/** */
Anzeige
Anzeige
Klimawandel_Vortrag-Professor-Foken-1 Prof. Dr. Thomas Foken (2.v.re.) sprach auf Einladung von Markus Bäuml (re.) und Gregor Glötzl (2.v.li) im Bürgertreff am Europaplatz, wo er von Bürgermeister Thomas Gesche begrüßt wurde. Foto: Michael Hitzek

Klimaforscher in Burglengenfeld: "Die Jugendlichen haben Recht"

3 Minuten Lesezeit (657 Worte)
Empfohlen 

Burglengenfeld. „Die Anliegen der demonstrierenden jungen Menschen sind berechtigt", sagt Klimaforscher Prof. Dr. Thomas Foken über die aktuellen "Fridays For Future"- Demonstrationen. Alle politischen Entscheidungen müssten unter einem „CO2-Vorbehalt stehen", also auf die Folgen für das Klima überprüft werden. Foken sprach auf Einladung des Initiativkreises Energiewende in der Region – Städtedreieck (INKER-S) vor rund 60 Interessierten im Burglengenfelder Bürgertreff.

Der als Referent angekündigte Dr. Eberhard Faust, Forschungsleiter Klimarisiken und Naturgefahren bei der Munich Re, musste kurzfristig krankheitsbedingt absagen. Gregor Glötzl, Leiter der Geschäftsstelle Städtedreieck und Mitinitiator des INKER-S, betonte, Prof. Dr. Thomas Foken sei ein nicht minder renommierter Referent. Er leitete bis 2014 die Abteilung Mikrometeorologie an der Universität Bayreuth und wurde für seine Forschungsarbeit mehrfach ausgezeichnet.


Anzeige

Den Klimawandel bezeichnete Foken als „dringliches Problem". Schon 1824 sei der natürliche Treibhauseffekt erstmals beschrieben worden, bereits 1859 habe es erste Hinweise auf den vom Menschen verursachten Klimawandel gegeben. In den 1960er Jahren seien erste Anzeichen eines nicht natürlichen Temperaturanstieges erkannt worden, in den 1980er Jahren „deutliche Anzeichen" dafür. In den 1990er Jahren dann sei der anthropogene, also der vom Menschen verursachte Temperaturanstieg wissenschaftlich nachgewiesen worden.

„Das, was wir seit Jahren wissenschaftlich vorhergesagt haben, ist eingetreten", so Professor Foken. 2018 sei das bislang wärmste Jahr gewesen; der Juni 2019 der weltweit wärmste Juni aller Zeiten, in Deutschland verbunden mit außergewöhnlicher Trockenheit. Die Konsequenzen des Klimawandels in Mitteleuropa seien u.a. weniger Eis und Schnee, extreme Sommerhitze, Starkniederschläge, Unwetter und Überschwemmungen, ein höherer Meeresspiegel und weniger polares Eis. 

In Deutschland gebe es schon jetzt pro Jahr mehr Hitzetote als Verkehrstote. Und sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika und dem arabischen Raum seien jetzt „häufig schon Klimaflüchtlinge". Professor Foken stellte unmissverständliche Forderungen auf: Alle politischen Entscheidungen müssten unter einem CO2-Vorbehalt stehen; der Ausbau erneuerbarer Energien müsse ungebremst erfolgen; die Klimadiskussion dürfe nicht ideologisch geführt werden: „Klimaschutz ist keine Abwägung mit Arbeitsplatzsicherung und wirtschaftlicher Entwicklung." 

Die hohe Komplexität der Klimaproblematik erfordere Aufklärung, Weiterbildung für Entscheidungsträger und verstärkte Ausbildung in den Schulen. Effektiver Klimaschutz und Klimaanpassung benötigten eine Regionalplanung in größeren Einheiten bis hin zu europäischen Lösungen.

Als konkrete Maßnahmen nannte der Referent u.a. den Erhalt stadtnaher zusammenhängender Wald- und Wiesenflächen, die Verdichtung bestehender bebauter Flächen „mit Augenmaß" sowie den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und der ländlichen Infrastruktur. Und: „Die Reduktion der Emissionen darf nicht weitgehend auf die junge Generation übertragen werden", sagte Prof. Foken.

Gregor Glötzl lenkte im Anschluss den Blick auf Burglengenfeld, Teublitz und Maxhütte-Haidhof. Im bayernweiten Vergleich habe das Städtedreieck noch einen enormen Nachholbedarf in Sachen regenerativen Energiequellen. Bayernweit stammten rund 44 Prozent des Gesamtstroms aus erneuerbaren Energien. Im Städtedreieck werde nur gut die Hälfte des bayernweiten Durchschnitts an Strom aus erneuerbaren Quellen generiert. Aufgrund der naturräumlichen Ausstattung (z. B. zu geringe Windgeschwindigkeiten an vielen Standorten für große Windkraftanlagen) sei die Energiewende im Städtedreieck somit auf viele einzelne Akteure angewiesen, sagte Glötzl. Um rechnerisch auf den bayernweiten Durchschnitt zu kommen, müsste man im Städtedreieck mindestens fünf moderne 3-Megawatt-Windkraftanlagen oder rund 1300 neue Dachflächen-Photovoltaik-Anlagen installieren. Glötzl sprach von einer „enormen Herausforderung vor Ort".

Den Vorträgen schloss sich eine intensive Diskussion an. Da wurde z.B. die Forderung laut, auch im Städtedreieck den Klimanotstand auszurufen. Erlangen hatte das im Mai als erste bayerische Stadt getan. Unter anderen wird der Stadtrat dort in Zukunft „bei seinen Beschlüssen die Auswirkungen auf das Klima sowie die ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Nachhaltigkeit berücksichtigen und wenn immer möglich Maßnahmen priorisieren, die den Klimawandel oder dessen Folgen abschwächen".

Bürgermeister Thomas Gesche hatte zuvor schon bei der Begrüßung Beispiele genannt, wie man sich in Burglengenfeld dem Thema Energiewende annehme. Er nannte unter anderem die Blockheizkraftwerke im Bulmare und in der Kläranlage, die Photovoltaikanlage auf dem Feuerwehrgerätehaus, die Sole-Wärmepumpe bei der Kinderkrippe im Naabtalpark oder die Installation von E-Ladesäulen.

Markus Bäuml, Regionalreferent beim Fachverband Biogas e.V. und Mitinitiator des Initiativkreises Energiewende in der Region – Städtedreieck, freute sich über das große Interesse an der Veranstaltung und insbesondere darüber, dass etliche Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte in den Bürgertreff gekommen waren.

Wissenschaftliche Informationen im Internet: https://www.scientists4future.org/stellungnahme/fakten/

Anzeige

Updates abonnieren Abo beenden Drucken

Ähnliche Beiträge

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://ostbayern-kurier.de/

Region Schwandorf

22. Oktober 2021
Schwandorf. Das Landratsamt Schwandorf meldet: Aus den 26 Fällen, die wir am Mittwoch, 20. Oktober, gemeldet hatten, wurden bis zum Ende der Schicht noch 30. Gestern, am Donnerstag, 21. Oktober, wurden 60 neue Infektionen bekannt. Am heutigen Freitag...
22. Oktober 2021

Nittenau. Seit dem Jahr 2007 verleiht das Bayernwerk das „Lesezeichen" für 50 besonders engagierte öffentliche Büchereien in Bayern.

22. Oktober 2021

Nittenau. Am 8. November findet eine Podiumsdiskussion statt. Hier können sich alle BewerberInnen des Jugendparlaments vorstellen.

22. Oktober 2021

Nittenau. Bürgermeister Benjamin Boml konnte am Mittwochabend über 50 interessierte BürgerInnen im Pfarrheim Nittenau begrüßen.

22. Oktober 2021
Wackersdorf. Das Gemeindeplenum ist wieder komplett. Nachdem Stefan Weiherer (Grüne) seinen Rücktritt erklärt hatte, ist nun seine Parteikollegin Ulrike Pelikan-Roßmann nachgerückt. Bürgermeister Thomas Falter vereidigte die Grünen-Vertreterin und ve...
22. Oktober 2021
Wernberg-Köblitz/Berlin. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion Marianne Schieder wird bei den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen gemeinsam mit dem Vorsitzenden der SPD in Nordrhein-Westfal...
Anzeige

Amberg, Sulzbach-Rosenberg

14. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat seit 1. Oktober einen neuen Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege. Markus Fuchs aus Ursensollen wurde von Landrat Richard Reisinger, zugleich Kreisvorsitzender der Obst- und Gartenbauver...
11. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Im Landkreis Amberg-Sulzbach wurde der Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 je 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten: Samstag, 9. Oktober 2021 (Inzidenzwert 39,8), Sonntag, 10...
10. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Ab Montag, 11. Oktober sind im Testzentrum auf dem Parkplatz des Gesundheitsamtes Amberg in der Hockermühlstraße keine kostenlosen Jedermann-Testungen mehr möglich. Darüber informiert das Landratsamt Amberg-Sulzbach in einer gemeinsa...
09. November 2020
Amberg-Sulzbach. Es war der 11. November 2000. Beim Seilbahnunglück von Kaprun sterben 155 Menschen, darunter 20 aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, überwiegend aus Vilseck und Hahnbach, aber auch aus Sulzbach-Rosenberg und Rieden. Erstickt oder verbr...
24. Oktober 2020
Amberg-Sulzbach. Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat die 7-Tage-Inzidenz von 35 überschritten. Somit tritt § 24 der 7. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (7. BayIfSMV) ab Sonntag, 25. Oktober 2020, 0 Uhr, in Kraft. Es wird eine M...
23. Oktober 2020
Sulzbach-Rosenberg. Im Rahmen eines kleinen Festaktes bei der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenbach führte in dieser Woche Polizeivizepräsident Thomas Schöniger den zukünftigen stellvertretenden Leiter der Dienststelle, Polizeihauptkommissar Alexander...

Für Sie ausgewählt

Wohnung, Haus und Garten

26. September 2020
Regensburg. Bereits zum 40. Mal veranstaltete der Kreisverband Regensburg für Gartenkultur und Landespflege (OGV KV) heuer seinen Gestaltungswettbewerb. Dabei konnte die Bewertungskommission bei 34 gemeldeten Gärten 19 Auszeichnungen und 15 Aner...
24. August 2020
So schön sonnige Tage unter freiem Himmel sind – Bewohner von Dachwohnungen leiden im Hochsommer vielfach unter überhitzten Räumen. Auch der Spätsommer und ein goldener Herbst können so manches Obergeschoss gefühlt in einen Backofen verwandeln....
08. August 2021
(djd). Muss alles, was nicht mehr ganz taufrisch aussieht, gleich auf den Müll wandern? Lässt sich zum Beispiel das Lieblingsmöbelstück nicht aufbereiten und neu nutzen? Und ob! Upcycling heißt der Trend, der Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständ...