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"Umsprengelung hat schon vor Jahren in den Köpfen begonnen"

"Umsprengelung hat schon vor Jahren in den Köpfen begonnen"

5 Minuten Lesezeit (1071 Worte)

Symbolbild: Michael Horn, pixelio.de

Der Gemeinderat Bodenwöhr hat in seiner Sitzung am Dienstag ein Schreiben an den Marktrat Bruck abgesetzt, in dem die Motive für die gewünschte Umsprengelung der Mittelschule aus dem Verband mit Bruck hin zum Neunburger Verband erläutert werden. Die Finanzen, über die zwischen beiden Verbandspartnern seit Jahren Dissens herrscht, spielen in dem dreiseitigen Brief keine Rolle. Stattdessen geht es um das Konzept und die Ausstattung der Neunburger Mittelschule sowie darum, dass die Bodenwöhrer Eltern ihre Kinder bereits ohnehin zu 40 Prozent (im aktuellen Jahrgang) nach Neunburg angemeldet haben.

 

Eine "Abstimmung mit den Füßen" sei das, schreiber der Gemeinderat. Der Hemmschuh dabei: Die Bodenwöhrer dürfen in Neunburg nur das Angebot der gebundenen Ganztagesschule nutzen. Wollen Sie dagegen in den M-Zug wechseln, müssen sie wegen des bestehenden Verbundes Nittenau - Bruck/Bodenwöhr dann in der Abschlussklasse sogar zurück wechseln. Eine Umsprengelung dagegen brächte den Bodenwöhrer Schülern Wahlfreiheit, ob sie den Nachmittag lieber zuhause verbringen wollen, den Genuss, von den Leitlinien und dem Equipment der Neunburger zu profitieren und würde einen Zwangswechsel beim M-Zug verhindern. Die Neunburger sind durchaus aufnahmewillig - eine bessere Auslastung würde die Pro-Kopf-Kosten in ihrem Verband senken.

Das Bodenwöhrer Schreiben, das offiziell als Reaktion auf einen Leserbrief der Brucker Grünen-Fraktion abgefasst ist, soll wohl die Umsprengelungs-Entscheidung der Regierung der Oberpfalz beeinflussen - nachdem darin detailliert die Neunburger Vorzüge aufgezeigt werden. Wie der OK berichtete, würde ein solcher Wechsel im Sprengel eventuell mehrere Probleme glätten, die auch andernorts die Schulverbände knirschen lassen, etwa in Wenzenbach (mit Bernhardswald).

Wir geben das Schreiben des Gemeinderats, das alle anwesenden Mandatsträger unterzeichnet haben, auszugsweise wieder:

"Bereits seit Gründung des Schulverbandes Bruck - Bodenwöhr beobachten und verfolgen wir aufmerksam die Entwicklungen am Schulstandort Bruck und im Schulverband Bruck - Bodenwöhr. Wiederholt haben sich die Mitglieder unseres Gremiums auch mit den Konzepten an anderen Schulstandorten beschäftigt und Vergleiche angestellt. Wir stießen dabei auf die Mittelschule Neunburg v. W., die uns in vielen Punkten überzeugt.
Kurz zusammengefasst bedeutet das:
Das durchdachte pädagogische Konzept der Mittelschule Neunburg v. W. basiert auf den vier Säulen „Stark im Wissen", Stark in der Person", Stark für den Beruf', ,,Stark mit Medien". Aufgrund seiner Stringenz und der Verzahnung der einzelnen Module im Gesamtkontext beweist es, dass das Leitmotto der Mittelschule Neunburg v. W. „Fit für die Zukunft" keine leere Floskel darstellt. Daneben zeichnet sich die Schule durch eine hervorragende Ausstattung mit moderner Bestuhlung, Laptop und Beamer in allen Klassen, mehreren Active Boards, Dokumentenkameras und zahlreichen PC-Räumen aus. Außerdem pflegt die Grundschule Bodenwöhr schon seit vielen Jahren einen guten Kontakt nach Neunburg v.W., indem die Schüler der 3. und 4. Klassen regelmäßig das Hallenbad für den Schwimmunterricht nutzen.

Der Schulverband Neunburg hat hier in den vergangenen Jahren großen Weitblick bewiesen und ständig investiert und modernisiert, um die Bildungseinrichtung auf dem aktuellen Stand der Zeit zu halten. Besondere Bedeutung hat für uns darüber hinaus die Tatsache, dass das gesamte mögliche Angebot einer Mittelschule an einem Standort verfügbar ist. Sowohl Regelklassen, M-Zug, Offener und Gebundener Ganztag und Übergangsklasse incl. einer modernen Mensa finden sich hier und sind ein Garant für kurze Wege. Nicht unerwähnt bleiben darf die un­mittelbare Nähe zum Hallenbad und zur Sporthalle. Aufgrund des Linienbusverkehrs, den übrigens auch die Realschüler nutzen, besteht eine gute verkehrstechnische Anbindung der Gemeinde Bodenwöhr an die Stadt Neunburg v. W.
Mit Einführung des Gebundenen Ganztags an der Mittelschule Neunburg v. W. im Jahr 2012 kommen die Bodenwöhrer Kinder nicht nur in den Genuss des Ganztagsangebots, sondern die Eltern können sich durch diese Einrichtung bewusst für diese moderne, innovative, zukunftsorientierte und konzeptionell hervorragend aufgestellte Schule und einem nachhaltig operierenden Schulverband entscheiden. Nachdem mit dem Start der Gebundenen Ganztagsklasse der erste Schüler aus Bodenwöhr an die Mittelschule Neunburg v. W. wechselte, sprach sich die Qualität dieser Bildungseinrichtung innerhalb der Elternschaft in Windeseile herum. Bis zum Ende des Schuljahres 2015/16 wandten sich schließlich insgesamt 29 Kinder aus der Gemeinde Bodenwöhr in Richtung Neunburg v. W. Von den Bodenwöhrer Grundschülern, die seit diesem Schuljahr 2016/17 die Mittelschule besuchen, hat sich der Großteil für die Mittelschule Neunburg v. W. entschieden. Somit besuchen aktuell knapp 40 % der Bodenwöhrer Mittelschüler die Mittelschule Neunburg v. W., Tendenz weiter steigend.
Uns plagen allerdings Hemmschuhe, die man mit einer Umsprengelung endlich aus dem Weg schaffen könnte.
Bisher ist es Bodenwöhrer Kindern nur möglich, die Mittelschule Neunburg v. W. zu besuchen, indem sie sich für das Angebot der Gebundenen Ganztagsklasse entscheiden. Es ist zwar ein hervorragendes Konzept, trotzdem gibt es aber Eltern, die ihre Kinder am Vormittag in die Obhut der Mittelschule Neunburg v. W. schicken wollen und sie am Nachmittag zuhause selbst betreuen können und wollen. Dies wurde in einem Gespräch mit Elternvertretern im August dieses Jahres deutlich. Ein Besuch der Regelklasse an der Mittelschule Neunburg v. W. ist aber aus Gründen des Schulgesetzes für einen Bodenwöhrer Schüler leider nicht möglich.
Ein weiteres Problem besteht darin, dass ein Übertritt aus der Ganztagsklasse in den
M-Zug für einen Bodenwöhrer Schüler bedeuten würde, in den Schulverbund Bruck - Nittenau wechseln zu müssen. Um dies aber zu verhindern, lehnen manche Eltern diesen Übertritt in den M-Zug trotz entsprechender Leistungen und Voraussetzungen ihrer Kinder ab, da dies bedeuten würde, den Schulstandort Neunburg v. W. verlassen zu müssen. Hier sehen wir sogar das Recht unserer Kinder auf Bildungsfreiheit eingeschränkt.
Die Mittelschule Neunburg v. W. ist dabei keinesfalls ein Luftschloss. Das beweist die Tatsache, dass in diesen vergangenen Jahren kein einziger Schüler der Mittelschule Neunburg v. W. den Rücken zugewandt hat und in den Schulsprengel Bruck - Nittenau zurückgekehrt ist.
Die Bodenwöhrer Eltern haben seit 2012 das Heft im Sinne ihrer Kinder in die Hand genommen und vollziehen, wie es 1. Bürgermeister Richard Stabl bereits wiederholt formuliert hat, im Stillen eine „Abstimmung mit Füßen". Diese Abwanderung haben unsere Schulverbandsräte auch wiederholt in den vergangenen Schulver­bandssitzungen unter dem Vorsitz des 1. Bürgermeisters Hans Frankl zur Sprache gebracht.
Der Gemeinderat von Bodenwöhr trägt nun mit der Entscheidung vom 27.09.2016 ,,Antrag auf Umsprengelung" (einstimmiges Votum) dieser Entwicklung Rechnung. Dies ist als logische Fortführung des Prozesses zu sehen, den die Eltern spätestens seit dem Jahr 2012 in Gang gesetzt haben.
Aus den genannten Gründen bitten wir Sie, die Entscheidungsträger des Marktes Bruck i. d. OPf., um Ihre Unterstützung.
Wir hoffen und bitten die Kolleginnen und Kollegen aus dem Marktrat in Bruck i. d. OPf., dass Sie nach Würdigung der dargestellten Argumente unsere Entscheidung verstehen und respektieren können. In unseren Köpfen hat diese Umsprengelung der Gemeinde Bodenwöhr zum Schulverband Neunburg v. W. bereits vor Jahren begonnen."

 

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