Keramischen Schätzen auf der Spur

Die Akademie für den Natur- und Kulturraum Ostbayern-Böhmen zeigte in den Museen Nittenau und Neunburg Kostbarkeiten aus verschiedenen Keramikarten. Zum Jahresthema „Erde“ wurde anlässlich des Internationalen Museumstages zwei Sonderführungen angeboten. Die Museen in den beiden Mitgliedsstädten präsentierten dabei ihre „keramischen Schätze aus gebrannter Erde“. Beide Sammlungen beweisen den hohen Standard keramischer Produkte aus den Oberpfälzer Manufakturen im 19. Jahrhundert.

Herausragend darunter war die Produktionsstätte im säkularisierten Kloster Reichenbach, wie Carolin Schmuck, die Leiterin des Stadtmuseums Nittenau, in einem kurzen geschichtlichen Abriss berichtete.

Unter der Firmenleitung von Heinrich Waffler wurde dort zwischen 1842 und 1862 sowie von 1869 bis 1883 von bis zu 70 Beschäftigten Steingut produziert. Von 1863 bis 1969 übernahm Josef Aumüller den Betrieb. Steingut war vom Verfahren und vom Energiebedarf her weniger aufwändig herzustellen wie Porzellan und daher auch billiger. In den Vitrinen der Schwerpunktsammlung waren viele Beispiele aus der reichhaltigen Produktpalette zu bestaunen: verschiedenes Tischgeschirr und Ziergegenstände, vor allem Teller aus „Weißware“ und mit unterschiedlichsten Dekoren, darunter Flachreliefs und durchbrochene Ränder sowie Unterglasurdekore aus Umdrucken und Handbemalung, zum Teil Schwämmeltechnik.

Der „Reichenbacher Pfau“‘, ein ortstypischer Dekor, wurde nur per Hand gefertigt. Leider ist über die Menge der hergestellten Waren aus den Quellen kaum etwas zu erfahren. Vertrieben wurde Reichenbacher Steingut vor allem durch reisende Händler und in Niederlassungen bei Geschäftsleuten neben einem oft völlig andersartigen Sortiment, z.B. in Regensburg. Kunden waren die spätbiedermeierlichen Haushalte, die sich einen gewissen Wohlstand leisten konnten.

Im Schwarzachtaler Heimatmuseum Neunburg führte Dr. Reiner Reisinger die Besuchergruppe zu Schätzen aus verschiedenen Keramikarten. Die Mischung der Rohstoffe und unterschiedliche Brenntemperaturen ergeben poröse Irdenware und Steingut, die erst durch entsprechende Glasuren dicht werden wie Steinzeug und Porzellan.

Die Neunburger Sammlung enthält neben einer beachtlichen Vielfalt von Steingut aus Reichenbach, Amberg und Regensburg auch irdene Töpfe und Pechflaschen, Ofenkacheln, wertvolle Krüge und Teile aus Fayence und Porzellan. Besonders bemerkenswert sind Dutzende Porzellanmedaillons aus den Zinndeckeln von Bierkrügen mit vielfältigsten, oft auch kuriosen und witzigen Motiven (Bild oben). Abschließend gab es Oberpfälzer Ziegelprodukte zu bestaunen. Bodenplatten aus Ziegel, ein Mauerstück aus sog. „Reichsziegeln“ sowie verschiedene Arten von Eindeckungsmethoden und Dachziegeln, darunter auch seltene „Feierabendziegel“, auf denen sich der Ziegler oft mit Handspuren, Jahreszahl oder Initialen im feuchten Ton verewigt hatte.

Ein Fotoalbum zu den Führungen finden sie in Kürze unter: www.akademie-neunburg.de