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Zurückdenken an die Zeit beim Jahn

Zurückdenken an die Zeit beim Jahn

3 Minuten Lesezeit (696 Worte)

Jahn Regensburg - das ist nicht nur in der Oberpfalz ein Begriff. Der Verein ist bundesweit bekannt. Das Kürzel SSV steht für Sport- und Schwimmverein und er Name Jahn kommt vom großen Turnvater Jahn. Werfen wir gemeinsam mit unserem Reporter Rudi Engl, selbst ein Jahn-Veteran, einmal einen Blick auf die Geschichte des Traditionsvereins.

Im Jahr 1889 wurde der Jahn gegründet. Von 1926 bis zum 23. Mai war die Prüfeninger Straße die Heimat des Vereins. Bereits 1931 wurde eine Tribüne erbaut - mit 1200 überdachten Sitzplätzen. Große Siege wurden hier gefeiert, aber auch schmerzhafte Niederlagen mussten die Sportler und Jahn-Anhänger hinnehmen. Die Straßenbahn der Linie 1 brachte - meist überfüllt - die Fans zum Stadion. Massen strömten zu den Spielen.

Zahlreiche Jahn-Sportler sind heute bis heute in guter Erinnerung geblieben – so Hans Jakob, der frühere Nationaltorwart, oder Sepp Hubeny, der wuchtige Mittelstürmer, der selbst in den 50er Jahren einen Torkasten zum Zusammenbruch brachte. Oder aus den 60er Jahren  der  aus Steinsberg stammende spätere Amateur-Nationalspieler  Gerd Faltermeier, der  erste „Tor des Monats“-Torschütze.
Den 6. Tabellenplatz erreichten die in den Stadtfarben spielenden Rothosen des SSV Jahn Regensburg in der damaligen ersten Oberliga Süd unter Trainer Bimbo Binder, der als  Spieler in Österreich  noch heute eine Legende ist. Wurstfabrikant Franz Ostermeier aus der Ostengasse investierte damals als Vorstand viel Geld in den Verein.

Bei den Heimspielen wusste man noch, wo die Spieler herkamen, sie sprachen fast ausschließlich Dialekt. Namen wie der FC Bayern-Linksaußen Mucki Brenninger oder der einarmige  Mittelläufer Robert Schlienz vom VfB Stuttgart, sowie Max Morlock vom Nürnberger Club oder Peter Grosser von 1860 München sind mir noch gut in Erinnerung.

Kehrt man jetzt im grauen Winter ins alte Regensburger Jahn-Stadion zurück, erschrickt man fast bei dem sich bietenden Anblick: Der Platz ist verwüstet, die Zuschauerränge teilweise zerstört, die Tribüne ausgeschlachtet. Im sog. Totenmonat November herrschte hier absolute Ruhe.

Hier habe ich meinen sportlichen Höhepunkt in der Jahn-Jugend und bei den Jahn-Amateuren von 1960 bis 1963 erlebt. War schon 1968 der Verkauf des zweiten Platzes hinter dem Turm nicht erfreulich, so ist es für mich als ehemaligen Aktiven schmerzlich, das Stadion im jetzigen Zustand zu sehen.

Betritt man die ausgeschlachtete Tribüne, wo sich einst sportliche und politische Größen trafen, oder wirft man einen Blick in den Gastraum, wo oft hitzige Versammlungen stattfanden, Siege gefeiert und Niederlagen begossen wurden, wird man traurig. Hier bekam man als Spieler nach dem Training und nach einem Spiel vom Vereinswirt auf Kosten des Vereins ein Essen. Ich meist zusammen mit Horst Eberl, der heutigen Vereinslegende in der Abwehr als Außenläufer.

Ich erinnere mich noch gut, als wir gegen die SpVgg Weiden um die Bezirksmeisterschaft spielten. Meine Aufgabe war es damals, den späteren Bundesligaspieler Mani Linz auszuschalten, was großen Einsatz erforderte.

Später bei den Aktiven bekam man in der Oberliga- Reserve, die in der damaligen A- Klasse spielte, 5 Mark für ein Spiel. Bei den Amateuren, die in der 1. Amateurliga, der heutigen Regionalliga spielten, gab es 10 Mark pro Einsatz. Eine Auswechslung gab es damals nicht, auch mit einer Verletzung wurde oft noch gespielt. Unvergesslich sind mir die zweimal wöchentlich stattfindenden Trainingsrunden auf der 400 Meter langen Aschenbahn unter den Trainern Karl Schamriß. Lulu Wagenpfeil, Alfred Popp oder Hans Jakob.

Auch erinnere ich mich noch sehr gut an mein erstes erlebtes Spiel 1953 im Stadion. Der Jahn spielte damals gegen Alemannia  Aachen und verlor 3:1. Ich war mit meinen älteren Bruder zu zweit auf dem Fahrrad vom 12 Kilometer entfernten Hainsacker über Schotterstraßen zum Spiel gefahren.

Oder 1956 gegen den KSC - das Stadion war übervoll, als Bub sah man nur die Füße der Zuschauer und musste Angst haben, erdrückt zu werden. 1972 wurden sogar Vorrundenspiele von der Olympiade im Jahnstadion ausgetragen. Das alles ist aber Vergangenheit oder Geschichte.

Beim letzten Spiel des SSV Jahn gegen Fortuna Köln in der 3. Bundesliga am 25.5.2015 war ich natürlich auch dabei. Dies war auch ein unvergessliches Erlebnis in meinem sportlichen Leben - aber heute mit 72 Jahren ist der Anblick des alten Stadions sehr schlimm.

Die neue Continental Arena ist zwar ein Blickfang an der A 3 und sehr modern, aber zumindest für mich noch kein rechtes Zuhause. Die junge Generation denkt da sicher anders.

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