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Schwarzer Tee – viel besser als sein früherer Ruf

Schwarzer Tee – viel besser als sein früherer Ruf

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Symbolbild: (c) by by_Verena Münch_pixelio.de

Die Deutschen trinken gern Tee. Nach Auskunft des Deutschen Teeverbands gehören Tees zu den beliebtesten Getränken hierzulande: Im vergangenen Jahr lag der Pro-Kopf-Konsum der Bundesbürger an Grün- und Schwarztee, an Kräuter- und Früchtetee bei 28 Litern pro Jahr. Das waren drei Liter mehr als zehn Jahre zuvor. Im Vergleich Grüntee zu Schwarztee konnte Letzterer 2016 wieder aufholen, nachdem zuvor die Nachfrage nach grünem Tee immer mehr zugenommen hatte. Aktuell soll das Verhältnis von Schwarz- und Grüntee bei 72 zu 28 Prozent liegen.

Dabei gibt es eine klare Nord-Süd-Verteilung, wie der Teeverband ausweist: Während im Norden vermehrt Schwarztee getrunken wird, ziehen die Süddeutschen Kräutertees vor. Diese Vorlieben haben sich demnach historisch entwickelt: Bereits im Mittelalter wurden Kräutertees bevorzugt im Süden Deutschlands getrunken. Dies lag zum einen an den günstigen klimatischen Bedingungen dort, zum anderen an den zahlreichen Klöstern, die zumeist einen Kräutergarten besaßen. Im hohen Norden hingegen fand der Schwarztee erst über Holland, dann später über die deutschen Einfuhrhäfen vor rund 400 Jahren seinen Weg in die Tassen der Teegenießer.

Auch weltweit, wo Tee übrigens nach Wasser heute das beliebteste Getränk ist, noch weit vor Kaffee, kam der schwarze Tee erst relativ spät auf: Grüner Tee ist dagegen bereits seit knapp 5000 Jahren bekannt, die Chinesen sollen schon mehr als 2500 Jahre vor Christus damit begonnen haben, durch das Aufgießen von heißem Wasser auf Teeblätter ein aromatisches Getränk zu brauen. Bei der Entdeckung der Teezubereitung wird dem Zufall eine wichtige Rolle zugeschrieben: Der Legende nach war es der „chinesische Urkaiser“ Shennong, damals als Sohn des Himmels verehrt, der eines Tages entdeckte, dass Blätter von einem Strauch des Palastgartens in das kaiserliche Trinkwasser gefallen waren, das zu jener Zeit üblicherweise abgekocht und mit pflanzlichen Zusätzen aromatisiert wurde. Der Kaiser probierte das so zufällig entstandene Getränk und fand es wohlschmeckend und wohltuend. Die Blätter von dem Gewächs aus des Kaisers Garten stammten von einem Teestrauch …

Zufall war wohl ebenfalls im Spiel, als die Geburtsstunde des schwarzen Tees schlug. Wann dies war, lässt sich bis heute nicht exakt rekonstruieren. Aus Aufzeichnungen chinesischer Kaiser wird einerseits darauf geschlossen, dass diese Teevariante dort bereits vor Christi Geburt bekannt war, jedoch hauptsächlich als Genussmittel für den Adel und das Kaiserhaus. Andere Vermutungen gehen davon aus, dass erst im 16. Jahrhundert eine Partie Grüntee bei der Produktion ungewollt durchfermentierte.

Nach Europa brachten den Tee jedoch nicht die Engländer, wie vielfach angenommen, sondern die Niederländer: 1610 transportierten Seefahrer der Niederländischen Ostindien-Kompanie die erste Partie japanischer und chinesischer Tees, die man auf Java von portugiesischen Händlern gekauft hatte, nach Amsterdam. Erst 1699 ging das Monopol des Teehandels über das Meer auf die Britische Ostindien-Kompanie über, die dieses für gut 100 Jahre behalten sollte. In England wurde der Tee dann schnell in allen Bevölkerungsschichten populär und schon 1706 eröffnete in London das erste öffentliche Teehaus Europas. In Deutschland fand der schwarze Tee erst im 19. Jahrhundert größere Verbreitung. Inzwischen gelten hierzulande insbesondere die Ostfriesen als ausgewiesene Fans des aromatischen Heißgetränks.

In gesundheitlicher Hinsicht stand Schwarztee bis vor einiger Zeit noch im Schatten des Grüntees. Während Letztgenannter wegen seiner speziellen Inhaltsstoffe als die gesündere Variante gelobt wurde, hielt man dem schwarzen Tee vor, durch das Fermentieren ebendiese wertvollen Substanzen weitgehend einzubüßen. Tatsächlich unterscheiden sich beide Arten, die von derselben Pflanze stammen, nur dadurch, dass der schwarze Tee fermentiert wurde: Das bedeutet, dass man nach dem Welken der gepflückten Blätter deren besonderes Aroma durch Dämpfen zur Geltung bringt. Dabei sollen allerdings auch vorhandene Tee-Enzyme inaktiviert werden, vor allem aber die Pflanzenwirkstoffe aus der Gruppe der Flavonoide, von denen Grüntee einen besonders hohen Gehalt aufweist, sowie wichtige Vitamine und andere Nährstoffe. Es galt daher die Meinung, Schwarztee verliere durch die Fermentation an Wirksamkeit für das Wohlbefinden.

Neuere wissenschaftliche Studien weisen allerdings inzwischen darauf hin, dass die Ansicht, grüner Tee sei gesünder als schwarzer, nicht mehr haltbar ist. Gleiches gilt demnach für das immer noch verbreitete Vorurteil, schwarzer Tee entziehe dem Körper Wasser und schade Herz und Kreislauf. Stattdessen stellten Bremer Forscher fest, dass schwarzer Tee ausgesprochen gesund ist und demnach sogar die Lebenserwartung erhöhen kann. Britische Wissenschaftler wiederum belegten in einer Forschungsarbeit, die auch Ergebnisse anderer Studien miteinbezieht, dass einige Tassen Tee pro Tag das Herzinfarktrisiko nachhaltig senken und vermutlich sogar vor Krebserkrankungen schützen können. Für letztgenannte Aussage fehlt jedoch noch der letztgültige Beleg. Als nachgewiesen gilt dagegen unterdessen, dass regelmäßige Schwarzteetrinker seltener an Osteoporose erkranken und der Tee zur Stärkung der Knochen beiträgt. Bekannt ist zudem die beruhigende Wirkung der Gerbstoffe des Schwarztees auf Magen und Darm. Und als ebenso wohltuend lässt sich festhalten, dass der reine Tee keine Kalorien enthält. Wer also etwas für sein Wohlbefinden tun will, kann dazu unbesorgt mehrere Tassen schwarzen Tees am Tag zu sich nehmen.

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