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Nahversorgung, Gewerbe, Wohnen: Gemeinderat opfert sechs Hektar Wald

Nahversorgung, Gewerbe, Wohnen: Gemeinderat opfert sechs Hektar Wald

6 Minuten Lesezeit (1242 Worte)

Symbolbild: Thomas Max Müller, pixelio.de / Bodenwöhr. „Es ist unglaublich, mit welcher Leichtigkeit dieser Gemeinderat sechs Hektar Wald abholzt“, sagte Bürgerlisten-Sprecher Alois Feldmeier am Mittwoch im Gemeinderat. Aus den ursprünglich zwei Hektar, die Investor Michael Kraus in der Verlängerung der Weihersiedlung für ein Sondergebiet Nahversorgung und für ein kleinteiliges Gewerbegebiet vom Gremium aus dem Landschaftsschutzgebiet hatte nehmen lassen, kommen nun vier weitere dazu.

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Dafür gab es eine breite Mehrheit von CSU, SPD und Freien Wählern, von denen nur Christian Lutter ausscherte, der mit den drei Räten der Bürgerliste stimmte. Christian Riedl (BLB) fehlte.

Feldmeier (BLB) hatte zu Beginn die Absetzung der entsprechenden Flächennutzungsplan-Änderungen sowie des Bebauungsplans für die besagten zwei Hektar beantragt. Nach wenigen Minuten entzog ihm Sitzungsleiter zweiter Bürgermeister Albert Krieger (FW) das Wort.

Feldmeier hatte da schon ausgeführt, dass die Gemeinderäte für die neuen vier Hektar – hier sollte es um die Flächennutzungsplanänderung für Wohnbebauung gehen, die die Fachstellen verlangen, um Kraus´ neue Gewerbeflächen an die bestehenden Häuser anzubinden – im Vorfeld von der Verwaltung  keinen Lageplan erhalten hatte. Die Räte hätten sich auf 3 bis 4 Tage 200 Seiten herunterladen sollen und die durcharbeiten sollen.

Dass er bei der Regierung die Auskunft erhalten habe, einen Supermarkt dort an der Staatsstraße gegenüber dem Hammersee könne man sich dort nicht vorstellen, eine von Kraus angedachte Tankstelle am Rande des Wasserschutzgebietes schon zwei Mal nicht – das konnte Feldmeier nur noch schriftlich der Presse überreichen. Krieger ließ über die Absetzung der Punkte abstimmen, auch über den Abriss des Gasthofs Schiessl, doch die BLB-Stimmen, unterstützt ab und an von einem weiteren Rat aus SPD oder FW, reichten bei weitem nicht.

So kam auch niemand der Räte oder der zahlreichen Zuhörer mehr in die Verlegenheit zu hören, dass Feldmeier noch gern ausgeführt hätte, dass besagter Michael Kraus für den Ortskern – an Stelle des Gasthauses Schiessl – in losen Vorplanungen mit seinem dort kooperierenden Kompagnon Michael Erhardt ebenfalls vom Bau eines Supermarktes gesprochen hatte. Oder dass Kraus für keinen dieser Märkte bisher einen Betreiber präsentiert habe.

Es folgten die mehr als drei Stunden des Diplom-Ingenieurs Klaus-Peter Fels von einem Wackersdorfer Planungsbüro. „Wohnen am Hammerholz“ soll das neue Baugebiet heißen. Fels trug die Einwendungen und Anregungen vor, die sich bei der öffentlichen Auslegung der Flächennutzungsplanänderung angesammelt hatten. 25 Meter Sicherheitsstreifen zum nächsten Baum fordert das Forstamt. 3,9 Hektar Ausgleichsfläche sollen entstehen, ein neuer Wald müsse anstelle einer unrentablen landwirtschaftlichen Fläche angepflanzt werden. Die Frage von Randolf Alesch, ob dies ortsnah geschehen müsse, beantwortete der Ingenieur ausweichend.

Aufgrund der Erfahrungen mit dem Bauegbiet Klause - Ludwigsheide, das derselbe Investor erschlossen hatte, war des Lutter wichtig, immer wieder in den Stellungnahmen der Fachbehörden zu integrieren, dass sowohl beim Wohngebiet als auch bei Gewerbe und Nahversorgung ein teures Trennsystem für Abwasser verankert wird statt des billigeren in Klause – Ludwigsheide realisierte Mischwassersystems.

Fels beschied ihm, dass das Flächennutzungsplanverfahren dafür der falsche Platz sei, Lutter blieb aber standhaft und Feldmeier konkretisierte bildhaft, warum: „Wir haben einen Kanal, der teils direkt im See verläuft. Bei Starkregen haben wir die Scheiße im Weiher, wenn es den Kanaldeckel neben dem Badeplatz hebt.“ Fels musste sich fügen, die Räte waren nicht dagegen. Gleichwohl stimmten gegen die Annahme der meisten Einwendungen immer geschlossen die drei BLBler sowie Lutter – ein nicht unübliches Verfahren, wenn man generell gegen das Vorhaben ist. Georg Hoffmann (CSU) verkniff es sich dennoch nicht, Lutter zu belehren, dass er doch bitte der Aufnahme der Einwendung zustimmen solle, wenn seine Änderung schon aufgenommen werde. Stefan Haberl (BLB) konterte: „Mir wissen schon, wie wir abstimmen müssen, tu dich nicht owi“.

Leider war die Dokumentenlage für die Presse bei weitem nicht so umfangreich wie für die Räte. Es scheint in dem betroffenen Waldstück – das Herr Rembold, Landschaftsarchitekt und ein Kollege von Fels, eher als „minder wertvoll“ betrachtet – eine bemerkenswerte Fledermaus-Population zu geben. Um den Schaden abzumildern, den die Zerstörung des Waldes in dieser Population anrichtet, fordert die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt wohl, ebenso wie bei Kraus´ Gewerbe- und Nahversorgungsflächen, dass im Zuge der Ausgleichsmaßnahmen in der Umgebung Nistkästen aufgehängt werden müssen. Die Aufforstung andernorts solle in der Pflanzperiode nach der Fällung beginnen.

Fels versuchte die Räte ob der ganzen Baugebiete, die sich in der Pipeline befinden (Ludwigsheide, projektiert von der Raiffeisenbank Bruck, Wirtskellerweg, und das noch gemeindeeigene Areal „Birkerl“ ebenfalls an der Ludwigsheide) zu beruhigen. Der künftige Wohnraumbedarf, den der Landesentwicklungsplan für Bodenwöhr vorsehe, läge „locker im zweistelligen Hektarbereich“. Auch wenn das Hammerholz bebaut würde, gäbe es dann noch Chancen für weitere Gebiete. Warum einen Wald platt machen? „Wenn Sie in Bodenwöhr etwas entwickeln wollen, müssen Sie zwangsläufig immer landwirtschaftliche oder forstwirtschaftliche Fläche opfern“, meinte Rembold lapidar.

Der Markt Bruck hatte den großen Eingriff in die Natur moniert. Der Gemeinderat nahm´s mehrheitlich zur Kenntnis. Gegen die Stimmen der Bürgerliste erfolgte der Billigungs- und Auslegungsbeschluss.

Bei der Flächennutzungsplanänderung für „Nahversorgung“ und „Gewerbe“ hatte der Abwasser-Zweckverband Sulzbachtal darauf hingewiesen, dass ein Mischwasser-Anschluss nicht möglich sei. Mehrere Bürger aus Blechhammer hatten wohl umfangreiche Bedenken gegen das Vorhaben an die Gemeinde herangetragen. Welche genau, darüber gab es für die Öffentlichkeit keine Informationen. Fels redete von befürchteter höherer Lärmbelastung durch Verkehr, fehlende regionalplanerische Ziele in Bezug auf großflächigen Einzelhandel und einiges mehr.

Eine Formulierung über 1200 qm für Bäcker, Metzger, Lebensmittel sowie 800 qm für Getränkemarkt sei wohl missverstanden worden. Im Vorlagen-Text der Verwaltung ist von „Ladengebiet für Einzelhandelsbetriebe (SB-Markt, Getränkemarkt), Handwerk/Gewerbe (Bäcker, Metzger), Geschäfts- und Bürogebäude (z.B. Steuerberatung etc), einer Tankstelle, sowie Restaurant, Cafés und Imbiss in Verbindung mit v.g. Betrieben“ die Rede.

Dann wurde es etwas abenteuerlich. Fels stellte als Fakt in den Raum, dass der Bodenwöhrer Edeka-Markt nahe der B 85 die Nahversorgung der Gemeinde nicht abdecken könne, stattdessen müssten in Bruck die Norma, der Netto und der Markgrafen Getränkemarkt einspringen. Warum das angeblich so sei, erfuhr der Zuhörer leider nicht. Es fragte auch keiner der Räte nach. Daher, zog Fels als Umkehrschluss, gefährde ein weiterer SB-Markt nahe Blechhammer den Edeka in Bodenwöhr nicht. Der Neue würde bloß den Kaufkraftabfluss nach Bruck aufhalten.

Der Getränkemarkt jedoch stelle eine Gefahr für den bestehenden Markt Bollinger in der Ortsmitte dar. Das sah Fels in der Vorlage, die er an die Wand projizierte, ebenfalls nicht problematisch – sei der Bollinger gefährdet, könne immer noch der Neue die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Auch zu dieser steilen These blieben Nachfragen aus.

Weiter argumentierte der Ingenieur, dass durch die Ansiedlungspläne der Müllkraftwerk-Zweckverbands-Tochter OVEG im bestehenden Industriegebiet Blechhammer dort der Gemeinde keine Flächen mehr zum Verkauf zur Verfügung stünden. Nach Informationen des Ostbayern-Kuriers trifft dies jedoch nicht zu. Die OVEG würde im Falle einer gewünschten Firmenansiedlung gewisse Flächen zurückgeben, wie es aus gut informierten ZMS-Kreisen heißt. Nachfragen unterblieben aber auch hier.

Rembold informierte, dass der Investor plane, die Ausgleichsflächen im Bereich Windmais auf Grünflächen, die nah am Wald liegen, zu realisieren. Im Bebauungsplanverfahren, das parallel zur Flächennutzungsplanänderung läuft, hatten die Blechhammerer Bürger dieselben Bedenken vorgebracht. Wie zuvor führten sie lediglich zu einigen kosmetischen Änderungen im Rechtstext, wie zuvor sahen alle Räte bis auf die der Bürgerliste und Christian Lutter (FW) das Thema damit als erledigt an. Die Regierung der Oberpfalz fand mehrheitlich damit Gehör, dass in der Satzung formuliert werden solle, dass aus dem Gewerbeanteil des Kraus-Projektes nicht schleichend zusätzliche Nahversorgung werden dürfe.

Auf Initiative von Georg Hoffmann (CSU) nahm Fels den Passus auf, dass der Gemeinderat in dem Gebiet keine „Fremdwerbung“ wünsche. Der Bebauungsplan samt der aufgenommenen Änderungen wird nun noch einmal 14 Tage lang ausgelegt. Der Billigungs- und Auslegungsbeschluss erfolgte gegen die Stimmen BLB und Lutter.

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