Neujahr anböllern

Rieden. (sön) Neujahrstag, 10.35 Uhr: Gewaltige Donnerschläge hallten durch das Vilstal, die Böllerschützen des Riedener Heimatvereins schossen von der Schlossbergkapelle aus das neue Jahr an. Mit langsamen Reihenfeuer, Dubletten und Salven, die sie vom Burgberg aus Richtung Friedhof wiederholten, trieben sie die Letzten nach durchfeierter Silvesternacht aus den Federn.So „böllerte“ die 2010 gegründete Gruppe des Riedener Heimatvereins heuer zum siebten Mal das neue Jahr an. Die derzeit insgesamt elf Böllerschützinnen und -schützen schießen aber auch bei anderen Gelegenheiten – bei angenehmeren Temperaturen in Dirndl und Tracht – etwa den Vilstalfesteinzug und den Marktsonntag an, nehmen auch an Böllerschützentreffen teil. können auch zu bestimmten Festen, Feiern und Jubiläen gebucht werden. 

Hintergrund:Das Böllerschießen hat in Rieden ein lange Tradition, wie sich aus Quellen wie Unterlagen im Pfarrarchiv – wo berichtet wird, dass beim Böllern bei einer Hochzeit der Bräutigam schwer verletzt wurde –, der Haberland- und der Schiekofer-Chronik nachzuweisen ist. So kann man in der Haberland-Chronik lesen „1824 den 16. Febr. Wurde in unserem Markte das 15jährige Jubiläum unseres allergnädigsten Königs Maximilian Joseph mit größtem Pomp gefeiert. Vor Tagesanbruch machte das Landwehrbataillon Musik den Tagrebell, während dem auf dem Schlossberg die Pöller gelöst wurden.“

Einige Seiten weiter heißt es dann zur Einführung des Pfarrer Colestin Reutter in Rieden mit feierlichem Festzug von Vilswörth herauf „Als sich der schöne Wagen unseren Marktgrenzen näherte, so wurde mit dem auf dem Schlossberg ausgerichteten Böllern das Signal gegeben, worauf sich eine Menge Volk auf dem Platze versammelte.“ In einem weiteten Abschnitt der Haberland-Chronik ist zu lesen „Am 25. August wurden das Geburts- und Stammesfest sowie das 700jährige Jubiläum der Wittelsbacher Regenten begangen. Am Vorabend (24.) Böllerschießen, Zapfenstreich. Am 25. Früh Böllerschießen …“.