Traum-Dirndl selbstgemacht

Traum-Dirndl selbstgemacht

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Holzheim. Ein eigenes Dirndl? Welche Frau hätte das nicht gerne? Aber bitte keines von der Stange! Außergewöhnlich, einzigartig, farbenfroh sollte es sein und passen muss es wie angegossen. Diese Kriterien sollte das Traumdirndl schon erfüllen.

 

Schließlich gibt es ja nichts Schlimmeres für eine Frau, als eine andere Dame zu treffen, die genau das gleiche Kleidungsstück trägt. Also bleibt nur noch eines übrig – man macht sich selbst an die Arbeit und schneidert sich ein solches Prachtstück. Selbiges taten auch einige Damen aus Holzheim, die den Mut hatten und sich der Aufgabe stellten. Denn leicht war es sicher nicht.

Die Dirndlbluse von Resi Beer wird von Birgit Ettl abgesteckt.

Bevor es mit dem Nähen losging, fuhren die Kursteilnehmerinnen zu Birgit Ettl ins Trachtenstoffgeschäft. Da hatte man schon die Qual der Wahl angesichts der riesengroßen Auswahl an unterschiedlichen und hochwertigen Trachtenstoffen, teilweise mit Einwebungen und historischen Vorlagen. Es war nicht leicht, den für sich passenden Stoff zu finden.

Alsdann wurden die Teilnehmerinnen von der Spezialistin „vermessen“ und fürs Erste entlassen. Birgit Ettl ist gelernte Trachtenschneiderin und hält im Jahr rund zehn Kurse, in denen sie handarbeitsbegeisterten Damen das Dirndlnähen näherbringt. In den Kursen werden Dirndl nach traditionellen Vorlagen geschneidert, jedoch für die heutige Zeit tragbar. Die Dirndlnähkurse werden auch vom Bezirk Oberpfalz bezuschusst, da die Dirndl nach altem überlieferten Handwerk gearbeitet werden. So werden beispielsweise alte Nähtechniken aufgegriffen und weitergegeben.

„Unsere Modelle sind keine Museumsstücke und sollen nicht im Schrank verstauben, sondern beim Tragen Freude bereiten“, betont die Trachtenschneiderin lachend.

Es schaut zwar alles so leicht aus, aber selbst der Saumstich, der Birgit Ettl mühelos von der Hand geht, bringt die eine oder andere Dirndlnäherin schier zum Verzweifeln. Und Ettl ist da ganz hart - wenn sich der Stoff zieht, heißt es „auftrennen“. Und das Auftrennen gehört bei den handgearbeiteten Stücken genauso dazu wie das Nähen mit der Nähmaschine. Denn ohne diese braucht man sich gar nicht an die Arbeit machen.

Die Hobbyschneiderinnen müssen auf jeden Fall erweiterte Grundkenntnisse im Nähen haben und vor allen Dingen braucht man das Gefühl für das Material. Am ersten Dirndl-Näh-Abend brachte Birgit Ettl die fertig zugeschnittenen Stücke mit und es ging ans Eingemachte. Auf die Frage, womit man beim Dirndlnähen eigentlich beginne, meinte Luitgard Gassner: „Man fängt mit dem Oberteil an, aber im Endeffekt wird an allen Teilen gleichzeitig gearbeitet. Wir haben auch immer Näh-Hausaufgaben, die bis zum nächsten Treffen erledigt sein sollen. In solch einem edlen Teil steckt schon sehr viel Handarbeit. Beispielsweise beim Stifteln des Rockes - da bekommt man zwar einen ‚Reih-Hansl’ oder man arbeitet nach Punkten oder Karo.“

Der Saumstich, ein Fall für sich. 

Für Nicht-Dirndlnäher sind das böhmische Dörfer, aber die Teilnehmerinnen nicken zustimmend, als Luitgard Gassner Rede und Antwort steht. Sie zählt beim Kurs schon fast als Profi, mittlerweile entsteht bereits das vierte edle Stück unter ihrer Nadel.

Es werden aber nicht nur Dirndl genäht. Margit Dankerl aus Wildenberg näht eine Trachtenherrenweste für ihren Liebsten. Ob sie noch einmal einen Dirndlkurs machen würde, wurde Dora Schneider vom Ostbayern Kurier gefragt. „Heuer auf gar keinen Fall mehr, denn es steckt schon eine Menge Arbeit dahinter. Wenn Du zu Hause alleine an deiner Nähmaschine sitzt es vielleicht nicht klappt, dann ist glaube ich jede schon einmal soweit gewesen und hätte das gute Stück am liebsten in die Ecke gepfeffert. Aber dann beim nächsten Treffen ist das schon wieder vergessen und es wird über diese Kleinigkeiten gelacht.“

Judith Bäuml, die jüngste Teilnehmerin beim Dirndlnähkurs, wollte schon lange ein außergewöhnliches Dirndl mit einer ganz bestimmten Form, die sie nirgends fand. Außerdem handarbeitet sie gerne. „Heute hat man auch den Bezug zum Herstellen der Kleidung völlig verloren und ich war einfach neugierig, wie es funktioniert“, erzählt das Näh-Küken. Nun geht es an den Endspurt, denn im September werden die fertigen Dirndl dann bei einem großen Fest der Öffentlichkeit präsentiert.


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