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Konfliktpotential: Brauerei-Erweiterung versus Wohngebiet

Konfliktpotential: Brauerei-Erweiterung versus Wohngebiet

5 Minuten Lesezeit (924 Worte)

Symbolbild: Wandersmann, pixelio.de

Gleiche Auseinandersetzung, ein anderer Protagonist: Im Gemeinderat Bodenwöhr beschwerten sich wieder einige Mitglieder über den Informationsfluss von oben nach unten. Diesmal war aber nicht der erkrankte Bürgermeister Richard Stabl der Adressat der Kritik, sondern sein Stellvertreter Albert Krieger, der den Beschwerden widersprach. Im Kern geht es um Bauvorhaben der Familienbrauerei Jacob, die sich mit dem geplanten Bau von vierstöckigen Wohnhäusern auf dem ehemaligen Forstmaschinen-Gelände an der Ludwigsheide "beißen".

Bereits zu Beginn der Sitzung monierte Gemeinderat Alois Feldmeier, dass er wissen wolle, wie die im August stattgefundenen Gespräche im Landratsamt wegen der Ludwigsheide, genauer wegen der Familienbrauerei Jacob und der Raiffeisenbank Bruck, gelaufen seien. Geschäftsleiter Otto Eichinger machte auf die Tagesordnung aufmerksam, und auch Albert Krieger wollte diesen Punkt gegen Ende des offiziellen Teils der Sitzung behandelt wissen. Insider auf den vollbesetzten Zuhörerrängen vermuteten hier bereits den Aufbau von Spannungen und blieben bis zum Schluss.

Sehr sachlich ging es zu bei einem sehr folgenreichen Projekt für Bodenwöhr und seine Umgebung, um den Antrag der MJK Projektentwicklung GmbH & Co. KG, namentlich dem Unternehmer Michael Kraus, der auch die Diskussionsbeiträge im Zuhörerbereich anwesend, mitverfolgte (der Ostbayern-Kurier berichtete im Vorfeld exklusiv). Konkret handelt es sich dabei um die Waldfläche zwischen der Weihersiedlung und Blechhammer, auf der rechten Seite, von Bodenwöhr in Richtung Neunburg. Auf einem zwei Hektar großen Waldareal soll hier ein Ladengebiet für Einzelhandelsbetriebe (SB-Markt, Getränkemarkt), Handwerk/Gewerbe (Bäcker, Metzger), Geschäfts- und Bürogebäude (beispielsweise Steuerberatung), eine Tankstelle sowie ein Restaurant, Café, Imbiss errichtet werden.

Der Antrag umfasste auch das Gebiet auf der gegenüberliegenden Straße, entlang des Hammersees. Alois Feldmeier meinte, er habe Bedenken wegen des Sortiments, das da angeboten werde, aber das stehe ja nicht zur Debatte. Konkret äußerte sich Christian Lutter zu diesem Vorhaben. Er könne nicht zustimmen, er sei zwar prinzipiell für eine Ansiedlung, aber nicht in diesem Gebiet. Er sei gegen die Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet. Schließlich sei Bodenwöhr anerkannter Erholungsort. Seine Befürchtungen liefen auch in Richtung Versiegelung und dass der Kanal nicht ausreichen werde. Eine Belastung des Hammersees würde zunehmen. Und das Ganze stehe im krassen Gegensatz zu den Ausführungen von Klaus-Peter Fels in Bezug auf das Flächenmanagement. Seine Bedenken galten auch der Belebung der Ortsmitte, wobei er die Tankstelle nannte, die hier belassen werden sollte.

Geschäftsleiter Eichinger meinte, dass „es uns auch lieber wäre, wenn wir im Ortskern eine Nahversorgung anbieten könnten“. Das Entwicklungspotenzial, bzw. eine Erweiterung der Möglichkeiten, sah er nur mehr entlang der Neunburger Straße. „Wir müssen jetzt entscheiden, um zukunftssicher zu sein“. Walter Spirk sagte, die Möglichkeit, einen zweiten Supermarkt zu bekommen, sei zu begrüßen. Der Standort sei eigentlich ein sehr guter. Die Leute von Blechhammer und der Umgebung haben es näher zum Einkaufen. Sabrina Irlbacher meinte, sie könne dem Projekt zustimmen, wolle aber ebenso, wie von Krieger geäußert, dass die Fläche entlang des Hammersees im Landschaftsschutzgebiet verbleiben soll.

Stefan Rauch befürwortete ebenfalls das Vorhaben, Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen. Doch befürchte er, dass am See entlang unnötig etwas abgeholzt werden wird. Georg Hoffmann sprach sich ebenfalls für das Projekt aus. Mit einer Gegenstimme (Christian Lutter) wurde dem Antrag der MJK Projektentwicklung entsprochen. Nur die rechte Seite aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen und die nördliche Seite, entlang des Hammersees, drin zu belassen, wurde einstimmig verabschiedet. Der nächste Punkt beinhaltete den Antrag auf Aufstellung eines qualifizierten Bebauungsplans mit Zweckbestimmung Sondergebiet (SO) „Ladengebiet südlich der Neunburger Straße“. Christian Lutter sagte dazu: „Ich kann nur wiederholen, was ich vorhin bereits gesagt habe“ und stimmte alleinig dagegen.

Beim Punkt „Anfragen“ war dann Alois Feldmeier an der Reihe. Es geht um das Entwicklungspotenzial der Familienbrauerei Jacob und die Pläne der Raiffeisenbank Bruck in der Ludwigsheide. Hierzu habe es Gespräche gegeben zwischen der Gemeinde, dem Landratsamt und den Chefs der Brauerei. Insgesamt handelte es sich um drei Termine. Albert Krieger bestätigte die Gespräche, bei denen Skizzen vorgelegt worden waren, wie man die Ludwigsheide entwickeln könnte. Im Kern ging es darum, zwischen den denkmalgeschützten Gebäuden an der Ludwigsheide (im Jacob-Eigentum) Brauerei-Anlagen zu errichten, was sich nur bedingt mit den Plänen der Raiffeisenbank Bruck verträgt, nebenan Wohnbebauung schaffen zu wollen. Bei den Terminen in Schwandorf sei seine Forderung gewesen, so Krieger, "wir informieren den Gemeinderat gemeinsam mit Beteiligung der Fachstellen". Es sollte noch ein Termin zur Detailplanung ausgemacht werden, aber es sei von Seiten der Brauerei nichts mehr passiert. Dagegen beschloss der Gemeinderat vor einigen Wochen die Aufstellung des Bebauungsplanes für das Raiffeisen-Vorhaben.

Feldmeier sagte, sichtlich verärgert, dass der Beschluss des Gemeinderates in keinem Verhältnis zu diesen Gesprächen stehe: „Was mir nicht einleuchtet ist, dass ich solche Informationen nicht bekomme.“ Krieger meinte: „Genau diese Gedanken haben mich zu diesen Besprechungen veranlasst. Aber es liegt uns nichts vor.“ Eichinger ergänzte: „Wir haben noch keinen schriftlichen Antrag.“ Er meinte damit das Jacob-Vorhaben, Anlagen auf der Forstmaschinen-Seite der Ludwigsheide zu errichten. Georg Hoffmann sagte, er sei derselben Meinung wie Feldmeier, die Informationen, dass es Vorhaben und Gespräche gebe, müssten an die Räte weitergereicht werden. Eichinger meinte, dass die Gemeinde unvorbereitet zu den Sitzungen geladen worden sei. Man habe nur den Schriftverkehr per Mail in Kopie erhalten. „Wir können doch nicht auf Mutmaßungen und Absichtserklärungen informieren.“

Krieger meinte schließlich, er lasse sich nicht vorwerfen, Informationen zurückzuhalten. Weiter monierte Feldmeier, warum keine Bürgerversammlung abgehalten wird. Krieger erklärte, dass er zu wenig Zeit zum Vorbereiten hatte. Diese Erläuterung ließ wiederum Feldmeier nicht gelten, meinte, dass Krieger oftmals die Vertretung im Rathaus übernommen und daher ohnehin sehr gut informiert sei. Hoffmann wies auf die kommunale Ordnung hin, nach der eine Bürgerversammlung abgehalten werden muss. Krieger meinte, er habe genügend dargelegt, warum er keine abgehalten habe und lasse alles andere mal so im Raum stehen.

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