Martha Pruy: Dirndl und Tracht im Vilstal

Martha Pruy: Dirndl und Tracht im Vilstal

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Tracht komme von Tragen, von „tragen müssen“ brachte es Kreisheimatpflegerin Martha Pruy auf den Punkt. Zu ihrem Vortrag „Dirndl und Tracht im Vilstal“ hatte der Heimat- und Kulturverein ins Gasthaus Dietz eingeladen.

Die Kreisheimatpflegerin betonte „Nahezu 500 Jahre gab es peinlichst genaue Kleiderordnungen, die den Ständen ihr Gewand vorschrieben“. Diese mussten genau eingehalten werden, weltliche und geistliche Obrigkeiten achteten „aus Sorge um Sitte und Anstand, insbesondere damit die kleinen Leut’ nicht der Hoffahrt verfallen“, auf die Kleidung ihrer Untertanen und Pfarrkinder. Der Adel habe sich dabei deutlich von den unteren Ständen abgehoben, weniger in Form und Schnitt als in Verwendung der Materialien. So habe die pfälzische Kleiderordnung von 1465 Bauersfrauen und natürlich auch deren Töchtern und den Mägden die Verwendung etwa von Samt oder Seide verboten. Mit zahlreichen Bildern belegte Martha Pruy, dass die Forschung sich zur Frage „was wann und von wem getragen wurde“ an Votivtafeln, Kirchengemälden  und auch Kleiderordnungen in Archiven orientiert habe. Kleidungsstoffe der Region seien Wolle, Leinen und auch Leder gewesen, „oft als gelbe Lederhosen – denkt an Fensterleder –  wie sie die Egerländer und Franken trugen und meist auch Wadlstiefel“.

Die Kopfbedeckung der Männer war in der Oberpfalz der Dreispitz. Wirte und Müller, „als bessere Leit“, hätten dazu ein rotes oft blumiges Leiberl getragen. Später sei die Kleidung an der Vils und um Amberg durch knielange Jacken (Schopperl), die Leder- durch Wollhosen und der Dreispitz durch den Zylinder ersetzt worden. Als Arbeitskleidung der Männer waren bis in die 60er Jahre blaue Jacken und Hosen sowie der Fürfleck (Schurz) gang und gäbe.

Das Frauengewand, führte sie weiter aus, sei zweigeteilt gewesen mit fast bodenlangem Rock und einem eng anliegenden Schopperl, kleinem Schößchen und engen Ärmeln oder ärmellos, miederartig geschnitten. Der Rock meist schwarz, nur jungen Mädchen war ein farbiger Rock standesrechtlich gestattet. Zur Arbeit eine schmale Schürze darüber dazu Kopftuch mit Gebände ums Kinn oder eine das Haar eng umschließende Haube. Um den Hals Schulterkragen, oder ein rechteckiges Florhalstuch, die Schuhe flach, dazu gestrickte oder gewirkte Strümpfe.

Nicht nur den Stand, auch die Religion sah man der Kleidung an, hob Martha Pruy hervor, „aber nach der französischen Revolution wurde die Kleiderordnung aufgehoben. Jeder konnte tragen was er wollte – und sich auch leisten konnte“. Mit Bildern wie vom Oktoberfestzug aus dem Jahr 2911 zeigte sie reich verzierte Trachten aus dem Schwandorfer Raum, aus Fürnried nach 1945 „der man die Verwandtschaft zu Franken ansieht“, eine Sulzbacher Volkstanzgruppe um 1936 „mit protestantischen Bänderhauben“, aber auch ein Hochzeitspaar um 1900 in städtischer Tracht, „denn alle städtischen Modeströmungen kommen früher oder später aufs Land“.

Immer mehr junge Leute, gab sich die Kreisheimatpflegerin überzeugt und belegte es mit Fotos, wollen mit Trachten zeigen „wo ich herkomme“. Sie zeigte die Merkmale der erneuerten Oberpfälzer Trachten auf, betonte „typisch ist die Jacke mit hinten dem Schwanzl beziehungsweise dem Spitzl“. Sie zeigte dies mit vielen Bildern, hatte viele Muster mitgebracht, empfahl den Besuch von Trachtenschneiderkursen und des Trachtenmarkts in Garching. Sie war sich sicher „beim Trachtenwertegefühl geht die Woge nach oben“. Auch der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins Gerhgard Tschaffon war sich abschließend sicher „Tracht hat etwas mit Selbstbewusstsein zu tun“.

Die Lacher hatte Martha Pruy auf ihrer Seite als sie feststellte, dass früher zu einer Tracht mindesten vier Unterröcke aber keine Unterhosen gehörten und reimte: „In Ensdorf hom d’ Moidl gelbe Unterröck a. Die bracha’s niat waschn, die bisln’s halt a“.


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