Ein Ort der Begegnung und der Seelsorge

Der Segnung des neuen Pfarrhofs in Nittenau ging ein Gottesdienst voraus, den Stadtpfarrer Adolf Schöls mit dem Ruhestandsgeistlichen, Pfarrer Georg Frank, zelebrierte, in der vollbesetzten Pfarrkirche Mariä Geburt. Platz genommen hatten auch die Ehrengäste, die ihre Ansprache im Gotteshaus hielten, und bei der anschließenden Spendung des Segens zugegen waren.

„Nach viereinhalb Jahren geht ein Provisorium zu Ende, in zwei Wochen ziehe ich um“, verkündete Pfarrer Adolf Schöls eingangs. „Ob das Telefon in zwei Wochen geht, das weiß ich nicht“. In seiner Ansprache ging der Geistliche auf das Tagesevangelium ein. Die Wüste sei ein faszinierender interessanter Ort, locke mit Freiheit und Abenteuer. Doch berge sie auch Herausforderungen, die Gefahr in ihr ums Leben zu kommen, sei enorm groß. Jesus habe sich eine Auszeit genommen, ehe er in der Öffentlichkeit aufgetreten sei. Er habe sich den essentiellen Herausforderungen gestellt, um zu sehen, ob er seiner kommenden großen Aufgabe gewachsen sei. Am Ende lockt der Versucher mit Macht und Reichtum. Und Jesus zeigt: „Auf das kommt es nicht an.“ Auch unser Leben kann manchmal eine Wüste sein, leitete Pfarrer Schöls in unser Leben über. Druck und Erwartungen, die einen auffressen, es falle immer schwerer, miteinander zu reden, stattdessen folgen böse Ablästerungen. „Das alles hinterlässt eine Wüstenlandschaft. Die Seele verdorrt und verhungert.“ In der Fastenzeit gehe es darum, Gott unser Herz zu schenken, geistiges Leben wieder zum Blühen zu bringen. Diese österliche Bußzeit möchte Impuls geben, sich wieder Gott zuzuwenden, wie Jesus die Stille zu suchen und sich zu fragen, wo müsste ich wieder neu anfangen. „Der Pfarrhof soll ein Ort der Begegnung und der Seelsorge sein, ein Ort, wo wieder spürbar werde: „Hier hat Gott einen Platz und du bist willkommen.“

Nach dem Ende des Gottesdienstes wurden die Grußworte gesprochen. Kirchenpfleger Christian Elsinger erinnerte daran, dass vor fast einem Jahr das Pfarrheim gesegnet worden war. Nun beim Pfarrhof ging es in erster Linie um das Heim von Pfarrer und Kaplan sowie um die Funktionalität. Der Bau habe für Gesprächsstoff gesorgt, was er aber nur aus zweiter oder dritter Quelle erfahren habe. Man hätte sicherlich einfacher und schlichter bauen können und eine andere Bauform wählen können. Sicher, diese Ausführung war nicht die billigste, aber man habe die Kosten stets im Blick gehabt. Und sicher, die Arbeit hier soll Spaß machen und das Gebäude zukunftsfähig sein. „Ich stehe gerne zur Verfügung, wenn jemand darüber reden will“, so Elsinger. An Pfarrer Schöls gewandt sagte er, dass er eigentlich erst mit dem heutigen Tag in Nittenau ankomme. Als Geschenk überreiche er daher Brot und Salz. Erst jetzt soll die Zeit zählen, in der er hier wirke. „Ich hoffe, dass Ihre Dienstzeit von 15 Jahren in einer Pfarrei erst mit dem heutigen Tag beginnt.“ Riesenapplaus setzte nach diesen Worten ein.

Kirchenpfleger Christian Elsinger überreichte an Pfarrer Adolf Schöls Brot und Salz. (c) by Ingrid Schieder

„Wenn heute ein Gebäude feierlich seiner Bestimmung übergeben wird, so ist dies der Abschluss eines Prozesses, der im Vorfeld viel Energie und Kraft, aber auch Geld, das Steckenpferd unseres Pfarrers in punkto sparen, gekostet hat“, betonte Bürgermeister Karl Bley. Viel Kreativität sei bei der Ideenfindung und der Planungsaufgabe zur Architektur sowie den Vorgaben der Nutzungsfunktionen gefordert gewesen. Bley beglückwünschte zur optimalen Umsetzung. Die Stadt habe auch einen Beitrag zu diesem Projekt geleistet. Viele erinnern sich noch an das Jugendheim und an das ehemalige Pöllinger-Anwesen. Nach den ersten Sondierungsgesprächen mit den Eigentümern des Pöllinger-Hofes habe Pfarrer Schöls „in seiner Ungeduld, ich hoffe, er verzeiht mir diesen Ausdruck, aufgegeben.“ Geäußert habe er „Dann bauen wir halt so, wie sich das Grundstück darstellt“. Bley sagte, er habe den Stadtrat und die Regierung der Oberpfalz überzeugen können, sich bei diesem Projekt einzubringen und durch den Erwerb des Pöllinger-Anwesens durch die Stadt und dem anschließenden Grundstückstausch mit der Kirche bessere Voraussetzungen für eine Bebauung des Areals zu schaffen, so Bley. Beschlüsse durch den Stadtrat, Gespräche mit der Regierung und vor allem lange Gespräche mit der Familie Oberberger, die die Eigentümer des Pöllinger-Hofes waren. Der Aufwand an Zeit und Geld habe sich in meinen Augen gelohnt, so Bley. „Auch wenn Pfarrer Schöls in seiner Ungeduld es nicht erwarten konnte, bis die Baugenehmigung erteilt wurde und sich über Stadt und Landratsamt beschwerte. Genau wie sein Vorredner wünschte Bley Pfarrer Schöls und allen, die in diesem Gebäude wohnen und arbeiten, dass sie sich wohlfühlen an diesem Ort. „Alles Gute und viel Erfolg in Ihrem Wirken, denn es stehen weitere Bauprojekte an, die wieder ihre Geduld fordern“, so Bley.

Dipl.-Ing. Architekt Franz Bast sprach ebenfalls kurz von der Ungeduld des Geistlichen, aber „der Erfolg gibt ihm recht“. Viel Kopfschmerz habe es bereit, den Bau so herzustellen. Der Pfarrhof sei ein sehr beeindruckendes Gebäude, selbstbewusst und modern, aber nicht modisch. Die Formgebung des Büros sei nicht sofort akzeptiert worden. „Ich glaube, wir haben eine gute Arbeit abgeliefert, zusammen mit den Handwerkern, die sehr gut gearbeitet und für eine gute Stimmung auf der Baustelle gesorgt haben, ich hoffe, dass sich das fortsetzt“, so Bast.

Pfarrer Adolf Schöls entschuldigte sich für seine Ungeduld, auch bei den beiden anwesenden Vertretern des bischöflichen Baureferats des Bistums Regensburg, dem stellvertretenden Leiter und Diözesanarchitekt Gerhard Hackl und Diözesanarchitektin Martina Hackl (beide nicht verwandt miteinander) und allen weiteren Beteiligten. „Mei, das ist halt mein Temperament“.

Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern werde wieder einfacher, da alles unter einem Dach vereint sei. Wichtig sei, dass es ein offenes Haus sei. Sein Dank galt seinem Amtsvorgänger, Pfarrer Josef Schiedermeier, der den finanziellen Grundstein gelegt habe, der Kirchenverwaltung mit Christian Elsinger. Aufmerksam machte der Geistliche auf die wunderschöne Pfarrkirche, bei der es gelungen sei, alt und neu zu vereinen und auf ein Pfarrheim, um das uns viele beneiden. Der Pfarrhof sei lichtdurchlässig, die Raumaufteilung optimal. Sein Dank galt dem Architekten, Hausmeister Heinrich Poiger und der Pfarrhausfrau. Er lud zur anschließenden Segnung der Räumlichkeiten ein. „Es soll ein gutes und segensvolles Miteinander werden.

Eine große Schar der Kirchgänger versammelte sich anschließend vor dem Pfarrheim, das von Pfarrer Adolf Schöls den kirchlichen Segen erhielt. Unmittelbar danach und am Nachmittag bestand die Möglichkeit, die Räumlichkeiten in Augenschein zu nehmen. Überall war nur Positives bei der Besichtigung zu vernehmen.