Jeder Rat ist teuer

Bodenwöhr. Es ist gut ein Jahr her, da titelte der Ostbayern-Kurier hier auf seinem Online-Nachrichtenportal: „Spannende Perspektive für Bürgerservice-Zentrum in Bodenwöhr“. Kommt das neue Rathaus in die idyllische Ludwigsheide (Bild)? Das wäre jetzt dort, wo die Raiffeisenbank nun vierstöckige Häuser bauen und vermarkten möchte. Oder wird das „Alte Rathaus“ in der Ortsmitte durch einen Neubau ersetzt?

Unsere Redaktion hatte im Mai 2016 herausgefunden, dass zwischen dem Eigentümer des ehemaligen Forstmaschinenbetriebsgeländes an der Ludwigsheide, der Raiffeisenbank Bruck, und dem Gemeinderat Bodenwöhr Gespräche begonnen hatten. Die Argumente von Raiffeisen-Direktor Franz Schießl: ein zukunftsfähiges, leistungsstarkes Rathaus brauche Platz, auch um die Entwicklungen der nächsten Jahrzehnte – Bevölkerungswachstum usw. - meistern zu können. Auch Parkplätze ließen sich auf dem großen Areal in ausreichender Zahl schaffen. Eine Weitsicht, von der kommende Generationen durchaus profitieren könnten.

Die Sache hat aber auch eine Kehrseite. Einerseits fürchten viele Bodenwöhrer, dass in dem Fall der Ortskern ausbluten und veröden würde – immerhin droht auch dem traditionsreichsten Gebäude am Platz, dem Gasthaus Schiessl (erbaut 1697 als Hüttenwerks-Wirtshaus) ab Spätherbst ein Leerstand, wenn kein neuer Pächter gefunden wird. Andererseits verfällt das „Alte Rathaus“ - das im 19. Jahrhundert als Schulhaus erbaut wurde – zusehends. Eine Sanierung oder ein Ersatzbau ist an dieser Stelle auf jeden Fall notwendig. Und so fallen in diesem Bereich Kosten an, egal ob die Verwaltung vom jetzigen Dauer-Provisorium an der Schwandorfer Straße hierher zieht oder nicht.

Der Gemeinderat plante einst im Zuge der Ortskernsanierung, das Rathaus groß in der Ortsmitte zu bauen. Mit einem Saal und dem Tourismusbüro inklusive. Trotzdem wären die Kosten für die Gemeinde – abzüglich der bis zu 70 % Zuschüsse für die förderfähigen Kosten – nur bei weniger als einer Million Euro gelegen.

Ein Projekt, das die CSU und die SPD in der letzten Wahlperiode abschmetterten, womit sie Bodenwöhr „nebenbei“ aus der Städtebauförderung kegelten. CSU-Sprecher Walter Spirk, damals der einzige „Kernortler“ in dieser „GroKo“, hatte das „Nein“ mit seinem – jetzt schon legendären - „Bauchgefühl“ begründet. Wegen der gestiegenen Preise am Bau würde der Ortsmitte-Plan heute – ebenso wie ein Neubau in der Ludwigsheide - wohl auf ca. 3 Millionen Euro Baukosten kommen. Also mehr als das Dreifache für den Gemeindesäckel - an welchem Standort auch immer.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung soll die heutige CSU-Fraktion mit dem neuen Standort liebäugeln. Ein toller Neubau an der Ludwigsheide könnte das „Bauchgefühl“ von damals nachträglich als „weise Voraussicht“ erscheinen lassen – wenn man die Folgekosten, die durch den Sanierungsbedarf des alten Rathauses an der Ortsmitte entstehen, ausblendet. Bei der Nutzung der Ludwigsheide täte sich aber eine weitere „Baustelle“ auf. Durch die Schaffung mehrerer Baugebiete in diesem Bereich wird sich auf Sicht die Verkehrssituation in der Ludwigsheide verschärfen. In nächster Zeit entstehen dort zusätzliche rund 110 Wohneinheiten.

Bürgermeister Richard Stabl sagt auf OK-Anfrage, die Argumente seien dem Gemeinderat alle bekannt. Eine Entscheidung werde es bald geben. Seine Tendenz: „Ich denke mir nach reiflicher Abwägung aller Pros und Contras: Ein Rathaus gehört in die Ortsmitte. Gerade auch bei uns in Bodenwöhr.“ Wie die Mehrheiten liegen, könne er nicht beurteilen. „Da müssen Sie schon die Sitzung abwarten“, sagte er. Wem etwas am Ortskern liege, der werde sich dem dringend benötigten Impuls „nicht schon wieder verschließen“, fügte er aber an.