Matuschik Matthias Matuschik

Unterhaltsame Kritik im Live im Antik

3 Minuten Lesezeit (649 Worte)
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​ „Gerne wider", nein, was dem Leser wie ein Rechtschreibfehler spontan ins Auge springt, entpuppt sich als Name für ein Programm, Politik und Alltagssituationen, satirisch durchsetzt. Samstagabend im „Live im Antik", Matthias Matuschik, auch als Moderator „Matuschke" im Radio bestens bekannt, ist kein Unbekannter in Nittenau, bereits zum dritten Mal entert er hier die Bühne. Dementsprechend hoch ist die Erwartungshaltung im vollbesetzten Haus – und das Publikum sollte auch diesmal nicht enttäuscht werden.

Mit dem Solo-Künstler Matthias Matuschik kommt Bewegung auf die Bühne: Geradezu grotesk mutete die Swing-Musik an, begleitet vom Bekenntnis „Ein Neonazi will ich sein und ihr macht doch alle mit – Stimmung!" Es ist die Antwort von Matthias Matuschik auf das Ergebnis der jüngsten Landtagswahl. „Die Oberpfalz hat doch 18 % AfD gewählt?" Antwort aus dem Publikum: „24 %". 

Matuschik arbeitet mit Bildern, wirft das Kopfkino seiner Zuhörer an: Die Gesinnung der Rechten, AfD und deren Wähler, was nach unverhältnismäßig hoher Völlerei hinten rauskommt, das ekelhafteste Andenken daran, so etwas müssen diese Leute im Kopf haben, die AfD wählen. Er selber habe für die Partei mut kandidiert und habe sich damit gegen rechts und gegen die CSU gewandt. 

Matuschik erzählte von Wahlversammlungen, von Menschen, die hier aus den unterschiedlichsten Motivationen hier zusammenkommen. Bei seinen Parodien zieht er alle Register, mimisch, gestisch und nicht zuletzt durch den passenden sprachlichen Wechsel zwischen hochdeutsch, oberpfälzisch und sächsisch. Zwischenrufer, sogenannte „Hater" (Hasser), die ihren Hass offen zeigen, solche, die zufällig da seien, politische Gegner, Gaffer und Stalker, politisch Interessierte und Begeisterte. Und da gibt es noch die Freibiergesichter und die, die sich auf die Luftballons, Kugelschreiber und Aufkleber stürzen. Aussagen, wie „Flüchtlinge haben Kinder auf dem Nittenauer Marktplatz gefressen", „weil die nehmen uns die Arbeit weg", entlarven solche Menschen mit entsprechendem rechten Gedankengut. Doch prangert der Kabarettist auch die mangelnde Infrastruktur auf dem Land an, allen voran den schleppenden Internetausbau. 

Für die Bienen habe er auch unterschrieben, als er gehört habe, dass den Söder das stört. Wie man alle Wähler ansprechen könne? „Wenn ich Ministerpräsident werde, dann ist Kiffen erlaubt." Hat Matuschik vorher die Anwesenden danach gefragt, wen sie gewählt haben, wollte er diesmal wissen, wer schon gekifft habe. Erstaunlicherweise hatten sich zwei AfD-Wähler gemeldet und auch jemand, der bereits gekifft hat. Der Kabarettist wies auf die gesundheitlichen Aspekte hin bei bestimmten neurologischen Erkrankungen. „Habt ihr schon mal eine Schlägerei zwischen zwei Kiffenden erlebt? Die treffen sich nicht." Auf dem Oktoberfest: Alkohol erbrechen, alkoholisiert finden die schlimmsten Übergriffe auf Frauen statt. Ganz anders bei Bekifften, die tiefenentspannt seien. Spiele des FC Bayern werden in hundert Ländern übertragen, auch die Werbespots. Auch in allen Staaten Afrikas laufen diese Spots, dort gebe es besseres WLAN als in Bayern. In einem Land, wo Frauen mühsam Wasser herbeischleppen sieht der Afrikaner Anthony eine Bierwerbung und ruft: „Da will ich hin!" Und diesen Ruf hört man in ganz Afrika, so Matuschik. Tierliebe treibt seltsame Blüten: Insektenhotels, Mineralwasser für Katzen, Hundekotbeutel mit Monogramm, der Sprecher führte die Absurdität vor Augen. 

Gespannt folgten die Zuhörer den Erläuterungen zu Sozialismus und Kapitalismus. So sei es ein leichtes gewesen, im Westen eine Kommode zu kaufen. Im Osten dagegen wird im Möbelgeschäft mitgeteilt, wir haben keine Kommode, aber Buntstifte. Also werden die Buntstifte gekauft, eine Kommode auf ein Stück Papier gemalt und an die Wand angebracht. Kann nun im Westen der Erwerber die Kommode nicht bezahlen, kommt der Gerichtsvollzieher mit einem Aufkleber. Im Osten kommt auch der Gerichtsvollzieher, aber nicht mit einem Aufkleber, sondern mit dem Radiergummi.

Ganz zum Schluss wurde es noch einmal kräftig politisch: Matuschik erinnerte an den Skandal um das Ehepaar Haderthauer, das eine Firma ins Leben gerufen hatte, bei der ein psychisch Schwerkranker Modellautos anfertigte. Diese Oldtimer-Modelle wurden teuer verkauft, der Geschäftspartner mit ein paar Euro abgespeist. Dieser psychisch schwer gestörte Mensch, ein grausamer Mörder, erhielt Ausgang, ging mit den Haderthauers essen. „Und so etwas habt ihr gewählt", schlug Matuschik eine Brücke zur letzten Landtagswahl. ​


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