Literarische Tage im CeBB schließen mit Dreifachlesung

Literarische Tage im CeBB schließen mit Dreifachlesung

3 Minuten Lesezeit (520 Worte)

Die Literarischen Tage 2016 im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) schlossen am letzten Novemberwochenende mit einer Lesung ab, in der Regina Gottschalk, Jakuba Katalpa und Oskar Siebert aus ihren bemerkenswerten Werken lasen. Moderator Ondřej Černý, Direktor des Tschechischen Zentrums in München, bat alle drei Schriftsteller nacheinander an den Tisch, erfragte im Zwiegespräch die Hintergründe ihrer Veröffentlichung und leitete zu den Textpassagen über, die von den Autoren dem aufmerksamen Publikum näher gebracht wurden. 

Im Buch „Warten auf Antwort“ hat Regina Gottschalk aus hunderten handgeschriebener und schwer lesbarer Briefe aus dem Nachlass der Kinder und Verwandten der jüdischen Familie Getreuer aus Schwanenbrückl das Schicksal der deportierten und schließlich im KZ ermordeten Familienmitglieder nachgezeichnet. Der nach dem Krieg zerstörte Ort liegt nur ein paar Kilometer hinter der Grenze zwischen Tillyschanz und Weißensulz. Fünf Jahre dauerten die Recherchen, bei denen Regina Gottschalk fast kriminalistische Fähigkeiten einsetzen musste. Sie betonte, dass das Buch als Dokumentation und nicht als Fiktion zu verstehen sei. Das Dorf Schwanenbrückl war ein ausschließlich von Sudetendeutschen besiedelter Ort. Die Familie Getreuer war eingesessen, betrieb einen Kolonialwarenladen mit Klöppelhandel und lebte in guter Gemeinschaft mit der katholischen Bevölkerung. Berührend ist die Passage über das Schicksal der damals vierjährigen Tochter Luise und ihres gleichaltrigen Cousins Jiří. Ihr gelang als kleines Kind die Ausreise in die USA. Ihr gleich alter Cousin Jiří kam im KZ um, sein junges Leben löste sich in Asche auf. Luise schrieb in einem Brief an die Autorin: Ich habe 3 Kinder und 9 Enkel, das ist unsere Antwort auf Hitlers Absicht, uns auszulöschen.“ 

Oskar Siebert verarbeitete in seiner Autobiografie sein Leben als in Berlin geborener Deutscher von deutsch-tschechischen Eltern, die noch im 2. Weltkrieg nach Prag gingen, er in der Tschechoslowakei die deutsche Staatsbürgerschaft verlor und als Staatenloser schließlich wieder in der Zeit des Prager Frühlings nach Deutschland zurück kehrte. Zwischen den gelesenen Passagen führten Autor und Moderator ein spannendes Gespräch über das bewegte Leben als preisgekrönter Kurzfilmregisseur und Produzent in Regensburg. Von den späten 80ern bis ins Jahr 2010 erhielt er für seine Kurzfilme über 300 internationale Preise. Für sein grenzüberschreitendes Engagement im Verein „Videoaktiv“ erhielt er 2009 den Brückenbauerpreis. 

Jakuba Katalpa, die dritte Schriftstellerin des Abends, wuchs in den 80er Jahren im ehemaligen Sudetenland auf, in einem von den Deutschen erbauten Haus. Das ist eigentlich ihre einzige persönliche Verbindung zu den Deutschen. Und da wären noch die Süßigkeiten, die ab und zu deutsche Urlauber in die Gegend brachten. Als Kind wetteiferte sie mit anderen Kindern im Dorf, wer mehr Süßigkeiten ergattert. Jakuba Katalpa wählte für die Lesung aus ihrem Buch „Die Deutschen – Geographie eines Verlustes“ Passagen aus, die ein abgerundetes Bild von der Geschichte geben. In ihrem gefühlvollen Vortrag auf Tschechisch – simultan ins deutsche übersetzt, verzichtete die Autorin auf jegliche Schuldzuweisungen, sondern konzentrierte sich auf das, was beide Völker verbindet. 

Die literarisch und geschichtlich interessierten Gäste des Abends zeigten mit ihrem Beifall und den Kauf der Bücher, dass das CeBB eine gute Wahl getroffen hat.  Zur gelungenen Atmosphäre trugen die anschließenden Gespräche an den Stehtischen bei. Die Literarischen Tage im CeBB, unterstützt vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, setzten am Ende des Programmjahres des CeBB noch ein literarisches Ausrufezeichen. 


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