Anzeige
Marmorkrebse-im-Murner-See Immer wieder stoßen Taucher im Murner See auf Exemplare des Marmorkrebses. Durch seine sehr kleinen Scheren und die Musterung seines Panzers ist er leicht zu identifizieren. Bild: © Manuel Lukas

Marmorkrebse im Murner See

3 Minuten Lesezeit (518 Worte)

Wackersdorf/Schwarzenfeld. Im Murner See wurde eine wachsende Population des sogenannten Marmorkrebses festgestellt. Die Krebsart zählt in der EU gemäß „EU-Invasiven-Verordnung" zu den invasiven Arten, d.h. sie verdrängt heimische Krebse aus deren Lebensraum und überträgt zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit die Krebspest, eine für einheimische Krebsarten tödliche Krankheit.


Gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt und lokaler Fischerei- und Naturschutzbehörden haben die Gemeinde Wackersdorf und der Markt Schwarzenfeld deshalb Maßnahmen zur Eindämmung einer weiteren Ausbreitung umgesetzt.

„Unser Ziel ist zu verhindern, dass der Marmorkrebs seinen Weg in andere Gewässer mit heimischen Krebspopulationen findet", erklärt Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter. Sein Schwarzenfelder Amtskollege, Peter Neumeier ergänzt: „Wir ziehen dabei an einem Strang". Im Murner See stellt der Marmorkrebs derzeit keine direkte Bedrohung für die Tierwelt dar. Aufgrund des sauren pH-Werts von 3,6 bis 3,7 leben dort keine heimischen Krebsarten – andererseits aber auch keine möglichen natürlichen Fressfeinde. Im Fokus jetzt abgeschlossener Untersuchungen stand somit das direkte Gewässer-Umfeld des Murner Sees. Nach derzeitigem Kenntnisstand besiedeln die Marmorkrebse den kompletten Murner See sowie den Nahbereich der direkt mit dem See verbundenen Gräben. Nicht direkt angebundene Gewässer sind derzeit noch nicht besiedelt. Bei keinem der bisher untersuchten Krebse wurde die Krebspest festgestellt. Ein Bericht des Bayerischen Landesamts für Umwelt zur aktuellen Situation am Murner See enthält u.a. Handlungsempfehlungen zum Management der invasiven Art. Zum einen sollen die umliegenden Gewässer konsequent durch Fangreusen und Wasseruntersuchungen überwacht werden, Taucher entnehmen im Murner See regelmäßig Exemplare zu Untersuchungen. Zum anderen sollen in den Ableitern des Murner Sees Krebssperren installiert werden, z.B. am Edelmannsee oder Südgraben. Ein gezielter Einsatz von möglichen Fressfeinden kommt – aufgrund des genannten niedrigen pH-Werts des Murner Sees – aktuell nicht in Frage.

Bade- und Freizeitgäste des Murner Sees werden den Marmorkrebs in der Regel übrigens nicht zu Gesicht bekommen. Die Krebse leben vorwiegend unter der Wasseroberfläche und sind daher höchstens eine interessante Begleiterscheinung für Taucher. Allgemein appellieren die Anliegerkommunen Wackersdorf und Schwarzenfeld aber an alle Besucher*Innen, darauf zu achten, dass der Krebs nicht wissentlich oder versehentlich exportiert werde. Larven des Tiers können sich beispielsweise auch in Wasserresten an Sand- oder Wasserspielzeugen und Wassersportgeräten befinden.

Der Marmorkrebs

Der Marmorkrebs erreicht eine Länge von rund 12 Zentimetern und besitzt verhältnismäßig kleine Scheren. Wie schon sein Name vermuten lässt, ist seine gelbliche Färbung durch eine dunkle Marmorierung gezeichnet. Nicht nur das saure Wasser des Murner Sees stellt für die Krebsart kein allzu großes Problem dar. Stehende oder fließende Gewässer, 8 oder 30 Grad Wassertemperatur: Allgemein ist der Marmorkrebs extrem anpassungsfähig. Eine weitere Besonderheit ist, dass er sich klont. Es gibt keine männlichen Tiere, jedes Weibchen kann sich eigenständig vermehren – und das mit einer vergleichsweise hohen Reproduktionsrate. Der Marmorkrebs ist ein Allesfresser, er ernährt sich vorzugsweise von Pflanzen und Schnecken. Die Wege seiner ursprünglichen Herkunft führen bis nach Florida, wo er in der Aquarienzucht durch die Mutation einer „normalen" Flusskrebsart entstand. Bereits seit Mitte der 90er Jahre ist die Art in der deutschen Aquaristik bekannt, in freier Natur wurden erste Tiere vor bald 20 Jahren in der Nähe von Karlsruhe entdeckt. Seitdem verbreitet sich das Krustentier. Es wird davon ausgegangen, dass die Krebse ursprünglich von Aquarianern ausgesetzt wurden.

Tipps und Trends für Sie
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Updates abonnieren Abo beenden Drucken

Ähnliche Beiträge

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://ostbayern-kurier.de/

Region Schwandorf

02. August 2021
Oberviechtach. Eigentlich sind sämtliche Termine für die OVIGO Theater Zeitreisen schon ausverkauft. Doch nun haben die Theatermacher noch ein Zuckerl für den Saisonendspurt. Die geführten Erlebniswanderungen zur Burg Murach bekommen am Sonntag, den ...
31. Juli 2021
Schwarzenfeld. Aufmerksamen Spaziergängern und Anwohnern wird es aufgefallen sein: An mehreren Standorten in Schwarzenfeld entstanden in den letzten Wochen Oasen für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge & Co. Es sind die Flächen des neuen Projekts „Bl...
31. Juli 2021
Schwandorf. Wie viele Mitarbeiter braucht es bei einer Ehrung für 90 Dienstjahre? Am Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara Schwandorf in diesem Jahr nur zwei: Sonja Köppl, Pflegehelferin auf der Station D2, und Günter Edenhart, stellvertretender...
31. Juli 2021
Burglengenfeld. Mit der Spende des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums aus dem Projekt: „Gemeinsam sporteln wir mit Herz" erfüllte sich das Team vom Bürgertreff einen lang ersehnten Wunsch. „Alte Spiele neu entdecken" lautet ab sofort das Motto am Euro...
30. Juli 2021
Schwandorf. Das Landratsamt Schwandorf schreibt: Einen Schnaps trinken wir nicht, dafür ist die Lage zu ernst. Aber mit der 444. Pressemitteilung zu Corona haben wir heute dennoch eine Schnapszahl erreicht. Am Mittwoch hatten wir zum Stand 17.30 Uhr ...
30. Juli 2021
Burglengenfeld. „Ihr habt euren Abschluss unter wirklich außergewöhnlichen Bedingungen gemeistert, Respekt", so die Worte von Bürgermeister Thomas Gesche zur Abschlussfeier der Sophie-Scholl-Mittelschule am Mittwochabend in der Stadthalle. Rund 100 S...
Anzeige

Amberg, Sulzbach-Rosenberg

22. Juli 2021
Amberg-Sulzbach. Wie schlimm und zerstörerisch Hochwasser sein kann, mussten auch die Amberg-Sulzbacher Tabler in den letzten Tagen aus den Medien erfahren. Wenn aus Alltag plötzlich Existenzängste werden; wenn Dinge, die eben noch selbstverständlich...
13. Juli 2021
Ensdorf. Naturpark-Ranger Christian Rudolf bietet eine Kanu-Tour im wunderschönen Vilstal von Ensdorf bis Emhof an, bei der die Vils im Naturpark Hirschwald erkundet wird. ...
09. Juli 2021
Oberpfalz. Vom 12. bis 19. Juli überwacht die Polizei in der Oberpfalz verstärkt die gefahrenen Geschwindigkeiten auf den Landstraßen. Mit der Aktionswoche soll insbesondere an Unfallhäufungspunkten auf die Risiken von nicht angepasster Geschwindigke...
09. Juli 2021
Amberg. Der Bedarf an Pflegekräften steigt ständig. Dieser Tatsache wird das Jobcenter mit Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen des ISE-Sprach- und Berufsbildungszentrums unter anderem zum/zur Pflegehelfer/-In gerecht. Fünf Frauen und drei Männe...
06. Juli 2021
Amberg. Im Mai 2021 wurde ein Seniorenehepaar Opfer eines Enkeltricks. Polizei und Staatsanwaltschaft fahnden nun öffentlichen nach der unbekannten Geldabholerin. ...
01. Juli 2021
Amberg-Sulzbach. „Der Rückgang der Inzidenzwerte auf 0 sowohl im Landkreis Amberg-Sulzbach als auch in der Stadt Amberg ist sehr erfreulich, eröffnet dies doch Möglichkeiten und Freiheiten, die die Coronapandemie über Monate nicht zugelassen hat", be...

Für Sie ausgewählt