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UPDATE: Balkan-Flüchtlinge dürfen vorerst im Dom bleiben

UPDATE: Balkan-Flüchtlinge dürfen vorerst im Dom bleiben

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UPDATE: Asylsuchende aus dem Balkan haben am Dienstagvormittag im Regensburger Dom ein Protestlager aufgeschlagen. Die rund 40 Frauen, Männer und Kinder stammen aus verschiedenen Ländern wie Mazedonien, dem Kosovo, Montenegro oder Bosnien und sind unmittelbar von Abschiebung bedroht. Ein Teil der Asylsuchenden, die bislang in Regensburg und Ingolstadt untergebracht waren, hätten heute mit dem Flugzeug abgeschoben werden sollen. Ihre Hoffnung auf Unterstützung durch die katholische Kirche wurde erfüllt: Das Bistum Regensburg hat entschieden, dass die Flüchtlinge vorerst im Dom St. Peter bleiben können und dass man sich um ihre humanitäre Versorgung kümmern wolle.

 

Wie lange die Protestierenden im Dom verweilen werden, war zunächst unklar. Das Regensburger Domkapitel war schnell informiert und hatte mit Domdekan Anton Wilhelm wenige Minuten nach Ankunft der Flüchtlinge einen Vertreter vor Ort. Das Domkapitel beriet mehrere Stunden über das weitere Vorgehen. Das Ergebnis: Die Flüchtlinge können vorerst im Dom bleiben. "Wir tun als Kirche, was wir als Kirche tun können. Der Rest ist eine politische Angelegenheit", sagt Generalvikar Michael Fuchs zur Entscheidung von Domkapitel und Bistum.

Konkret heißt das, dass sich die Kirche um die humanitäre Versorgung der Asylsuchenden kümmern wird. Sie sollen auf dem Gelände des Doms Schlafmöglichkeiten und sanitäre Anlagen zur Verfügung gestellt bekommen, mit Lebensmitteln versorgt und medizinisch betreut werden. Die Asylsuchenden freuen sich über das Angebot und sind dankbar für die Unterstützung. Im Moment ist angedacht, etwa fünf Tage dort zu bleiben. Sie hoffen, dass für die Zeit danach Wohnungen und Plätze an Schulen für die Kinder verfügbar sind.

Der Protest habe sich aus den Reihen der Asylsuchenden selbst formiert, sagt Isen Asanovski von Romano Jekipe Ano Hamburg, einer Organisation zur Unterstützung von in Deutschland lebenden Roma. "Wir haben keine andere Wahl. Wir haben uns entschieden, in Gottes Haus, bei Jesus, bei Euch Hilfe zu suchen. Unsere Situation ist sehr schlecht. Unsere Kinder leiden, unsere Leute sterben", erklärt Asanovski dem Mesner des Regensburger Doms Josef Dommer. Er war zufällig vor Ort als die Protestierenden dort aufgeschlagen sind. Dommer und Wilhelm, die als erste Kirchenvertreter im Dom waren, hatten zwar Verständnis für die Lage der Flüchtlinge, konnten jedoch noch keine Hilfe versprechen.

Der Protest hatte sich in den letzten Tagen organisiert und begann am Dienstag Vormittag. Von der Historischen Wurstkuchl aus, wo sich die beteiligten Asylsuchenden mit einigen Unterstützern trafen, gingen sie gegen 11 Uhr zum Dom und stellten sich mit Transparenten am Rand des Hauptschiffs auf.

In der Gruppe befinden sich viele Familien mit Kindern, das jüngste von ihnen ist einen Monat alt. Vor dem Dom haben Privatpersonen aus Regensburg, die den Protest unterstützen, gegen 13 Uhr einen Infostand aufgebaut. In einer ersten Stellungnahme auf einem Flugblatt werben die von Abschiebung bedrohten Menschen und Romano Jekipe Ano für Solidarität mit ihrem Anliegen: "Wenn wir in die Staaten gehen, deren Adler unsere Papiere ziert, dann erwarten uns Verfolgung, Rassismus, Ausschluss. Und keine Spende aus Westeuropa kann unsere Probleme dort lösen. Die Lösung unserer Probleme liegt hier. Wir können nicht mehr in unseren Verstecken bleiben", heißt es auf dem Flyer.

Sie wehren sich dagegen, dass ihnen im Gegensatz zu Flüchtlingen, deren Fluchtgründe als legitim anerkannt werden, keine Perspektive in Deutschland offensteht. Serbien, Mazedonien, Bosnien, Kosovo, Albanien und Montenegro gelten als sichere Herkunftsländer. Die Protestierenden und ihre Unterstützer fordern, dass diese Entscheidung rückgängig gemacht wird.

Am Mittwoch gab das Bistum folgende weitere Erklärung ab: "Derzeit wird versucht, die Versorgung der Menschen im Dom durch Einrichtungen der Caritas und ehrenamtliche Helfer der Malteser und des Unterstützerkreises weiter zu gewährleisten. Auf Wunsch des Bistums wird die Polizei im Dom bei den abschiebegefährdeten Personen vorerst nicht eingreifen, obwohl es sich hierbei um kein Kirchenasyl handelt. Für die Menschen, die von der Abschiebung bedroht sind, wird die kirchliche Caritas Asylsozialberater/-innen bereitstellen, um den Kontakt mit den Betroffenen herzustellen und gegebenenfalls die Einzelfälle zu sichten. Die liturgischen Feiern und Veranstaltungen im Dom werden durch die geduldete Präsenz dieser Gruppe nicht beeinträchtigt."

 

 

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