Trotz toller Resonanz: Hobbykünstlermarkt Lappersdorf vor dem Aus?

Große Bestürzung herrschte am Sonntag gleichermaßen bei Besuchern und Ausstellern beim 35. Hobbykünstlermarkt in Lappersdorf. Hintergrund ist, dass die Gemeindehalle  laut Marktratsbeschluss nicht mehr an die Hobbykünstler vermietet werden darf. Künftig sollen alle kulturellen Veranstaltungen im neu gebauten Aurelium stattfinden. Außerdem bekommt die Gemeindehalle einen neuen Fußboden, der nur noch für den Sportbetrieb verwendet werden darf. Die Hobbykünstler sollten künftig im neuen Kulturhaus „Aurelium“ ausstellen, war man sich im Marktrat in den beiden letzten Sitzungen einig. Für das Organisationsteam um Marianne Schindler sind die unterbreiteten Konditionen der Miete für das Aurelium so nicht umsetzbar.

Seit 1999 organisiert sie im Frühjahr und Herbst die Hobbykünstlermärkte mit großem Erfolg. Am Wochenende waren fast 100 Austeller und mehrere tausend Besucher in die Gemeindehalle gekommen. Der Markt hat die Kosten für das Aurelium ermittelt: Saal 1200 Euro mit Auf- und Abbau 600 Euro (halber Tag) Foyer 400 Euro mit Auf- und Abbau 200 Euro (halber Tag), wobei hier für die nächsten beiden Märkte 30 Prozent Rabatt eingeräumt wurden. Tische 1100 Euro, Haustechniker 45 Euro pro Stunde, Küche und Ausschank 200 Euro, bezahlbar jeweils plus Mehrwertsteuer. Ein weiteres Manko zur Preiserhöhung gegenüber der Gemeindehalle: es können mit 50 Ausstellern nur noch etwa die Hälfte der Aussteller teilnehmen, weil im großen Raum etwa 500 Quadratmeter und im Foyer 245 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen, was in etwa 50 Stände bedeuten würde. In der Gemeindehalle hatte man 1215 Quadratmeter zur Verfügung.

Bürgermeister Hauner: Hände gebunden

Bürgermeister Christian Hauner möchte die Veranstaltung gerne in Lappersdorf halten. Alternativen wie die kleineren TSV Halle oder Turnhalle in Hainsacker wären für ihn eine Alternative zum Aurelium. Bei der Nutzung der Gemeindehalle oder den Preisen fürs Aurelium seien ihm die Hände gebunden, sagt er mit Blick auf die Beschlüsse aus der Marktratssitzung. Eine erneute Thematisierung im Gremium werde da aller Voraussicht nach nichts bringen. Gibt es in nächster Zeit keine größenmäßige räumliche Alternative oder lenkt er Marktrat nicht noch ein, ist das für Marianne Schindler das definitive Aus des Hobbykünstlermarkts in Lappersdorf.

Es gebe kaum Parkplätze und die Zufahrt zum Haus ist äußerst eingeschränkt, so Marianne Schindler in ihrem offenen Brief an die Hobbykünstler. Bei den bisherigen Besucherzahlen würde der Ortskern von Lappersdorf lahm gelegt werden, befürchtet Schindler, was einen ganzen Tag einen Ordnerdienst zusätzlich erfordere, der weitere Unkosten mit sich bringen würde. Eine weitere Verschlechterung, die Tische sind nur 1,40 Meter mal 0,70 Meter groß. Die 65-jährige Marianne Schindler, die familiär aufgrund mehrerer Schicksalsschläge stark eingeschränkt ist, hat sich den Kopf zermartert, wie sie den Markt retten kann. Tagelang habe sie hin und her gerechnet, ein normaler Standplatz würde so ca. 80 Euro nur für die Räumlichkeiten kosten. Weitere Unkosten, wie mediale Werbung, Plakatierung, Versicherung, Ordnerdienst, Markttaggebühren, Bankgebühren, Homepage und Hilfskräfte schlagen mit ca. 40 Euro pro Austeller zu Buche. Somit würde ein Stand rund 120 Euro kosten.

Aktuell zahlen die Künstler zwischen 22 und 30 Euro je Standgröße. Für Schindler standen die letzten Jahre nicht der Kommerz, sondern die Philosophie des Miteinanders von Jung und Alt im Vordergrund. Marianne Schindler sagte am Sonntag den Künstlern, dass sie unter diesen Voraussetzungen keine Ausstellung mehr organisieren werde. Sie müsste der Hälfte der Aussteller absagen bzw. aussuchen wer letztendlich noch kommen darf, falls man sich solche Gebühren überhaupt leisten könne. Dabei kommen die vielen Leute doch wegen der Vielfallt nach Lappersdorf. Rosi Hönig, die seit über zehn Jahren mit ihren Dinkelkissen präsent ist, hat kein Verständnis für diese Vorgehensweise. Sie ist der Meinung, dass hier eine traditionelle Veranstaltung ohne Wenn und Aber kaputt gemacht werde.

 

Kosten umlegen? Schwierig

Noch trauriger sind Moni und Toni Lingauer, Aussteller der ersten Stunde, für die das Miteinander im Vordergrund steht. Mit ihren Floristiksachen wie den netten Palmkränzchen für 2,50 Euro pro Stück sind solche Standgebühren nicht darstellbar. Schließlich ist es ihr Hobby, an dem sich die Kunden mit erfreuen sollen. Schlägt man die Kosten auf die Produkte um, wäre man ja unverschämt, was die Lingauers mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können. So geht es vielen Austellern, die an diesem Wochenende zwar nicht viel Umsatz gemacht haben, aber trotzdem Freude an der hohen Resonanz der Besucher hatten. Aus den Besucherreihen kamen viele Anregungen für Veranstaltungsorte wie das benachbarte Gymnasium, wo Platz für die Künstler wäre. Hier fehlt jedoch die Genehmigung für eine Versammlungsstättenverordnung oder eine Gaststättenerlaubnis der Schule. Außerdem verfüge der Landkreis nicht über das Personal wie Hausmeister, um eine solche Veranstaltung zu schultern.

Nachgefragt beim Nachbarbürgermeister in Zeitlarn, ob die dortige Mehrzweckhalle für einen Hobbykünstlermarkt zur Verfügung stehen würde, sagte Franz Kröninger, er könnte sich ein Engagement vorstellen. Platzmäßig würde man die gleichen Aussteller wie in Lappersdorf unterbringen, Gebührenmäßig wäre es auch ähnlich Lappersdorf. Kröninger möchte der Nachbargemeinde nichts wegnehmen, sondern wenn es die Terminplanungen erlauben helfend zur Seite stehen. Voraussetzung sind jedoch Gespräche mit dem Veranstalter und der Nachbargemeinde.