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Schwermetall im schwarzen Wasser: Gutachter sagt dennoch "unbedenklich"

Schwermetall im schwarzen Wasser: Gutachter sagt dennoch "unbedenklich"

3 Minuten Lesezeit (685 Worte)

Schwarze Wasseraustritte am Steinberger See: Pressesprecher Hans Prechtl, der den Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling vertrat, hat gemeinsam mit der Leiterin der Umweltabteilung des Landratsamtes, Kathrin Haas, dem Gutachter Dipl.-Geologe Peter Krach von BASE Technologies und dem bei der Regierung der Oberpfalz tätigen Projektmanager des Projekts „Oberpfälzer Seenland“, Dr. Rudolf Gerber, eine Pressekonferenz gegeben. Mit dabei der Bürgermeister der Gemeinde Steinberg am See, Harald Bemmerl. Der Termin fand rechtzeitig zu Beginn der Badesaison statt.

Das wichtigste Signal der Verantwortlichen zuerst: Entwarnung! Es besteht keine Gefahr. Gutachter Peter Krach vom Büro BASE schloss bei einem Pressegespräch am Freitag im Landratsamt dauerhaft Schäden und Gefährdung durch kontaminiertes Wasser im Bereich der Loiblweiher-Wiese und am Ufer des Steinberger Sees aus. Auch für den Freizeitpark „MovinG‘round“, dem beliebten „Ockerstrand“ und das geplante Neubaugebiet „Retzerschübl“ bestehe keine denkbare Gefährdung.

Warum das so sei, veranschaulichte der Gutachter in einer umfangreichen Präsentation. Kurz gesagt: Es wurden in den 60er Jahren in einem Teilbereich des  Loiblweiher-Geländes Millionen Tonnen von sogenannten Rotschlamm (ein hochbasisches und mit Schwermetallen belastetes Abfallprodukt aus der Aluminiumproduktion der benachbarten Vereinigten Aluminiumwerken VAW) eingebracht. Aber die Geologie des Deponiebereiches schließe einen Austritt aus. Er liege nämlich in einem sogenannten Abbaufinger, in einer Senke im umgebenden Sandstein, in der sich vor Jahrmillionen Braunkohle und Ton bildeten.

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Beim Abbau hat man am Ende des Fingers, das heute die Uferlinie zum Steinberger See bildet, einen massiven Steg stehenlassen, um das Gebiet vom restlichen Tagebau abzutrennen. Nach Verfüllung und Auffüllung liegt der Rotschlamm wie in einer Tasche bis zu 48 m unter der Grasnarbe. Er ist auch immer noch zähflüssig, was dafür sorgt, dass er in einer leichten Schräge in die entgegengesetzte Richtung drückt. Das geplante Neubaugebiet sowie die bestehende Bebauung lägen aber rund 20 Meter höher auf dem Randkamm der Tasche, sozusagen auf einer Sandsteinklippe, so dass es ausgeschossen sei, dass diese Gebiete irgentwann mit Rotschlamm oder kontaminiertem Wasser in Berührung kommen können.

Woher kommen aber nun die ominösen Pfützen und was ist genau ihr Inhalt? Der Grundwasserspiegel nach Renaturierung des Geländes liegt nur rund 30 cm unter der Oberfläche. Im Normalfall werde diese Distanz nicht überwunden, da das Grundwasser, so wie vorgesehen, in den See abläuft. Im Sommer 2013 jedoch gab es jenen langanhaltenden Dauerregen, der zur Flut führte, wie uns allen noch in Erinnerung sein dürfte. Auch der Pegel des Steinberger Sees stieg infolgedessen um rund 1 m, und das für an die 6 Monate. Irgendwohin musste das Wasser ausweichen und es trat so an einigen Schwachstellen seine Reise durch die Schichten an. So entstanden die Pfützen, die in der Wiese zu sehen sind.

Einige davon, nicht alle, sind schwarzgefärbt und übelriechend, und belastet mit Arsen und anderen Schwermetallen. Hier handle es sich aber nicht um Rotschlamm, sondern um vom Rotschlamm gelöste Reste (er ist ja hoch basisch) der Braunkohle und des Bergbauabraums. Da Wasser ein Ampholyth ist, wird es auf dieser Reise ebenfalls basisch, und neutralisiere sich dadurch, dass die gelösten sauren Partikel aufgenommen werden. Also vereinfacht handelt es sich um schwermetallhaltiges „Seifenwasser“, das den Untergrund geputzt hat. In dieser extremen Wassersituation kam es auch vor, dass geringe Mengen dieses Wassers über den Stein des stehengelassenen Steges “schwapppten“ und so bei Windstille im Uferbereich eine leichte Verfärbung am Grund des Sees zu sehen war.

Deswegen bleiben zwei kleinere Areale in der Wiese und ein Uferstreifen vorsorglich gesperrt. Der Gutachter legt jedoch für das Seewasser seine Hand ins Feuer: „Das können sie sogar trinken, wenn sie wollen“. Eine Veränderung im Uferbereich trete wie erwähnt nur nach tagelangem Dauerregen auf.


Eine dauerhafte Lösung des Phänomens sei in Planung, ob und wie die sich aber umsetzten lässt, müsse derzeit noch geprüft werden. Apropos prüfen: Das See- und das Grundwasser werden derzeit wöchentlich geprüft. Über 70 Probebohrungen hat man bei der Untersuchung gemacht, und an 14 Messstellen wird alle 14 Tage Wasser zur Analyse abgepumpt.

Bürgermeister Harald Bemmerl zeigte sich sichtlich erleichtert: „Jetzt können wir weiter planen, den geplanten Campingplatz forcieren und das Baugebiet Retzerschübl vorantreiben“. Auch Pressesprecher Hans Prechtl war erfreut darüber, dass kurz vor dem Beginn der Badesaison gesichert sei, "dass von dem hydrologischen Phänomen keine Gefahr ausgeht".

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