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Unbegleitete Jugendliche: Es fehlt an Personal und Plätzen

Unbegleitete Jugendliche: Es fehlt an Personal und Plätzen

3 Minuten Lesezeit (699 Worte)

In einer zusammen geschusterten Groß-Unterkunft sitzen 42 Burschen herum, die alle schon einiges gesehen haben in ihrem jungen Leben. Als sie nach mehrwöchiger Odysee endlich das Land erreicht hatten, das sie in ihren Nöten und Ängsten zum Utopia voller Jobs, Geld und unbegrenzter Möglichkeiten hochstilisiert hatten, da waren sie erst einmal stolz auf das, was sie durch das Durchhalten der Strapazen geschafft hatten. Dann begann Utopia zu bröckeln.

Durch die Schleier der kaum möglichen Verständigung - es gibt einfach so gut wie keine Dolmetscher - mussten die Jugendlichen lernen, dass die Möglichkeiten selbst hier durchaus begrenzt sind und dass weitere Anstrengungen notwendig sind, um an Jobs, Geld und persönlichen Wohlstand zu kommen. Dann wurde es draußen kühler. Das Gefühl der Enge nahm zu. In den Räumen, die sich Syrer und Afghanen teilen. In dem Maß, in dem die Illusionen schwinden, brechen die Traumata des langen Weges und der Zeit zuvor in Krieg und alltäglichem Terror wieder auf. Therapie? An so etwas denken dieser Tage nur Idealisten. Und auch bei denen es bleibt es bei den Gedanken.

Ein paar von den Altersgenossen, die vor wenigen Wochen in andere Einrichtungen verteilt worden sind, kommen zurück in auf Besuch in die Altmühlstraße - vielleicht, weil es ihnen in der Stadt besser gefällt als dort auf dem flachen Land, wo sie jetzt leben müssen; vielleicht, weil sie die Kumpels von vorher besuchen wollen. Eine Nichtigkeit schlägt einen Funken in die drückende Atmosphäre. Und schon wieder bricht Gewalt aus in der Notunterkunft für unbegleitete Jugendliche, die der Landkreis Regensburg  in seinem ehemaligen Dienstgebäude betreibt.

Karl Mooser leitet die Sozialabteilung des Landratsamtes und das Jugendamt. Er wollte eigentlich vermeiden, den Jugendlichen mit Wachdienst und ähnlichem auf die Pelle zu rücken. "Gespräche, Beziehungen aufbauen", das ist ihm lieber. Die Polizei hat aber langsam  genug von den wiederkehrenden Gewaltausbrüchen unter den Jugendlichen. Der Polizeibericht zur aktuellen Schlägerei lässt das im Tonfall deutlich erkennen. Und - es geht Mooser auch um den Schutz des (meist weiblichen) Personals, das erzieherisch in der Einrichtung tätig ist. Auch wenn die Frauen, wie Mooser betont, bisher nicht das Ziel von Aggression und Gewalt waren. Der Wachdienst wird daher ab sofort auch tagsüber Präsenz zeigen in der Einrichtung - eingreifen, bevor etwas passiert. Vor schädlichen äußeren Einflüssen schützen, im Inneren schlichten, so lautet der Auftrag.

Für das Personal des Trägers soll es ferner Schulungen geben, wie sie mit gefährlichen Situationen fertig werden können. "Wir betreiben die Einrichtung seit Juli, in den ersten drei Monaten war alles ruhig", erinnert sich der Jugendamtsleiter. Zunächst waren sogar 60 Burschen in der Altmühlstraße untergebracht. Inzwischen dämmert es den jungen Leuten, für die der Kreis noch keine regulären Plätze gefunden hat, dass der Weg zu Teilhabe und Wohlstand nur über Ausbildung führt. Ein steiniger Weg bei oft völlig fehlender Vorbildung, v.a., was Deutsch-Kenntnisse betrifft. Zwei Jahre Schule, bevor sie überhaupt eine Lehre anfangen können - für junge Leute aus ihrer Perspektive heraus wohl ein unendlich langer Zeitraum. "Wir beschulen die Jugendlichen selbst", sagt Mooser. Bei der VHS in Lappersdorf, Regensburg und Neutraubling sollen die insgesamt 150 unbegleiteten Teenager im Landkreis vor allem zunächst unsere Sprache lernen, dazu Grundzüge an Sozialem.

Dass die Zwangszuweisungen der Staatsregierung die ethnischen Zugehörigkeiten derer, die zusammen untergebracht werden sollen, nicht berücksichtigen, mindert das Konfliktpotential unter den jungen Männern nicht wirklich. Karl Mooser würde alle Jugendlichen gerne in regulären Jugendeinrichtungen und -gruppen unterbringen. Bisher konnten in Pielenhofen, Regendorf, Kneiting, Kallmünz, Hemau und Regenstauf entweder ganze Gruppen oder einzelne Plätze gewonnen werden. Allein, für alle - auch die, die da noch kommen werden - fehlt es am Personal. Fünf Jahre dauert die Ausbildung im Erzieher-Bereich. Die Bezahlung - auch bei den Sozialpädagogen - ist gemessen am Aufwand und persönlichen Einsatz fragwürdig gering für ein zivilisiertes Land wie unseres.

Bevor die Flüchtlingskrise ins Rollen kam, waren in Bayern 6000 Jugendliche zu betreuen. Die "Aufwertung der sozialen Berufe", die die Gewerkschaften heuer im Sinn hatten, bevor die Flüchtlingszahlen in die Höhe schnellten, konnten die (meist kommunalen) Arbeitgeber im Großen und Ganzen abwehren. Inzwischen sind 8000 (unbegleitete) Jugendliche dazu gekommen. "Wir finden das Personal nirgendwo", sagt Mooser. Er lässt keinen Zweifel daran, dass es aus seiner Sicht dringend geboten wäre, die erzieherischen Berufe attraktiver zu machen.

 

 

 

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