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Peter-und-Rainer-mit-Max-Uthoff-02 Max Uthoff (Mitte) mit Fan-Star-Reporter Peter Gattaut (links) und Rainer Labitzke, großer Fan vom Kabarett (rechts); (c) by Peter Gattaut

Max Uthoff kam im ACC Amberg gut an und gab Interview

5 Minuten Lesezeit (936 Worte)

Amberg. Wer kennt ihn nicht? Max Uthoff präsentiert gemeinsam mit Claus von Wagner seit 2014 die erfolgreiche ZDF-Satiresendung „Die Anstalt". Mit seinem neuen Programm „Moskauer Hunde" gastierte der Münchener Kabarettist im gut besuchten Amberger Concress Centrum.

Mit einem einfachen Holzstuhl als Bühnendekoration ausgestattet, verstand es der zweifache Familienvater, von Anfang an, sein Publikum abzuholen und auf eine Reise mitzunehmen, die geprägt war von der Kluft zwischen Arm und Reich, gesellschaftlichen Konsumwahn, Medienschelte und politischer Satire. Der von seiner eigenen Tochter ausgemachte Doppelgänger von Friedrich Merz nahm kein Blatt vor den Mund und verstand es auch, mit zwischenzeitlichen Dialogen auf der Bühne mit breitem Ossidialekt oder „Wiener Schmäh" zu glänzen.

Er beruhigte das Publikum mit Aussagen wie „Keine Angst vor Donald Trump, wer so twittert wie er, ist nicht fähig, einen fehlerfreien Atom-Code einzugeben". oder „Mann kann nicht alles mit jedem vergleichen. Hitler war Vegetarier, ich auch, ich hege aber keine Absicht Polen zu überfallen." Uthoff knöpfte sich natürlich auch die Parteien und aktuellen Gesichter der Politik vor. „Ich kann Ihnen nicht sagen, welcher Teil von Horst Seehofer schon zurückgetreten ist" oder: „Die Aussage von Olaf Scholz, die fetten Jahre sind vorbei, ist unmöglich, so kann man doch mit Sigmar Gabriel nicht umgehen."

Doch auch nachdenkliche Botschaften wie „Demokratie ist das Betriebssystem des Kapitalismus" und „Zuwanderung ist eine Rückzahlung historischer Schulden" verfehlten beim Publikum nicht die gewünschte Wirkung. Immer wieder bediente sich der Kabarettist auch an seine eigenen Kindheitserinnerungen, begab sich in Konfrontation mit Hunde- und Katzenbesitzer, wetterte über die Selfie-Urlauber („Vor jeder Sehenswürdigkeit wird die eigene Fresse gleich mitgeparkt.") und zeigte sich sehr besorgt über die Ausbeutung der Industrieländer an der dritten Welt, die von Kinderarbeit und unzureichenden Lebensverhältnissen geprägt ist („Stellen Sie sich bitte die Überraschung eines 12-Jährigen auf der Mülldeponie in Ghana vor, wenn er erfährt, dass es bei uns Katzenfutter gibt, in verschiedenen Variationen, alle Geschmacksrichtungen, all die klassischen Beutetiere der Katze: Rind, Kalb, Pferd. Das muss das Paradies sein, in dem man diesen degenerierten Fellknäuel das Essen in Tüten packt, damit sie nicht, wie sonst üblich, im Rudel ein Rind jagen müssen.").

Uthoff teilte sein Publikum in den reichen Norden und den globalen Süden auf und veranschaulichte mit provokanten Aufforderungen einzelner Besucher diese ungerechte Kluft zwischen Konsumgesellschaft und nacktes Überleben. Die titelgebenden streunenden „Moskauer Hunde", die sich in der russischen Hauptstadt sogar mit der U-Bahn arrangieren, um an Futterquellen zu kommen, sind genauso ein Thema wie die neuen Medien, Kirche und die Story vom peniblen Autofahrer, der für seinen kaum sichtbaren Kratzer an der Stoßstange 2000 Euro von seiner Versicherung einfordert.

Sehr witzig auch die möglichen Grabinschriften prominenter Persönlichkeiten (Bill Gates: Erfolgreich abgemeldet, Helene Fischer: Atemlos oder Franz Beckenbauer: Ich mach das nur ehrenamtlich.). Ein rundum gelungenes Programm mit teilweise schwer verdaubarer Kost, etwas anderes war aber vom Gesellschaftskritiker Max Uthoff auch nicht zu erwarten.

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Werdegang Max Uthoff:

Der gebürtige Münchner Max Uthoff kam bereits früh mit der Welt der Kleinkunst in Kontakt. Sein Vater Reiner Uthoff gründete 1965 das Münchner Rationaltheater und leitete dieses 30 Jahre lang gemeinsam mit seiner Frau Sylvia, bevor es schließlich zehn Jahre lang ruhte. Dort sammelte Max Uthoff erste Erfahrungen auf und hinter der Bühne. Er studierte Rechtswissenschaften und absolvierte 2002 das zweite Staatsexamen. Ab 2006 nahm Uthoff den Betrieb des Rationaltheaters wieder auf, gab die Leitung im Juli 2008 jedoch ab, da seine zahlreichen Auftritte an anderen Spielstätten für einen regelmäßigen Theaterbetrieb immer weniger Zeit ließen. Seit 2007 tritt er als Solokünstler auf und versucht seitdem, das kapitalistische System mit den Mitteln der Satire aus den Angeln zu heben. Sein erstes Kabarettprogramm trug den Titel „ Sie befinden sich hier", 2010 folgte mit „Oben bleiben" sein zweites Soloprogramm. Von 2011 bis 2013 war er als „Anstaltsanwalt" regelmäßiger Gast der ZDF-Kabarettsendung„Neues aus der Anstalt". 2013 erhielt Uthoff den bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie „Senkrechtstarter". Seit Februar 2014 präsentiert er gemeinsam mit Claus von Wagner als Gastgeber, die mit dem deutschen Fernsehpreis 2016 ausgezeichnete, sehr erfolgreiche ZDF- Politsendung „Die Anstalt".

Interview Max Uthoff:

Gattaut: Die Politserie „Die Anstalt" wurde 2016 mit dem deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet und erfreut sich nach wie vor hoher Einschaltquoten. Was glauben Sie, ist dafür das Erfolgsrezept?

Max Uthoff: Ich glaube, dass es die Mischung aus Information und der Freude ist, mit der diese verpackt werden. Claus von Wagner bezeichnet unsere Sendung ja gerne als die Sendung mit der Maus für Erwachsene. Fragt sich nur, wer die Maus und wer der Elefant ist?

Gattaut: Über was können Sie sich privat so richtig aufregen, was bringt Sie schnell auf die berühmte Palme?

Max Uthoff: Die Tücke des Objekts. Wenn beispielsweise der Staubsauger sich nicht in die Richtung bewegt, in die ich gezogen habe, dann könnte ich dieses verdammte Ding...

Gattaut: Welche Eigenschaften von Ihnen würden Sie als Stärken und welche als Schwächen beschreiben?

Max Uthoff: Meine Stärke ist ganz klar meine Selbstbeherrschung (siehe vorherige Frage). Schwächen sind mir weiter nicht bekannt (lacht).

Gattaut: Hatten oder haben Sie ein oder mehrere Vorbilder? Wenn ja wer war oder ist es?

Max Uthoff: Vorbilder, ich weiß nicht, nennen wir sie Menschen, die mich inspiriert haben: mein Vater, Matthias Beltz, Stewart Lee oder George Carlin.

Gattaut: Bitte nur jeweils einen Satz zu: Religion:

Max Uthoff: Wird völlig überschätzt.

Liebe:

Max Uthoff: Wird völlig unterschätzt.

Sport:

Max Uthoff: Ist am schönsten, wenn es reines Spiel ist.

Gattaut: Welche Botschaft oder Lebensphilosophie möchten Sie Ihren Fans und unseren Lesern gerne mit auf den Weg geben?

Max Uthoff: Bei jedem Problem, vor allem im Haushalt, erst mal schauen, ob nicht der Russe schuld sein könnte. Wenn nicht, eine schöne Tasse Tee aufsetzen und „Always look on the bright side of life" pfeifen.

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