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Mit Ultraschall gegen Blaualgen?

Mit Ultraschall gegen Blaualgen?

6 Minuten Lesezeit (1105 Worte)

Die Blaualgenplage im Bodenwöhrer Hammersee und im Eixendorfer Stausee lässt sich nachhaltig nur durch eine Senkung des Nährstoffeintrags bekämpfen. Dazu laufen in Bodenwöhr und für den Stausee auf Kreisebene nun umfangreiche formale Vorbereitungen an. Zugleich trat mit Dipl.-Ing. Hartmut Wassmann aus Hohen Neuendorf ein Gewässersanierer auf den Plan, der den akuten Befall der Gewässer reduzieren möchte – mit Hilfe von Ultraschallwellen.

Der Bodenwöhrer Bürgermeister Richard Stabl sammelt seit sieben Jahren Lösungsmöglichkeiten für die Verringerung der verschiedenen Nährstoffeinträge in den Weiherverbund mit dem Namen Hammersee. Eine wahrhaft Generationen übergreifende Aufgabe angesichts der 90 Quadrat-Kilometer Einzugsfläche rings herum und der verschiedenen Einzelinteressen, die sich darauf finden lassen – vom Landwirt bis zum Angler und Badegast. Im Oktober stellte die Gemeinde den Fachstellen ein im Gemeinderat beschlossenes  Maßnahmen-Paket vor, das verschiedene Priorisierungen, Zeit-Horizonte und Kostenschätzungen beinhaltet. Nun sei es an der Zeit, diese Maßnahmen bestimmten Örtlichkeiten zuzuordnen und ihren Umfang abzustimmen. Alles zusammen könnte in Zukunft für einen saubereren See sorgen – jedoch nicht kurzfristig.

Aufmerksam auf die Oberpfalz wurde er durch den Eixendorfer Stausee. Obwohl er sich seit über 30 Jahren mit der Bekämpfung der Blaualge beschäftigt, habe er noch nie einen See in einem derart verheerenden Zustand gesehen, so der studierte Landschaftsplaner (TU Berlin) mit Schwerpunkt Gewässersanierung. Sein eigenes Faible für den Kampf gegen die Alge stammt aus den ausgehenden 70er Jahren, als Westberlin große Anstrengungen unternahm, um die Trinkwasserspeicher mit Phosphorfällung sauber zu bekommen. Nun, knapp 40 Jahre später, hörte er am Stausee auch vom Bodenwöhrer Hammersee. In der Vergangenheit hatten die Behörden immer wieder Badeverbote erlassen müssen, wenn das Wasser wegen der Algenblüte zu toxisch war, um dort ohne schädliche Auswirkungen wie Juckreiz zu schwimmen.

Die Methode, die Wassmann von englischen Kollegen übernommen hat, wie er im OK-Gespräch erklärte, klingt simpel. Man nehme einen Schallkopf aus Stahl, verbinde ihn mit 24-Volt-Strom, hänge ihn ins Wasser und erzeuge so Ultraschallwellen. Was dann jedoch genau passiert, darüber gehen die Meinungen etwas auseinander, oder anders formuliert: Der Effekt ist nicht ausgeforscht. Wassmann kann nur auf Resultate verweisen. Am Hiltruper See in Münster sei er seit vier Jahren ein gern gesehener Gast, weil er es mit seiner Methode geschafft habe, die Blaualgen im See um 90 Prozent zu reduzieren.

Gleichzeitig hätten sich „gute Algen“ wie Kieselalgen entsprechend vermehrt. Die Gewässerqualität sei enorm gestiegen, Nebenwirkungen auf Fische oder andere komplexere Lebensformen hätten sich nicht feststellen lassen. Ähnliche Ergebnisse habe seine Methode in Xanten, Neuss oder in Wolfsburg bei einem riesigen See auf dem VW-Gelände gezeitigt. Auch in Kleingewässern wirke die Beschallung tödlich auf die Blaualge. Wie kommt´s? Wassmann vermutet, dass die Schallwellen die Zellen unter Stress setzen und ihren Gastaustausch behindern oder sogar blockieren. Unterm Mikoskop lassen sich an der Zellwand der Cyano-Bakterien unter Ultraschalleinfluss ungewöhnlich angelagerte Gasbläschen erkennen. Die Theorie, die Schallwellen könnten den Schwimmkörper der Algenzellen zum Platzen bringen, hält der Gewässersanierer für eher unwahrscheinlich.

Bürgermeister Richard Stabl ist jedenfalls von den Referenzen Wassmanns überzeugt. Zusammen mit dem Maßnahmenpaket für mittel- und langfristige Verringerung des Nährstoffeintrags sieht er hier eine Chance, auch kurzfristig die Gewässerqualität zu steigern – ein Must für den aufstrebenden Tourismusort. Landrat Thomas Ebeling zeigt sich auf OK-Nachfrage ebenfalls angetan. „Ich bin dieser Technik gegenüber aufgeschlossen“, bekennt er, sie habe eine „faire Chance“ verdient. „Bei der Bekämpfung der Blaualgen muss geprüft werden, welche Methode die geeignetste ist.“

Stabl hingegen glaubt nicht an DIE Methode, für ihn ist es die Bündelung von Maßnahmen, die am ehesten zum Erfolg führen dürfte. Lieber heute als morgen würde er darum die Ultrabeschallung ausprobieren. Auf Kurier-Nachfrage dämpfte das Umweltamt am Landratsamt die Euphorie aber ein wenig – nach Ansicht der Experten entspricht bereits das Einbringen der Schallköpfe der Ausbringung von Stoffen in Gewässer – dafür sei eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich.

An sich kein Problem, so Behörden-Sprecher Hans Prechtl. Die Schwandorfer würden bei so einem Antrag, so er aus Bodenwöhr komme, das Wasserwirtschaftsamt Weiden um Stellungnahme bitten. Dort wird das Thema wohl auch auf dem Schreibtisch von Gewässerbiologe Dr. Stephan Behl landen. Er hat sich aufgrund einer ähnlichen Algen-Problematik im Eixendorfer Stausee bereits etwas mit der Ultraschall-Thematik beschäftigt. „Das Problem ist: Es gibt bisher erst sehr wenige Daten zu Wirkungsweise und Nebenwirkungen“, sagt er auf OK-Nachfrage.

Er habe u.a. bei der BTU Cottbus angefragt, wo Prof. Brigitte Nixdorf die Technik wissenschaftlich untersuche.  Hartmut Wassmann bestätigte dem OK gegenüber die Interaktion mit der BTU, lässt aber durchaus anklingen, dass er sich mehr als Praktiker denn als Theoretiker sieht. Die Messungen, die er während und nach erfolgter Beschallung – und in Münster läuft die wie gesagt seit vier Jahren – vornahm, hätten keine Auswirkungen außer den beschriebenen Verschiebungen im Algen-Gefüge gezeigt.

Ein Argument, das auch Dr. Behl ernst nimmt. Wassmann verweist auf seine Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt und dem Ministerium in Niedersachsen: „Dort haben Sie riesige Flachseen und durch die Massentierhaltung eine ganz schwierige Situation beim Nährstoffeintrag“, sagt er. Was ihn besonders freut: Beim See in Münster erhole sich die Vegetation, die zuvor der Blaualge hatte weichen müssen.

Wann die Behörden untereinander einig sind, dass die Schallköpfe in den Hammersee eintauchen dürfen, steht noch nicht fest. Stabl informierte jüngst den Angelsportverein Bodenwöhr, der Pächter des Gewässers ist, über die geplante Maßnahme, Fachstellen und Öffentlichkeit sollen folgen. In Eixendorf dürfte es in jedem Fall länger dauern. Der Freistaat als Eigentümer hat über das Wasserwirtschaftsamt nun zunächst ein Gutachten beauftragt, wie der See zu sanieren sei.

Vielleicht kann der große Freistaat dann bereits mit Ergebnissen aus dem kleinen Bodenwöhr operieren. Stabl jedenfalls möchte vor allem eins: Die Algen reduzieren, bevor es wieder warm wird – damit sich im Sommer die vielen Touristen im Oberpfälzer Seenland rundum wohlfühlen können.

Maßnahmen für den Hammersee
Mit Landschaftsarchitekt Karl Spindler, Kastl, und Dr. Francis Foeckler vom Büro Oekon hat der Gemeinderat Bodenwöhr mittel- und langfristige Maßnahmen erarbeitet:

In geeigneten Teichen sollen die Zuflüsse gestaut und so gepuffert werden, damit sich die transportierten Feststoffe absetzen können. Die Teiche sollen in geeigneter Weise bewirtschaftet werden.
Überschwemmungsflächen sind anzulegen. Das nimmt     Starkregen u.ä. die Wucht.
Pufferzonen entlang aller Gewässer sichern (z.B. durch reinigendes Schilf)
Dünger-Ausfuhr verringen: Bei Wasserschutzgebieten wie dem Reichertweiher lasse sich genau ablesen, wie weniger Dünger zu besserem Wasser führt, so Bürgermeister Richard Stabl. Für die Landwirte könnte es unter Umständen Förderungen aus dem Kultur-und Landschaftsprogramm (KuLap) geben. „Diese Maßnahme wird auch die Qualität unseres Trinkwassers sichern“, betont Stabl.
Im See Schilfzonen uns Inseln schaffen
Renaturierung der Verläufe geeigneter Bäche und Gräben
Bereits seit 2009 läuft in Zusammenarbeit mit dem Angelsportverein eine gezielte Erhöhung der Raubfischbestände

Neben KuLap-Fördermitteln hofft Stabl auf weitere Landesgelder wie vom Amt für Ernährung oder über die IRE Schwarzach – Regen. Die Land-, Teich- und Forstwirte, die sich an den Maßnahmen beteiligen werden, könnten eine Koordinierung durch den Landschaftspflegeverband im Landkreis erhalten.

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