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Kontroverse Diskussionen um die Wallfahrt des Bodenwöhrer Kreuzes nach Schwandorf

6 Minuten Lesezeit (1281 Worte)
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Bodenwöhr. Welchen Weg nimmt das Bodenwöhrer Kreuz bei seiner 171. Wallfahrt? Geht es nach dem Willen von Pilgerführer Franz Singerer aus Bodenwöhr, der heuer zum zehnten Mal den Pilgerzug begleitet, dann bleibt es so wie bisher: bei einer Teilstrecke auf der B 85. Das Landratsamt jedoch besteht auf den parallel verlaufenden Waldweg.


Unterschiedliche Sichtweisen wurden in einem regen Schriftverkehr zwischen Singerer und dem Landratsamt dargestellt, beide hatten die Sicherheit der Wallfahrtteilnehmer inne. Am Donnerstag ist es wieder soweit: Wieder zieht das Bodenwöhrer Kreuz gen Schwandorf, um sein Gelöbnis zu erfüllen. Doch auf welchem Weg?

Die Historie der Wallfahrt

Es war eine Epidemie, die den Grundstein für eine Tradition legte, die bis heute gilt: Damals war es Typhus, ein grassierendes Virus, das zu einem Gelöbnis der Bodenwöhrer führte. Demzufolge pilgerten seit 1870 alle Generationen der Gemeinde am Hammersee an Christi Himmelfahrt zu Fuß nach Schwandorf, zum Kreuzbergmünster. Und eine Epidemie ist es, die die Wallfahrt ins Stocken geraten ließ: 2020 sollte es der 170. Pilgerzug sein, ein kleines Jubiläum, doch das Corona-Virus brachte Neuerungen mit sich, was erstens die Schutzmaßnahmen betraf und zweitens die Wegstrecke, die von der B 85 in einen fast parallel verlaufenden Waldweg verlagert wurde.

Die Waldstrecke

Laut den gesetzlichen Bestimmungen war die Teilnehmerzahl an Wallfahrten im Jahr 2020 stark begrenzt. Und so waren es nur sechs Pilger, die das Gelöbnis der Bodenwöhrer erfüllten, sich nach dem durch Pfarrer Johann Trescher gespendeten Pilgersegen um 4 Uhr in der Pfarrkirche auf den Weg machten. Das Landratsamt hatte in Absprache mit den betroffenen Polizeidienststellen die Pilgerstrecke abgeändert. Begründet wurde dies mit dem „Hauptaspekt der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer". Bereits in dem Schreiben vom Landratsamt vom 11. Mai 2020 hieß es weiter, dass der Pilgerzug, ob mit fünf oder 300 Teilnehmern, die Nutzung öffentlicher Straßen vermeiden soll, vor allem die B 85. Dies sei zumutbar, da alle Wege sehr gut zu benutzen seien. Empfohlen werde für das Waldstück die Verwendung von Leuchten. Die Benutzung der B 85 wäre dagegen ein Sicherheitsrisiko, welches nach Einschätzung von Polizei und Landratsamt nicht im Verhältnis zur Alternativroute stehe. Soweit die Begründung im Jahr 2020, die mit dem Satz endet, dass es zu prüfen gelte, ob diese vorgegebene Alternativroute durch den Wald nicht auch in Zukunft für die Wallfahrt in Betracht komme.

Wegen der Corona-Situation hatte Franz Singerer beim Landratsamt angefragt, was es bei der Durchführung der Wallfahrt zu beachten gebe. Mit einer Rückantwort vom 21. April erhielt er dazu Auskunft: So könne wegen der Ausgangssperre die Wallfahrt nicht wie üblich um 4 Uhr beginnen. Im Pfarrbrief und auch bei den Messen hatte Pfarrer Johann Trescher daher angekündigt, dass der Pilgersegen erst gegen 5.15 Uhr gespendet werde.

Nicht benutzt werden könne die B 85 als Wegstrecke aus Gründen der Sicherheit und Ordnung, wie die Fachstellen Polizei, Staatliches Bauamt Amberg-Sulzbach und die untere Straßenverkehrsbehörde übereingekommen waren. Die von den Fachstellen festgelegte neue Streckenführung mit ihren Rad- und Wanderwegen seien im guten Zustand und können von den Pilgern gefahrlos begangen werden. Weiter heißt es in dem Schreiben: „Die Benutzung der B 85 als Wegstrecke für die Wallfahrt wird deshalb untersagt." Mit einer Begehung frühmorgens um 5.15 Uhr im April wurden die Darstellungen noch untermauert, die das Landratsamt schriftlich in seinem Schreiben vom 23. April festgehalten hatte. Bekräftigt wurde darin auch, dass die Kreuzbergwallfahrt sowohl im Jahr 2021 als auch künftig über den Waldweg zu erfolgen hat. An der Begehung teilgenommen hatten von Seiten der Gemeinde Bodenwöhr Bürgermeister Georg Hoffmann, Lukas König von der unteren Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt Schwandorf und Pilgerführer Franz Singerer.

Mit dem Schreiben des Landratsamtes gab sich Pilgerführer Franz Singerer nicht zufrieden. Die Entscheidung durch die Fachstellen wurde getroffen, ohne die Pilger miteinzubeziehen. Zudem bemerkte er, dass die Wallfahrt an einem Feiertag stattfinde, von morgens 4 Uhr bis 8 Uhr, wobei die Pilger die B 85 von 4.30 bis 5 Uhr und von 5.45 bis 6.30 Uhr frequentierten.

Widerspruch eingelegt

Hingewiesen wurde Singerer auch darauf, dass durch die Alternativstrecke die Einsätze von Polizei und Feuerwehr eingespart werden können. Bisher sei ein Polizei-Streifenwagen mit einem Polizeibeamten eingesetzt gewesen. „Wenn die Polizei dermaßen überlastet ist, würde das die Feuerwehr gerne übernehmen", betonte Singerer. Und so legte er Widerspruch gegen den Bescheid der Unteren Verkehrsbehörde ein. Seit 54 Jahren pilgere er zum Kreuzberg, immer auf der B 85, sowie immer mit Begleitung und Absicherung durch die Polizei. Und dies soll von einem Tag auf den anderen geändert und mit einer ganz neuen Sicherheitseinschätzung bewertet werden? Weiter begründete er seinen Widerspruch damit, dass es sich um eine verkehrslose Straße handle, auch wenn es eine Bundesstraße sei, die aber an einem Feiertag zu dieser Zeit leicht abzusichern sei. Stattdessen verweise das Landratsamt bzw. die Fachstellen auf einen drittklassigen Waldweg, den durch seine Dachkonstruktion, auch zur Tagzeit, nur wenige Wanderer und Radfahrer nutzten. Gleichzeitig werde die Absicherung der Wallfahrt auf den Gemeinde- und den Gemeindeverbindungsstraßen durch die Polizei verweigert.

Singerer hatte sich mittlerweile auch direkt an Landrat Thomas Ebeling gewandt, der sich aber ebenfalls für die Nutzung der Alternativstrecke aussprach.

Das Landratsamt, Ressort Verkehrswesen, Straßen- und Wegerecht, antwortete auf den Widerspruch, dass man die Bedenken von Singerer noch einmal mit der Polizei geprüft habe. Wieder erhielt der Pilgerführer die Auskunft, dass keine Polizeibegleitung erforderlich sei. Gegebenenfalls könnte eine Absicherung durch ein Fahrzeug der Feuerwehr erfolgen.

Nachfrage beim Landratsamt

Der Ostbayern-Kurier erkundigte sich, ob die Entscheidung nur für heuer gelte oder auch für die künftigen Jahre. Von Seiten des Landratsamtes erhielten wir folgende Antwort: „Nachdem alle Fachstellen (Untere Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt, Polizeiinspektion Neunburg vorm Wald, Gemeinde Bodenwöhr, VG Wackersdorf, Bayerische Staatsforsten) übereinstimmend der Auffassung sind, dass die neue Route eine gute Alternative ist, ist die neue Streckenführung aus unserer Sicht für alle zukünftigen Wallfahrten von Bodenwöhr nach Schwandorf zu benutzen."

Weiter fragten wir nach der Stellungnahme zu der Argumentation von Franz Singerer. Hier erhielten wir folgende Antwort: „Der Sichtweise von Herrn Singerer, dass der Weg über die B 85 besser wäre, vermögen wir aus fachlicher Sicht nicht zuzustimmen. Durch die Benutzung der B 85 als Wegstrecke wird die Sicherheit und Ordnung des Verkehrs beeinträchtigt. Bei der „neuen Streckenführung" werden die Pilger fernab von Hauptverkehrsstraßen zum Zielort geführt. Die Sicherheit der Pilger wird also erhöht, da diese nicht mehr die stark befahrene B 85 benutzen müssen.

Die B 85 ist Teil des klassifizierten Straßennetzes, welches dem überörtlichen Verkehr, insbesondere dem Transport- und Logistikverkehr, dient. Dies spiegelt sich auch in der starken Verkehrsbelastung der B 85 wider. Bei der B 85 handelt es sich um eine Hauptverkehrsstraße mit einem durchschnittlichen Tagesverkehr von ca. 9.400 Fahrzeugen, davon sind ca. 1.100 Schwerverkehrsfahrzeuge."

Und so nimmt der Pilgerzug an Christi Himmelfahrt folgende Strecke: Kirchplatz Bodenwöhr – SAD 16 – öffentlicher Feld- und Waldweg entlang der B 85 – öffentlicher Weg Richtung Sportplatz Neuenschwand – GS Wasserweg – GS Altenschwandner Straße – Querung SAD 18 – GS Zengerstraße – GS Meldauer Straße – GVS Meldau – Geh- und Radweg zwischen Meldau und Heselbach – GS Bodenwöhr Straße – Querung SAD 9 – öffentlicher Feld- und Waldweg – Querung GS Industriestraße – GS Knappenstraße – GS Bauhofstraße – GS Im Ziehbügel – GS Irlacher Dorfstraße – GS Irlgasse – GS Imstettener Straße – GS Schleiglstraße – GS Kreuzbergweg – Querung GS Hoher-Bogen-Straße – GS Glätzlstraße – GS Bayerwaldstraße – GS Kreuzbergring – Kreuzberg Schwandorf.

Absicherung der Pilger

Die Polizeiinspektion Neunburg vorm Wald begleite die Pilger im Bereich zwischen dem Kirchplatz Bodenwöhr und der Einmündung des öffentlichen Feld- und Waldweges in die SAD 16. Die Absicherung der Querung der SAD 18 erfolgt durch die Feuerwehr. Die Absicherung der Querung der SAD 9 erfolgt durch die Polizeiinspektion Schwandorf, ebenso die Querung der GS Industriestraße. Zudem begleitet die PI Schwandorf die Pilger im Bereich Nattermoos, der GS Hoher-Bogen-Straße sowie bei der Querung der GS Hoher-Bogen-Straße. 

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