vor den Toren der Domstadt. Nachhaltigkeit hat hohen Stellenwert: Die Erneuerung der Lackiererei senkt den Energieverbrauch laut Erlacher um bis zu 20 Prozent; die Umrüstung von 44.000 Leuchten auf LED-Technogie senkt den Stromverbrauch um 25 Prozent.

"Industrie 4.0" ist für ihn "kein Selbstzweck". Die Maßnahmen seien darauf ausgerichtet, Abläufe zu optimieren, den Mitarbeitern - Stichwort Ergonomie - das Leben leichter zu machen und flexibler auf Kundenwünsche reagieren zu können.

Erlacher nannte konkrete Beispiele: Im Presswerk erkennen Sensoren nunmehr sehr genau die Beschaffenheit der Bleche; dadurch regulieren sich die Anlagen selbst, sie lernen quasi im laufenden Betrieb, und werden dadurch präziser und schneller. Wenn es darum geht, Teile-Prototypen mit genauen Maßen zu entwickeln, kommen inzwischen 3 D-Drucker zum Einsatz, was viel Zeit und Geld spart. Die feine Sensorik ermöglicht es heute, dass in der Motor-Vormontage Kollege Roboter und Kollege Mensch ohne Schutzzaun Hand in Hand arbeiten können. Zum einen merkt der Roboter sofort, wenn ihm der Zweibeiner in die Quere kommt und verletzt ihn nicht, zum anderen reagiert der Cyber-Helfer hochsensibel, wenn der Mann oder die Frau mit dem Schraubenschlüssel gerne eine Drehung um ein paar Grad in eine bestimmte Richtung hätte. Last but not least hat BMW ein "InnoLab" eingerichtet, wo sich die klügsten Köpfe aller Abteilungen  zusammen mit Studenten aus der Region und dem Potential der IT daran machen, die Verbesserungsvorschläge aus allen Ecken des Werkes zunächst als Simulation zu prüfen und später in die Tat umzusetzen.

Mit Stolz zeigten Erlacher und Franz Moser, Leiter der Karosseriemontage, im Anschluss die neue 7800-qm-Halle, in der nach allen möglichen modernen Standards Montagen am Unterboden erfolgen. Der Neubau soll den X 2 in die Produktion integrieren helfen. Viel Wert legten die Planer auf die Arbeitsbedingungen. Die Spezialisten stehen auf Kunststoffbändern, ihre Vorarbeiter können ihnen viele Annehmlichkeiten individuell einstellen. Ventilatoren, intelligtenes Arbeitsplatzlicht, Höhenverstellbarkeit und etliches mehr, angenehmes LED-Licht, Strahlungsheizung inklusive. Der größte Clou: Die Förderanlage, die das Fahrzeug immer so dreht, hebt und senkt, wie es für den jeweiligen Arbeitsschritt ideal ist.

 

 

 

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