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Vor Ostern in den Tiroler Bergen

Vor Ostern in den Tiroler Bergen

3 Minuten Lesezeit (596 Worte)

Nach Ostern ist alles vorbei. Dann geht das Tourismusgebiet zwischen St. Johann und Kitzbühel in die Frühjahrsruhe, die bei einer von Ski-Vergnügen geprägten Region den Winterschlaf ersetzen muss. Ab Mitte Mai sind die meisten Gastronomien und Fremdenverkehrsattraktionen aber auch schon wieder geöffnet, ebenso wie viele der Almen, die Wanderer und Naturliebhaber magisch anziehen. Wer die wohl bekannteste Ecke Tirols aber in der ruhigsten Zeit genießen will, der hatte in der ersten Aprilhälfte die beste Chance dafür.

Familienfreundliche Hotels liegen im Trend - Nobel-Absteigen für Skifahrer sind dagegen bereits in Betriebsurlaub. Ein gewisser Investitionsstau lässt sich bei genauem Hinsehen da und dort beobachten. Wobei die öffentliche Hand die Wechselphase zwischen Winter- und Sommer-Tourismus umgehend nutzt, um alle reparaturbedürftigen Straßen gleichzeitig aufzureißen. Lustig dabei: Die "Baustellen-Ampeln", die den einspurigen Verkehr regeln, sind aus Fleisch und Blut: An jedem Baustellen-Ende ist eigens ein Mann dafür eingesetzt, alle fünf Minuten (eine Ewigkeit!) das große Schild von rot auf grün und umgekehrt zu wenden. Da seht dann schon mal ein Campingstuhl am Gehsteig, so wie gerade am Ortseingang von Kitzbühel zu beobachten...

Wer ein handwerkliches Meisterstück sehen will, sollte in der Karwoche die Pfarrkirche zu St. Johann besuchen. Während sich vor der dort ansässigen Brauerei ein Baustellen-Krater epischer Größe auftut, sind im Gotteshaus die fließigen Männer aus dem Dorf ganz ohne touristischen Hintergedanken damit beschäftigt, vor dem prächtigen barocken Altar eine regelrechte professionelle Theaterkulisse aus Sperrholz für die Ostergeschichte aufzubauen. Seit beinahe 200 Jahren frönen diese Tiroler so dem höchsten Fest im Kirchenjahr. Das "Heilige Grab" ist elf Meter hoch und auf mehreren Ebenen hintereinander aufgebaut! Gut, dass die rund 20 Aufbau-Helfer vom Museums- und Kulturverein Helme tragen. Das System ist jedenfalls ausgeklügelt, und jeder der Helfer weiß ganz offensichtlich "blind", welche Handgriffe notwendig sind, um das Wunder der Auferstehung beeindruckend erfahrbar zu machen.

Wenn der April dagegen die Sonne über den Berggipfeln erscheinen lässt, dann finden sich im Freien die noch bewegenderen Bilder. Timoks Alm an der Mittelstation Streuböden der Bergbahn Fieberbrunn wartet mit einem ausgeklügelten Räuber- und Gendarm-Parcours (bzw. Enkel- und Wilderer-Parcours) auf, der erstens bestens in Schuss, zweitens raffiniert ersonnen und drittens wirklich spannend ist.

Das Nordufer des klaren Teichs in gut 1200 Metern Höhe ist noch prächtig in Schnee eingehüllt, während am jenseitigen Rand das Leben tobt: Hunderte von Fröschen geben sich inmitten von kiloweise zusammengeballten Laich hemmungslos immer weiter dem Liebesspiel hin, unzählige Fisch-Winzlinge und einige prächtige Forellen ziehen ihre Bahnen. Da lässt es sich verschmerzen, dass im Wildgatter eine Viertelstunde bergauf lediglich ein gelangweilter Damhirsch über seinen Harem wacht. Bei der Rückkehr zur Bahn lockt die chillige Outdoor-Lounge. Auch sie hat nach Ostern drei Wochen Pause.

Wer sich neben der vielfach angebotenen Wellness auch dem kulinarischen Genuss aussetzen möchte, der hat dafür sehr gute, aber nicht allzu viele Möglichkeiten. Die allermeisten Wirte sind bereits in Urlaub. Noch bis Ostern gibt es nahe Fieberbrunn lokale Spezialitäten und Himmlisches vom Rind bei der "Eisernen Hand", die sich mitten im gebirgigen Nirwana hinter Fieberbrunn befindet. Vorsicht vor der erlesenen Auswahl an Weinen und den in der Umgebung köstlich destillierten Bränden: Auf dem Heimweg mit dem Auto kreuzen schon einmal drei Rehe, zwei Hasen und eine übel gelaunte Katze den Weg. Schritttempo und scharfe Sinne sind angebracht.

Ganz besonders zu empfehlen: "Salzburger Nockerln", wie sie die Mama vom Junior-Chef, dem freundlichen  Michl macht, der sogar an seinem 30. Geburtstag gearbeitet hat. "Das gehört aber für das ganze Lokal", hofft eine preißische Touristin angesichts der 30-Zentimeter-Wölbung, die sich wollüstig aus der weißen Porzellan-Form erhebt. Falsch gedacht - die Redakteure aus Ostbayern sind für ihren guten Appetit bekannt.

 

 

 

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