2019_Bambirettung_Bernhardswald_6 Handschuhe und Grasbüschel verhindern, dass das Kitz Menschengeruch annimmt. So wird die Mutter nicht davon abgeschreckt, das Kleine nach der Mahd wieder unter ihre Fittiche zu nehmen. Bilder/Text: Alexander Auer
Bernhardswald. 

Dunkle Kulleraugen blicken Tobias Neugebauer und Michael Paa ängstlich an, als sie das Rehkitz im Grasdickicht entdecken. Doch die beiden Jäger trachten dem kleinen Bambi nicht nach dem Leben – im Gegenteil, sie wollen es retten. Deswegen setzen sie ihre Drohne mit Wärmebildkamera ein, um Felder vor der Ernte abzusuchen und so sinnlose Mähtode der Tiere zu verhindern. Auf dem Bildschirm sind Wärmepunkte zu erkennen, welche die Jäger dann anschließend absuchen.

Heute unterstützen sie mit ihrer modernen Technik Biolandwirt Andreas Bauer. Für seine 60 Milchkühe braucht er genügend Futter. Ein Teil von diesem besteht aus Kleegras, bei dem nun die erste Mahd ansteht. Rund einen Meter ist das Gras hoch – optimal als Versteck für junge Kitze, doch ebenso auch gefährlich, wenn der Traktor mit seinem Mähwerk kommt. Selbiges schneidet etwa sieben Zentimeter über dem Boden und kann so ein kleines Bambi schwer oder sogar tödlich verletzten. 



Kitzen fehlt der Fluchtreflex. „Das Kitz bewegt sich nicht, weil es gelernt hat, von den Instinkten und der Natur, dass es sich wegduckt und eben so lange ruhig verharrt, bis die Gefahr vorbei ist", erklärt Jäger Tobias Neugebauer. Ausgerüstet mit Gummihandschuhen und Grasbüscheln nimmt Kollege Tobias Paa das junge Tier hoch und trägt es zu einer präparierten Kiste. Dort passen die Frau und die Kinder des Bauern auf, dass es nicht aus Versehen wieder ins Feld läuft. „Wir passen jetzt auf die Kitze auf, bis mein Papa fertig ist mit dem Mähen", berichtet der siebenjährige Sebastian stolz. Vorher hatte der Junior noch kein Rehkitz gesehen.

Dank der Unterstützung der beiden Jäger Tobias Neugebauer und Michael Paa, geht der Tag glücklich zu Ende, denn kein Kitz kommt zu Schaden. „Die Mäharbeit macht dann natürlich auch mehr Spaß, wenn man weiß, das Feld oder die Wiese wurde abgesucht und es ist tatsächlich kein Kitz mehr drin", so der Bio-Bauer. Erleichtert berichtet er: „Ansonsten ist immer ein mulmiges Gefühl dabei. Erwischt man was oder erwischt man nichts. Als Landwirt hat man auch keine Freude daran, wenn man dann ein verletztes oder schwerverletztes Kitz erlösen muss". Deswegen ist die ganze Familie froh, dass sie Unterstützung vor der Mahd bekommen hat und der Vater in Ruhe mähen kann.