/** */
Anzeige
Anzeige
Zentrale Bedeutung: Gasthaus Schiessl in der Denkmalliste

Zentrale Bedeutung: Gasthaus Schiessl in der Denkmalliste

3 Minuten Lesezeit (559 Worte)

Bodenwöhr. Letztes Jahr verstarb Paul Schießl und hinterließ mit dem Gasthaus Schiessl am Rathausplatz den wohl markantesten Bau der Ortsmitte seiner Frau, die in Tschechien wohnt. Franz Gruber, der letzte Wirt, verließ das Haus im Herbst. Seitdem steht die Traditionsgaststätte leer. In den letzten Wochen zogen dunkle Wolken über das wohl geschichtsreichste und Ortsbild prägende Haus in der Gemeinde am Hammersee auf. Ein Investor möchte es zugunsten eines Neubaus opfern. Nun gibt es aber große Hoffnung für das Gebäude: Das Landesamt für Denkmalschutz hat es aufgrund seiner Bedeutung für die Entwicklung Bodenwöhrs in die Denkmalliste aufgenommen.

Anzeige

 

Jedermann, der schon einmal durch Bodenwöhr gefahren oder gegangen ist, kennt die markante Silhouette des Gasthauses. Seine Bau feiert heuer, unbemerkt von der Öffentlichkeit, übrigens ein Jubiläum: Der bayerische Kurfürst ließ das Haus 1693, also vor 325 Jahren, errichten, um die Hüttenwerksarbeiter mit „praunem Bier“ zu versorgen. Von 1464 an wuchs Bodenwöhr zunächst nicht als Ort, sondern als Hüttenwerk heran, das Eisen produzierte und weiterverarbeitete. Die Siedlungen der Arbeiter scharten sich seit Ende des 17. Jahrhunderts um Werk und Wirtshaus, dem sozialen Mittelpunkt ihres Gemeinwesens.

Nach den Schrecken des 30-jährigen Krieges hatte ab 1670 Johann Schreyer von Blumenthal das Gelände (heute FischerHaus) wieder auf Vordermann gebracht. Nach Eisenerzfunden in der direkten Umgebung kaufte der Kurfürst das Werk auf und initiierte umfangreiche Baumaßnahmen – unter anderem in Form des Wirtshauses.

Christian Dümler vom Landesamt für Denkmalpflege betont, dass der heutige Bau das Ergebnis vieler Um- und Erweiterungsbauten sei. Das Haus hat sich den verschiedenen Anforderungen der Geschichte angepasst, blieb jedoch dabei immer ein Hort der Gastlichkeit und ein guter Platz für einen guten Schluck. Dümler hat für seine Einschätzung alte Steuerkataster, die Blab-Ortschronik und weitere Quellen ausgewertet. Wesentliche Erweiterungen des Originalbaus fanden demnach wohl Ende des 18. Jahrhunderts – hier kam der „Schiessl“ durch Vererbung zu seinem Namen – und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts statt.

„Über die Wirtshausfunktion hinausgehend handelte es sich bei dem Anwesen also um die zentrale örtliche Nahrungsmittelversorgung des Hammerwerks“, schreibt Dümler in seinem Gutachten. Schweineställe, ein Kuhstall, eine Bäckerei, eine Metzgerei und ein Wirtshausacker gehörten wohl dazu.

Der Fachmann vom Landesamt weist dem Gasthaus eine „zentrale ortsgeschichtliche Bedeutung“ zu, seine Erhaltung sei aus öffentlichem bzw. allgemeinem Interesse erforderlich. Bis in die heutige Zeit hinein haben dort unzählige Familien- und Vereinsfeste, soziale Zusammenkünfte jeder Art stattgefunden. Viele Generationen von Bodenwöhrern begleitete der „Schinack“, wie das Wirtshaus im Volksmund heißt, vom Tauffest über die Hochzeitsfeier bis hin zum Leichtrunk.

Das Gasthaus rettende Gutachten nun ist wohl ein Neben-Ergebnis aus dem Plan eines Investors, das Gebäude zu erwerben und an seiner Stelle ein Rathaus zu bauen, um dieses anschließend der Gemeinde zu verkaufen. Dieses Vorhaben dürfte sich mit dem Eintrag in die Denkmalliste erledigt haben.

Wer den alten Gasthof jetzt noch zu Fall bringen könnte, ist das Landratsamt Schwandorf. Wenn der Investor ein berechtigtes öffentliches Interesse darstellt, kann sich die Kreisbehörde mit Landrat Thomas Ebeling an der Spitze über die Einschätzung des Landesamtes hinweg setzen.

Da es für den Rathaus-Neubau aber mindestens vier Alternativen gibt – Neubau gegenüber an der Stelle des „Alten Rathauses“, Neubau an der Ludwigsheide, Um- und Erweiterungsbau an der Stelle des bisherigen Provisoriums an der Schwandorfer Straße (wie zuletzt von der CSU favorisiert) oder Umnutzung der nur noch sporadisch in Betrieb befindlichen Hauptschule – wird es schwer sein, dieses öffentliche Interesse wirksam zu formulieren.

Anzeige

Updates abonnieren Abo beenden Drucken

Ähnliche Beiträge

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://ostbayern-kurier.de/

Region Schwandorf

19. Oktober 2021
Maxhütte-Haidhof. Zusammen mit der Kräuterpädagogin Hedwig Weber wurden im MehrGenerationenHaus Maxhütte-Haidhof Kunstwerke aus essbaren Wildkräutern in Form einer Wildkräuterpizza erschaffen....
19. Oktober 2021
Nabburg/Ostbayern. Personaleinbindung und Personalbindung in Zeiten der Digitalisierung: Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz und das BayernLab laden am Freitag, den 29. Oktober 2021, um 10:00 Uhr zu einer kostenlosen Online-Veranstal...
18. Oktober 2021
Schwandorf. 29 Fälle am Freitag, 28 am Samstag, neun am Sonntag und sieben bislang heute (Stand 18. Oktober, 15.30 Uhr). Mit dieser Bilanz steigt die Gesamtzahl der Infektionen mit dem Corona-Virus über das Wochenende auf 9.317. Die Sieben-Tage-Inzid...
18. Oktober 2021
Maxhütte-Haidhof. Zusammen mit vier flauschigen Alpakas ging es im Rahmen des Jugendprogramms der Stadt Maxhütte-Haidhof auf eine Alpaka-Wanderung um den Steinberger See....
16. Oktober 2021
Ostbayern. (Advertorial) Das Haus in Sarching liegt etwas zurückgesetzt von der Straße, und schon von weitem lächelt der reife Herr freundlich zu. Im Gespräch meint er schelmisch: „Jetzt habe ich einen Knopf, wo immer sofort eine junge Frau zu mir ko...
15. Oktober 2021
Nittenau. „Gibt es von Ihrer Seite Einwendungen gegen die Tagesordnung?" Dies ist eine der Standard-Fragen zu Beginn einer jeden Stadtratssitzung....
Anzeige

Amberg, Sulzbach-Rosenberg

14. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Die Grund- und Mittelschule Ursensollen ist nicht auf den Hund, sondern auf das Huhn gekommen. In einer Ecke auf dem Pausenhof wurde eine Großraumvoliere angelegt, in dem seit kurzem drei Hühner untergebracht sind....
14. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat seit 1. Oktober einen neuen Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege. Markus Fuchs aus Ursensollen wurde von Landrat Richard Reisinger, zugleich Kreisvorsitzender der Obst- und Gartenbauver...
11. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Im Landkreis Amberg-Sulzbach wurde der Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 je 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten: Samstag, 9. Oktober 2021 (Inzidenzwert 39,8), Sonntag, 10...
10. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Ab Montag, 11. Oktober sind im Testzentrum auf dem Parkplatz des Gesundheitsamtes Amberg in der Hockermühlstraße keine kostenlosen Jedermann-Testungen mehr möglich. Darüber informiert das Landratsamt Amberg-Sulzbach in einer gemeinsa...
09. November 2020
Amberg-Sulzbach. Es war der 11. November 2000. Beim Seilbahnunglück von Kaprun sterben 155 Menschen, darunter 20 aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, überwiegend aus Vilseck und Hahnbach, aber auch aus Sulzbach-Rosenberg und Rieden. Erstickt oder verbr...
24. Oktober 2020
Amberg-Sulzbach. Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat die 7-Tage-Inzidenz von 35 überschritten. Somit tritt § 24 der 7. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (7. BayIfSMV) ab Sonntag, 25. Oktober 2020, 0 Uhr, in Kraft. Es wird eine M...

Für Sie ausgewählt

Wohnung, Haus und Garten

26. September 2020
Regensburg. Bereits zum 40. Mal veranstaltete der Kreisverband Regensburg für Gartenkultur und Landespflege (OGV KV) heuer seinen Gestaltungswettbewerb. Dabei konnte die Bewertungskommission bei 34 gemeldeten Gärten 19 Auszeichnungen und 15 Aner...
24. August 2020
So schön sonnige Tage unter freiem Himmel sind – Bewohner von Dachwohnungen leiden im Hochsommer vielfach unter überhitzten Räumen. Auch der Spätsommer und ein goldener Herbst können so manches Obergeschoss gefühlt in einen Backofen verwandeln....
08. August 2021
(djd). Muss alles, was nicht mehr ganz taufrisch aussieht, gleich auf den Müll wandern? Lässt sich zum Beispiel das Lieblingsmöbelstück nicht aufbereiten und neu nutzen? Und ob! Upcycling heißt der Trend, der Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständ...